Nicht vergessen: Regionale Finanzierungsangebote für Lokalisierungsprojekte

Geplante Investitionen in einen neuen Standort in Russland können auf vielfältige Weise vorbereitet und ausgeführt werden. Dabei kommt es auf den richtigen Finanzierungs-Mix an.

Installation von Reservoiren in der GP-7-Anlage R des Angara-Startkomplexes am Kosmodrom Vostochny. Foto: imago images / ITAR-TASS

Wer sich als Unternehmer mit dem Gedanken trägt, sein wachsendes Business in Russland durch Lokalisierung auszubauen, braucht im Vorfeld nicht nur eine sehr gute technische, sondern eine ebenso gute kaufmännische Planung. Oft geht es weniger um Projekte in mehrstelligen Millionenbeträgen, sondern vielmehr um Investitionen von bis zu etwa fünf Millionen Euro – beispielsweise in eine lokale Produktion, in ein Service- und Wartungscenter oder in den Aufbau einer Lager- und Versandstruktur.

Für eine ausgewogene Finanzierung solch eines Projektes ist es unerlässlich, Eigenkapital und Fremdkapital sinnvoll zu kombinieren. Die geplante russische Tochtergesellschaft sollte angemessen mit Eigenkapital der Muttergesellschaft ausgestattet sein. Eine ergänzende und begrenzte Fremdkapitalaufnahme kann da unterstützend erfolgen.

Die Hausbank am Firmenhauptsitz und deren Angebote sind beim Thema Budget und Finanzierung sicher die erste Überlegung. Wer nach einer Finanzierung für sein Russland-Geschäft in Deutschland sucht, kann bei den heimischen Banken unter Umständen auf Zurückhaltung oder sogar auf Ablehnung stoßen. Auch international aufgestellte Banken mit Geschäft in den USA werden vermutlich eher zurückhaltend bei der Finanzierung von Russland-Geschäften sein, um nicht in das Sanktionsdickicht zu geraten. Deshalb sollte der Blick unbedingt über solch bekannte Möglichkeiten hinausgehen.

Standortwahl gut kalkulieren

Die Standortauswahl in Russland ist seit Längerem schon keine reine Bauland- oder Immobiliensuche in einer Zielregion mehr. Neben Steuererleichterungen und Subventionen bieten verschiedene Regionen bei einer Ansiedlung in einem ihrer Industrieparks, Cluster oder Sonderwirtschaftszonen mittlerweile zusätzliche finanzielle Anreize in Form von Krediten und Darlehen an. Diese Finanzierungsofferten sind regional unterschiedlich ausgeprägt, was die Höhe, den Zinssatz und die Laufzeit des Darlehens angeht. Sie orientieren sich in der Regel an den industriellen Entwicklungszielen der jeweiligen Region. Zum Beispiel unterstützt die Altai-Region Investitionen in bevorzugten Industriebereichen mit lokalen Darlehen aus dem Regionalen Entwicklungsfonds. Andere Regionen wie Belgorod, Lipezk oder Omsk arbeiten hingegen mit einer überregionalen russischen Entwicklungsbank zusammen.

Dieser mögliche Finanzierungsbaustein für einen Teil des benötigten Fremdkapitals sollte nicht achtlos oder wegen vermeintlicher Schwierigkeiten einfach übergangen werden. Eine genauere Prüfung ist in der Regel sehr schnell auf Basis vorhandener Dokumente inklusive dem bereits erstellten Business-Plan für das Investment möglich. Die regionalen Entwicklungsgesellschaften als Ansprechpartner vor Ort arbeiten fast alle nach dem sogenannten Ein-Fenster-Prinzip, sodass eine konkrete Darlehensoption im Rahmen der Standortprüfung mit geprüft werden kann. Bei positiver Rückmeldung kann seitens des Unternehmens der Antrag konkret gestellt werden und es erfolgt die Bearbeitung und Ausreichung des Darlehens durch die jeweilige in der Region zuständige russische Bank.

Noch ein kleiner Hinweis zur Frage der Investitionssicherheit, die oft gestellt wird: Ausländische Investoren und ausländische Investitionen sind in Russland grundsätzlich gut geschützt. Dieser Schutz findet seine verfassungsrechtliche Grundlage in Art. 35 der Verfassung der Russischen Föderation. Insgesamt gewährt das Auslandsinvestitionsgesetz den ausländischen Investoren einen weitreichenden Schutz ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit in Russland.

Diese Artikel erschien in RusslandInsider Ausgabe 1/2020.

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