Zusatzkosten verteuern Lieferketten

BERLIN. Die von der chinesischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus haben zunehmend negative Auswirkungen auf internationale Lieferketten. Das teilte der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik Anfang Februar mit. Wer kommt für die damit einhergehenden Zusatzkosten der Spediteure auf?

Geöffnete Frachtluke einer Boeing 777 von China Cargo Airlines. Derzeit stehen insgesamt weniger Frachtkapazitäten zur Verfügung, da verschiedene Airlines den Flugverkehr nach Festlandchina ausgesetzt haben. Foto: imago-Bilder / UPI-Foto

Die aktuelle Streichung sämtlicher Passagierflüge der Lufthansa (bis einschließlich 29. Februar) und weiterer Airlines nach Festlandchina haben den verfügbaren Frachtraum um mehr als die Hälfte verknappt, da hierdurch die Bellykapazitäten (Fracht im Passagierflugzeug) wegfallen. Derzeit können deutsche Spediteure die Einschränkungen durch Umbuchungen und Neudispositionen der Luftfracht noch teilweise ausgleichen, allerdings zu höheren Frachtkosten für den Verlader.

Zur rechtlichen Beurteilung entstandener Zusatzkosten stellt der DSLV klar: Die Coronavirus-Epidemie fällt unter höhere Gewalt. Sofern der Spediteur zur ordnungsgemäßen Ausführung seiner Vertragspflichten entstehende, zusätzliche Aufwendungen nicht vermeiden kann, sind diese von seinem Auftraggeber zu tragen. Dies ergibt sich bereits aus Ziffer 17.1 der Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen (ADSp) als in der Regel zwischen Spediteur und seinem Kunden vereinbarten Geschäftsbedingungen; vorausgesetzt der Spediteur hat die Aufwendungen nicht zu vertreten. Vor allem im Seeschiffsverkehr anfallende so genannte Detention-, Demurrage- und Storage-Charges, also Kosten für die Verzögerung der Seefracht, muss der Spediteur seinen Kunden weiterberechnen.

„Durch die Kapazitätsbeschränkungen steigen die Raten in der See- und Luftfracht derzeit, so dass die verladende Wirtschaft mengen- und destinationsabhängig mit Zusatzkosten für den Warenverkehr rechnen muss“, schätzt DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster die Lage ein. „Unsicherheiten bestehen vor allem durch die kurzfristigen Anordnungen der chinesischen Behörden, die in weiteren regionalen Produktionsstopps und schließlich in einer andauernden Exportschwäche Chinas münden können. Hier müssen deutsche Logistikdienstleister punktuell sehr flexibel sein. Am Ende steht aber auch die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter vor Ort im Vordergrund.“