Sberbank wird digital

Die Moscow Times zählt die Sberbank – zusammen mit Mail.Ru und Yandex – zu den Top-3-Unternehmen der russischen Tech-Szene.

Blick auf das Datenzentrum der Sberbank in Skolkovo, Moskau. Foto: imago images / ITAR-TASS

Die Finanzbranche befindet sich durch die Digitalisierung in einem großen Umbruch. Klassische Modelle wie Filialbanken werden von Kunden zunehmend als Auslaufmodell betrachtet. Eine Bank, von der man auf den ersten Blick vielleicht nicht erwarten würde, ein Vorreiter im Bereich Digitalisierung zu sein, ist die russische Sberbank. Im vergangenen Jahrzehnt hat sie eine umfassende Transformation von einer klassischen Retail-Bank zu einem Geldhaus mit breitem Onlineangebot durchlaufen.

Laut Moscow Times ist die Sberbank mittlerweile nicht nur eine Bank, sondern einer der wichtigsten Technologiekonzerne des Landes, dessen Geschäftsfelder von innovativen Konzepten im Bereich der Lebensmittel-Zustellung bis zur digitalen Gesundheitsfürsorge und künstlicher Intelligenz reichten. Tatsächlich ist dem Sberbank-Chef German Gref nach seinem Amtsantritt im Jahr 2007 gelungen, Bewegung in das das einst behäbige Institut zu bringen. So stellte die Bank bereits 2017 ihren ersten Testautomaten mit Gesichtserkennung auf. Inzwischen experimentiert das Geldhaus auch mit Fingerabdrücken und Stimmerkennung und arbeitet dabei mit starken Partnern zusammen.

Bedeutung des Onlinebankings wächst

Insbesondere das Onlinebanking ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Inzwischen zahlt über die Hälfte der Russen mit Karte. Gerade in Moskau ist der Bargeldverkehr massiv geschrumpft. So hat zum Beispiel auch die russische Tochter der österreichischen Raiffeisen-Bank im Oktober 2019 angekündigt, bis Ende des Jahres russlandweit 44 seiner aktuell 174 Filialen aufzugeben. Grund seien wachsende Nutzungszahlen bei Onlineservices. Nach Angaben der Bank wuchsen die Nutzerzahlen der Onlinekanäle 2018 um 60 Prozent, gleichzeitig gingen die Besucherzahlen in den Filialen um 30 Prozent zurück.

Die Sberbank hat die Zeichen der Zeit früh erkannt. Sie bietet mit Partnern ganzheitliche Lösungen für den Alltag an, besonders umfassend ist das Angebot in den Bereichen Unterhaltung, Konsum und Arbeit. Unter anderem hat die Sberbank im Sommer 2019 eine Kooperation mit der Mail.ru Group geschlossen, einem der größten Investoren im russischen und osteuropäischen Internetmarkt. Geplant ist die Schaffung einer führenden O2O (Online-to-Offline) Dienstleistungsplattform, in der alle zentralen Services in einer App angeboten werden.

Die größte Herausforderung ist, den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Daher müssen Banken nicht nur auf neue Technologien setzen, sondern tiefgreifende und bereichsübergreifende Veränderungen zulassen. Dabei kommt es auf neue Lösungen an, um sich gegen potenziell innovative Marktteilnehmer zu positionieren.

Ein Interview mit Boris Dobrodejew, Generaldirektor von Mail.ru zur IT-Branche in Russland und der Kooperation mit der Sberbank lesen Sie hier (in Russisch).

Diese Artikel erschien in RusslandInsider Ausgabe 1/2020.

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