Messeabsagen: Hohe wirtschaftliche Einbußen erwartet

BERLIN. Durch die Absagen und Verschiebungen von Messen in Deutschland wegen des Coronavirus ist der Messestandort Deutschland schon jetzt erheblich betroffen, berichtet der AUMA – Verband der deutschen Messewirtschaft und prognostiziert, dass der Beitrag der Messen zur gesamten Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um zehn Prozent sinken könnte.

Die diesjährige HANNOVER MESSE wurde von April auf Juli verschoben und soll nun vom 13. bis 17. Juli 2020 stattfinden. Foto: Deutsche Messe Hannover

Den Messeveranstaltern und -dienstleistern wie zum Beispiel Messebauunternehmen entstehen durch Absagen und Verschiebungen von Veranstaltungen erhebliche wirtschaftliche Einbußen. Viele andere Wirtschaftszweige wie Hotellerie und Gastronomie, Transportgewerbe sowie zahlreiche Lieferanten und Handwerker an den Messestandorten sind ebenfalls stark von Umsatzeinbußen betroffen. Für die jeweilige Stadt oder Region habe das auch direkte wirtschaftliche Konsequenzen, da aufgrund der Umsatzeinbußen Steuereinnahmen wegfallen.

Das Institut der Deutschen Messewirtschaft im AUMA hat die Effekte auf Deutschland erstmalig hochgerechnet. Grundlage sind Berechnungen des ifo Instituts zur gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der deutschen Messen von 2018. Demnach sind allein durch die bisher bekanntgegebenen Absagen beziehungsweise Verschiebungen Einbußen für die Gesamtwirtschaft in Höhe von fast drei Milliarden Euro zu erwarten. Mehr als 24.000 Arbeitsplätze sind betroffen, dem Fiskus dürften über 470 Millionen Euro Steuereinnahmen verloren gehen.

In den genannten Summen sind nicht die den Unternehmen entgangenen Umsätze enthalten, die sie sonst auf Messen getätigt hätten. Diese Werte liegen um ein Vielfaches höher als die oben genannten Summen und können nur in begrenztem Umfang durch andere Maßnahmen substituiert werden, denn kein anderes Marketinginstrument ist in der Lage, die Darstellung des Unternehmens und der Produkte in ihrer Breite und Tiefe über den persönlichen Kontakt herzustellen.

Dazu AUMA-Vorsitzender Philip Harting: „Fast alle Messeplanungen für die nächsten Monate werden gerade Makulatur. Veranstalter, Aussteller, Besucher und Dienstleister verlieren jede Planungssicherheit. Sie haben hohe Vorlaufkosten ohne Aussicht auf entsprechenden Nutzen oder hohe akute Umsatzeinbußen. Der Beitrag der Messewirtschaft von jährlich über 28 Milliarden Euro zur gesamten Wirtschaftsleistung könnte um rund zehn Prozent sinken.“

Der Messeplatz Deutschland ist weltweit die Nummer eins bei der Durchführung internationaler Messen. Jährlich finden 160 bis 180 internationale und nationale Messen in Deutschland statt, mit rund 180.000 Ausstellern und zehn Millionen Besuchern. Deutsche ausstellende Unternehmen investieren fast die Hälfte ihrer Etats für B2B-Kommunikation in Messebeteiligungen.