Wahl der „richtigen“ Messe bleibt schwierig

Chinas Messemarkt bleibt auf Wachstumskurs. Mit Milliardeninvestitionen in Infrastruktur, Wohnungsbau, Klima- und Umweltschutz, verbunden mit dem Neu- und Ausbau von Messegeländen, hat sich das Land zum wichtigsten Messeplatz Asiens entwickelt und behauptet diese Position unbestritten.

China, Marine-Messe in Shenzhen. Foto: imago images / VCG

Auch wenn sich der Markt konsolidiert, Aussteller und Besucher kämpfen weiter mit der Unübersichtlichkeit des Angebots. Chinas Regionen haben sich unterschiedlich schnell entwickelt. Die wirtschaftlich starken Gegenden in der Ost- und Südostküste des Landes erwirtschaften noch immer rund 50 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Die Standorte in Zentral- und Westchina ziehen mittlerweile dynamisch nach. Diese Entwicklung spiegelt sich im Messemarkt des Landes wider. Der ist nach wie vor von den Messen in Peking, Shanghai und Kanton geprägt. Insbesondere in Peking und Shanghai ist die Professionalität der Messeveranstalter hoch, vor allem wegen der zahlreichen internationalen Kooperationen.

Professionalisierung erkennbar, Unübersichtlichkeit bleibt

Seit 2015 verfolgt der chinesische Staatsrat die Strategie, die heimische Messeindustrie bis zum Jahr 2020 internationaler und transparenter zu gestalten. So soll die Zulassung von neuen Messen allmählich dezentralisiert und die Zuständigkeit den Provinzen übertragen werden. Eine spürbare Professionalisierung der Messen außerhalb der oben genannten traditionellen Standorte ist erkennbar.

Hauptproblem der chinesischen Messewirtschaft bleibt jedoch die große Unübersichtlichkeit des chinesischen Messemarktes mit seinen vielen und von der Qualität her sehr unterschiedlichen Messeangeboten. Hinzu kommt, dass im Zuge der „Go West“-Strategie der chinesischen Regierung zur Förderung und Entwicklung der westlichen Regionen eine Vielzahl an Messegeländen entstanden sind, die sich aufgrund ihrer geringen Auslastung oft nicht rentieren. So sollen 2018 in China etwa 9,83 Millionen Quadratmeter Ausstellungsfläche – verteilt über 164 Messegelände – zur Verfügung gestanden haben. Bei mehr als der Hälfte der Messegelände lag die Nutzungsrate aber unter zehn Prozent. Der Konkurrenzkampf der Messestandorte um Messethemen und somit um Aussteller und Besucher führt zu thematischen und terminlichen Überschneidungen. Ausreichende Informationen beziehungsweise unabhängig erhobene Daten zu Flächenauslastung, Aussteller- und Besucherzahlen sind wenig verfügbar. Das erschwert den Beteiligten die Wahl der „richtigen“ Messe.

Hallenflächenkapazitäten wachsen – die „Provinz“ holt auf

Der „Annual Report on China’s Exhibition Industry“ stellt für das Jahr 2018 Analysen von 3.793 Fachmessen in 30 chinesischen Regionen zusammen. Das waren 130 (+3,5 %) Fachmessen mehr als im selben Zeitraum 2017. Zudem wuchs der Anteil der vermieteten Hallenfläche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,6 Prozent auf rund 130 Millionen Quadratmeter. Mit einem Anteil von 45,8 Prozent wurden 1.736 Fachmessen auf einer Fläche zwischen 10.000 und 30.000 Quadratmetern durchgeführt, gefolgt von 1.026 Fachmessen auf jeweils unter 10.000 Quadratmetern und einem Anteil von 27 Prozent. 190 Fachmessen beziehungsweise fünf Prozent erreichten jeweils mehr als 100.000 Quadratmeter vermieteter Fläche.

Die regionale Verteilung der 3.793 Fachmessen in China gestaltete sich 2018 sehr ungleich. Fünf der 28 größten Messezentren Chinas mit einer Kapazität ab 100.000 Quadratmetern Hallenfläche befanden sich 2018 in den Städten Peking, Shanghai und Kanton. Gleichzeitig erreichten elf Messeplätze eine Kapazität ab 200.000 Quadratmeter, davon jeweils zwei in Shanghai und Kanton. Somit hat sich in den vergangenen Jahren eine gewaltige Verschiebung beim Aus- und Neubau von Messeplätzen in die Regionen gegeben.

Für das laufende Jahr prognostiziert der „Annual Report on China’s Exhibition Industry 2018“ eine Erweiterung der Hallenflächenkapazitäten um 1,5 Millionen Quadratmeter und für die nächsten drei bis fünf Jahre sogar um zusätzliche zwei Millionen Quadratmeter. Diese Kapazitäten entstehen in der Region Jing-Jin-Ji (Peking–Tianjin–Hebei), in Zentralchina (Zhengzhou, Jinan), im Jangtsedelta (Shanghai, Hangzhou) sowie in Westchina (Xi’an, Lanzhou) und in Shenzhen im Perlflussdelta. Dort wurde in diesem Jahr das Shenzhen World Exhibition & Convention Center eröffnet, das nach einer zweistufigen Bauphase über 500.000 Quadratmeter überdachte Ausstellungsfläche verfügt.

China auf Rang eins bei Eigenveranstaltungen deutscher Messegesellschaften im Ausland

Das damit weltweit größte Messezentrum ist im ersten Halbjahr 2020 Veranstaltungsort für zwei Fachveranstaltungen, die Teil des Auslandsmesseprogramms (AMP) sind. Die Anufood China findet dort vom 15. bis 17. April statt, die Beijing Essen Welding & Cutting vom 2. bis 5. Juni.  China ist der wichtigste Messeplatz für deutsche Unternehmen innerhalb des AMP, wobei Shanghai mit Abstand der bedeutendste Messeplatz bleibt.

Im Ländervergleich nimmt die VR China den ersten Platz ein, was Eigenveranstaltungen deutscher Messeveranstalter im Ausland betrifft. Nahezu alle großen deutschen Messeveranstalter sind dort aktiv. Der mit Abstand attraktivste Markt ist die Wirtschaftsmetropole Shanghai. Außerhalb der Top-3-Standorte Shanghai, Peking und Kanton sind die deutschen Veranstalter unter anderem in Chengdu, Changsha, Foshan, Nanjing, Shenzhen, Wuhan, Qingdao und Xi’an aktiv.

Natalja Winges

Natalja Winges ist Referentin Globale Märkte beim AUMA Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V.

 Der AUMA veröffentlicht regelmäßig Informationen zu einzelnen Messemärkten. Der Beitrag fasst Informationen und Einschätzungen der AUMA-Onlinepublikation „Messemarkt Chinazusammen.

Dieser Beitrag ist in ChinaContact 11/12-2019 erschienen.