Eine von zehn: Leibniz-Preisträgerin 2020 Prof. Dr. Dagmar Schäfer

BERLIN. In China wurden nicht nur das Feuerwerk, das Porzellan und die Schubkarre erfunden, sondern auch der Vorläufer der Post-its-Zettel, auf denen Notizen aller Art festgehalten werden. Es sind Quellen wie diese, mit denen die diesjährige Leibniz-Preisträgerin Dagmar Schäfer erforscht, wie in früheren Zeiten geplant und gehandelt wurde und welche gesellschaftlichen Folgen dies hatte.

Prof. Dr. Dagmar Schäfer – Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträgerin 2020 Foto: DFG

Dagmar Schäfer erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis für ihre bahnbrechenden Beiträge zu einer umfassenden, globalen und vergleichenden Geschichte von Technik und Wissenschaft. „Vor allem ihre Arbeiten zu China haben ein neues Licht auf die angebliche Stagnation der dortigen Wissensentwicklung geworfen“, so die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Zwei ihrer Werke zu China während der Ming-Epoche seien von besonderer Bedeutung. Mit „Des Kaisers seidene Kleider. Staatliche Seidenmanufakturen in der Ming-Zeit (1368–1644)“, legte Schäfer die Grundlagen für einen Ansatz, in dem Wissen und Handeln sowohl in ihrem historischen und kulturellen Zusammenhang als auch im Alltag untersucht wurden. Im Band „The Crafting of the 10,000 Things: Knowledge and Technology in 17th-century China” setzte sie chinesische und europäische Entwicklungen im 17. Jahrhundert miteinander in Beziehung, entwickelte neue, kulturwissenschaftliche Ansätze und eröffnete vergleichende Perspektiven in der Technik- und Wissenschaftsgeschichte, heißt es auf der Webseite der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Dagmar Schäfer studierte Sinologie, Japanologie und Politikwissenschaften in Würzburg, wo sie 1996 promoviert wurde und sich im Jahr 2005 habilitierte. Sie übernahm 2006 die Leitung einer unabhängigen Forschungsgruppe zur Wissenschafts- und Technikgeschichte Chinas am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und wechselte 2011 auf den Lehrstuhl für China-Studien und Technikgeschichte an der Universität Manchester. 2013 kehrte sie als Direktorin der Abteilung „Artifacts, Action, Knowledge” an das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte zurück.

Die Leibniz-Preise 2020
Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erkannte zwei Wissenschaftlerinnen und acht Wissenschaftlern den Leibniz-Preis 2020 zu. Sie waren zuvor vom zuständigen Auswahlausschuss aus 114 Vorschlägen ausgewählt worden. Von den zehn Preisträgerinnen und Preisträgern kommen jeweils vier aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, drei aus den Lebenswissenschaften, einer aus den Naturwissenschaften und zwei aus den Ingenieurwissenschaften.

Die Ausgezeichneten erhalten jeweils ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro. Diese Gelder können die Preisträgerinnen und Preisträger bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden. Ursprünglich sollten heute (16. März) die diesjährigen Leibniz-Preise in Berlin verliehen werden. Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 wurde die geplante Verleihung verschoben; ein neuer Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.