Jeder fünfte Manager befürchtet Produktionsstillstände

DÜSSELDORF. Mit der raschen Ausbreitung der durch das neuartige Coronavirus (2019-nCoV) hervorgerufenen Erkrankungen, steigenden Fallzahlen in und außerhalb Chinas und den damit einhergehenden Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie sind immer mehr Unternehmen auch in Deutschland von Unterbrechungen ihrer Lieferketten betroffen. Was sind die Konsequenzen?

Schlangestehen vor einem Laden in Ma On Shan (New Territories / Hongkong). Dort wurden am 8. Februar kostenfrei Mundschutzmasken verteilt. Foto: imago images / ZUMA Presse (Candice Tang)

Einkaufsberater der Kloepfel Group haben dazu im Zeitraum 3. bis 6. Februar stichprobenartig und branchenübergreifend eine Onlineblitzumfrage durchgeführt, an der sich 243 Fach- und Führungskräfte aus deutschen Industrie- und Handelsunternehmen beteiligten. Nachfolgend die Ergebnisse.

Verbindungen nach China
Bei der Frage zu ihren Verbindungen zu China konnten die Teilnehmer mehrere Antworten abgeben. 81 Prozent sagten, dass sie von wichtigen Lieferanten aus China beliefert werden. Rund jeder Dritte (35 Prozent) arbeitet dort mit wichtigen Kunden zusammen. Ein Drittel (33 Prozent) produziert direkt in China. Nur vier Prozent haben keine Verbindungen nach China.

Medienberichte
Mit 63 Prozent gab die Mehrheit der befragten Manager und Fachkräfte an, dass sie froh sind, über die Medien aufgeklärt zu werden. Nur gut jeder Dritte (37 Prozent) findet die aktuelle Berichterstattung völlig überzogen.

Schutzmaßnahmen
58 Prozent halten die Maßnahmen von Regierungen und Fluggesellschaften zum Schutz vor Ansteckung für sinnvoll. 42 Prozent hingegen finden die Maßnahmen teilweise sinnvoll und teilweise übertrieben. Alle Befragten sind aber grundsätzlich der Meinung, dass weiterhin Vorsorge getroffen werden muss, um die weitere Ausbreitung einzudämmen. Niemand hielt die Mittel zur Bekämpfung des Coronavirus für unnötig.

Produktionsausfall
Die Mehrheit der Befragten (42 Prozent) ist bisher noch nicht von Lieferantenausfällen betroffen. 28 Prozent verzeichnen zwar Ausfälle von Lieferanten, können aber kurz- bis mittelfristig alternative Lieferanten aktivieren. 19 Prozent befürchten, dass Lieferengpässe ihre Produktion stilllegen. Unterdessen haben neun Prozent Lieferengpässe, aber diese werden nicht zu einem Produktionsstillstand führen. Nur gut zwei Prozent der Teilnehmer sind in keiner Weise von Lieferantenausfällen betroffen.

Beeinträchtigung von Projekten
Auf die Frage, inwieweit die Durchführung von Projekten aktuell beeinträchtigt ist, berichtet mit 42 Prozent die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer, dass sie Projekte weiterhin wie geplant durchführen können. Allerdings müssen mit knapp 41 Prozent fast genauso viele Umfrageteilnehmer Projekte verschieben, und das koste sie viel Geld. Neun Prozent können Projektpläne derzeit nicht einhalten und befürchten, dass dies sogar deren Existenz gefährdet. Weitere acht Prozent müssen zwar ein geplantes Projekt terminlich verschieben, dies sei jedoch problemlos.

Fazit
Marc Kloepfel, CEO der Kloepfel Group, stellt fest, dass Kunden seines Unternehmens, die mit Standorten in China vertreten sind, nicht mehr nur Mundschutzmasken nachfragen, sondern auch Eilaufträge für weitere Warengruppen erteilen. „Die Firmen fangen an, zu hamstern und füllen ihre Lager vorsorglich auf. Dies betrifft neben der produzierenden Industrie auch sehr stark den Handel.“