OstContact 9/10-2018

Der Welthandel wird schon lange immer komplexer. Doch erst seitdem Bürgerbewegungen auch in der EU (dem größten und fortschrittlichsten Freihandelsraum der Welt) gegen Freihandelsabkommen lautstark protestierten, erst seit immer mehr Länder einen öffentlichen anstatt wie seit der Finanzkrise versteckten Protektionismus betreiben, diskutieren wir auf breiter Ebene, wie wir damit umgehen wollen und können. Die Debatte fokussiert sich dabei meist auf die Politik. Wortführer aus der Wirtschaft sind deutsche Weltkonzerne oder global aufgestellte Unternehmen ab 1.000 Mitarbeiter.
Aber wie geht eigentlich der Mittelstand im Alltag mit diesen Themen um – Unternehmen mit unter 500 Mitarbeitern, die vor denselben globalen Herausforderungen stehen?

Mit dieser Frage haben wir uns in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Im Rahmen des Mitteldeutschen Exporttages diskutierten wir den „strategischen“ Umgang kleinerer Mittelständler mit nicht-tarifären Handelshemmnissen. Und im aktuellen Titelthema wollten wir uns vorrangig mit der Frage befassen, wie strategisch solche Unternehmen die Märkte in Osteuropa und Zentralasien angehen. Die Antwort lautet meist: kaum. Denn um derartige Schritte wirklich gründlich zu planen und strategisch vorzugehen – also gegebenenfalls auch heute Risiken in Kauf zu nehmen, um mittelfristig Chancen wahrnehmen zu können – fehlt es vielen einfach an Ressourcen.

Dennoch beneiden uns zahlreiche Länder um den stark aufgestellten deutschen Mittelstand. Vor rund fünf Jahren, als ihnen klar wurde, dass sie die Globalisierung verschlafen hatten, schickten etwa die Japaner Delegation um Delegation nach Deutschland, um zu verstehen, was den deutschen Mittelstand so stark macht – und das sind eben nicht nur die Firmen mit über 1.000 Mitarbeitern.
Wer sich die im Osten erfolgreichen Unternehmen anguckt, kann folgendes beobachten: schrittweises Vortasten, Durchhaltevermögen, trotz deutscher Starrköpfigkeit die Fähigkeit sich anzupassen und starke Produkte. Hinzu kommen eine gut aufgestellte Außenwirtschaftsförderung und starke Netzwerke sowohl in Deutschland als auch im Ausland.

Was noch ausbaufähig ist, ist die Unterstützung seitens der Politik, die eine klare, selbstbewusste Außenwirtschaftspolitik betreibt und das, was sie tut, transparent und einfach verständlich kommuniziert.
Neben den Ressourcen und Netzwerken sowie der richtigen Unternehmenskultur, die ohne Frage in Deutschland vorhanden ist, ist Information das A und O. Ob Fachjournalisten, IHK-Länderverantwortliche, Berater oder erfahrene Manager: Wir alle müssen Tag für Tag die Entwicklungen neu verstehen und lernen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Dies und wie immer vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe des OstContact.

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