ifo Institut: Prognose für Wirtschaftsleistung 2020 äußerst unsicher

MÜNCHEN. Die Bekämpfung des Coronavirus stürzt Deutschland in die Rezession. ifo-Präsident Clemens Fuest stellte am 19. März in München zwei mögliche Szenarien der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland vor.

In allen Industriezweigen ist der Geschäftsklimaindex gefallen, teilweise recht deutlich. Viele Unternehmen haben Produktionskürzungen angekündigt und ihre Exportpläne gekappt. Foto: iStock © SlobodanMiljevic

„Prognosen darüber, wie tief die Rezession ausfällt, sind derzeit mit extrem hoher Unsicherheit behaftet. Deshalb ist es sinnvoll, verschiedene Szenarien in den Blick zu nehmen. Das ifo Institut betrachtet ein sehr günstigstes Szenario mit minus 1,5 Prozent Wirtschaftsleistung für das Jahr 2020. Dabei sind aber nur kleinere Einschränkungen in der Industrie berücksichtigt. In einem zweiten Szenario, das größere Produktionseinschränkungen unterstellt, schrumpft die Wirtschaftsleistung sogar um sechs Prozent“, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest.

Bei seiner letzten Prognose im Dezember hatte das ifo Institut 1,1 Prozent Wachstum für 2020 erwartet. Fuest fügte hinzu: „Sowohl die Unsicherheit als auch die Abwärtsrisiken sind sehr groß. Niemand weiß genau, wie sich die Absagen und Schließungen wirtschaftlich auswirken. Der weitere Verlauf hängt stark von den weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie und von Entscheidungen in anderen Ländern ab. Umso wichtiger ist nun ein massives und gezieltes Gegensteuern von Bundesregierung, EU und Europäischer Zentralbank (EZB). Gleichzeitig müssen dringend Konzepte entwickelt werden, um die Dauer und Intensität des Lockdown zu begrenzen ohne die Bekämpfung der Epidemie zu beeinträchtigen.“

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich massiv verschlechtert. Der vorläufige ifo Geschäftsklimaindex ist im März auf 87,7 Punkte eingebrochen, nach 96,0 Punkten (saisonbereinigt korrigiert) im Februar. Dies ist der stärkste Rückgang seit 1991 und der niedrigste Wert seit August 2009. Insbesondere die Erwartungen der Unternehmen* für die kommenden Monate verfinsterten sich wie nie zuvor. Auch die Einschätzungen zur aktuellen Lage sind deutlich gefallen. Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession.

(* In die vorläufige Auswertung gingen etwa 90 Prozent der üblichen Zahl der Antworten ein. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 2. und 18. März 2020.)

Die Weltwirtschaft ebenfalls dürfte beträchtlich unter der Corona-Krise leiden, und auch der Welthandel dürfte mit einem Rückgang um 1,7 Prozent stark in Mitleidenschaft gezogen werden, so die Einschätzung des ifo Instituts. Mit der weiteren Verschärfung der Pandemie wird die globale Wirtschaftsleistung wohl vor allem im zweiten Quartal um 2,6 Prozent einbrechen. Hierzu tragen insbesondere Europa und die USA bei. Hier dürfte der Krisenverlauf sehr ähnlich wie in Deutschland sein.

Dagegen dürfte die Aktivität in China und Südkorea wieder leicht zulegen als Folge der gesunkenen Infektionszahlen. Ab dem Sommer wird es voraussichtlich weltweit zu einem allmählichen Aufholprozess kommen mit knapp 2 Prozent Zuwachs im dritten und 1,7 Prozent im vierten Quartal. Ähnlich wie in Deutschland dürfte das Produktionsniveau am Ende des Prognosezeitraums um 0,5 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegen.