Wirtschaft reagiert gespalten: „erwartet“ bis „geschockt“

RusslandInsider fragte bei führenden Unternehmen nach, wie sie die von Präsident Putin angekündigten Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus einschätzen. Dieses Paket ist bei Wirtschaftsvertretern auf ein geteiltes Echo gestoßen.

Foto: imago images / ITAR-TASS (Gavriil Grigorov)

Johan Vanderplaetse, Vizepräsident Schneider Electric

„Grundsätzlich sind wir mit vielen der angekündigten Maßnahmen zufrieden, die eindeutig darauf abzielen, die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft und die Bevölkerung insgesamt zu mildern. Wir analysieren derzeit die Auswirkungen der angekündigten Maßnahmen und erwarten, dass der Moskauer Bürgermeister Sobjanin bald wichtigere Folgemaßnahmen ankündigen wird.“

Ernesto Ferlenghi, Präsident des italienischen Industriellenverbands Confindustria Russia

„Die russischen Bürger sind äußerst besorgt über die rasche Ausbreitung des Coronavirus weltweit. Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass Präsident Putin den richtigen Zeitpunkt gewählt hat, um sich an seine Mitbürger zu wenden. Er hat ein klares Signal für weitere Schritte ausgesendet, die der Staat in der nächsten Zeit unternehmen wird. Darüber hinaus glaube ich, dass die vom Präsidenten vorgeschlagenen Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft wichtig sind. Gleichzeitig wurde vernünftigerweise beschlossen, die nächste Woche für frei zu erklären. Dies wird zweifellos dazu beitragen, dass sich die Gesellschaft zu einem gewissen Grad beruhigt und die nötige Ruhe im weiteren Umgang mit dieser Notsituation findet.“

Ivan Volkov, Head of Branch office Sinclair Pharma

„Grundsätzlich billigen wir die Entscheidungen der Regierung. Der einzige Punkt, der Missverständnisse verursacht, ist die angekündigte arbeitsfreie Woche. Die Aussetzung der Arbeit bei gleichzeitiger Weiterzahlung der Löhne macht für uns wenig Sinn. Die Arbeitsproduktivität wird sinken, was zu Lasten der Arbeitgeber geht. Es wäre vernünftiger, wenn der Staat zusätzliche Prämien auf den Arbeitslohn einführen würde, anstatt von den Arbeitgebern die Weiterzahlung des Gehalts zu verlangen. Generell ist auch noch nicht klar, wie sich diese Beschlüsse auf die russischer Wirtschaft im Allgemeinen auswirke werden. Im Vergleich zu den Maßnahmen in den USA können Putins Aussagen aber als „Soft“ oder als „Light“ bezeichnet werden.“

Rainer Fischer, Geschäftsführer, Domoferm Russland

Wie eine arbeitsfreie Woche die Verbreitung des Coronavirus verhindern soll ist nicht nachvollziehbar. Es gibt unserem Verständnis nach keinen Zwang nicht zu arbeiten – unsere Kundenaufträge müssen ja erfüllt werden um das Business am Laufen zu halten. Auch hätte ich von der russischen Regierung striktere Maßnahmen wie zum Beispiel die Verhängung einer Ausgangssperre erwartet, um die Krise einzudämmen.“

Leo Eppinger, Managing Director, Metalock

„Ich habe Putin so verstanden, dass eigentlich alles schließen soll, bis auf Lebensmittelläden und Krankenhäuser. Allerdings können beispielsweise Kraftwerke oder Stahlwerke nicht einfach abwickelt werden – die Anlagen müssen gewartet und instandgehalten werden. Für die Schwerindustrie und den Energiesektor ist eine Schließung nicht umsetzbar, zum Beispiel können Hochöfen nicht einfach für eine Woche abgeschaltet werden.“

Arsenij Gratza, Head of Business Unit EEU/CIS, ProChema GmbH

„Die Maßnahmen werden jetzt ähnlich wie anfangs in Europa schrittweise präsentiert. Will man damit die Krise wirklich eindämmen oder nur eine Woche Zeit gewinnen? Eine ähnliche Taktik hat man auch in Österreich angewandt. In der Praxis muss noch geklärt werden, ob zum Beispiel Zollämter oder gewisse Branchen weiterarbeiten.“

Julia Khripinnikova, Chief accountant, Lyondell Basell

Wir sind mit den Ankündigungen nicht zufrieden. Warum können Banken offen bleiben, aber nicht beliebige andere Geschäfte, die in der Lage sind im Home-Office-Modus zu arbeiten? Es erschwert die Situation enorm, weil auch der Monatsabschluss vor der Tür steht.“