Hohe Wahlbeteiligung – Ein Zeichen der Hoffnung für Usbekistan

Die Parlamentswahl in Usbekistan am Sonntag galt als Stimmungsbarometer für den neuen Kurs des Landes. Am Ende war es ein guter Tag für die Usbeken sowie für alle, die den Reformkurs des neuen Präsidenten Schawkat Mirsijojew unterstützen. Die Wahlbeteiligung vom 22. Dezember lag bei 71,1 Prozent.  

Jede Stimme zählt: Hohe Wahlbeteiligung in Usbekistan stützt Reformkurs des Präsidenten. Foto: imago images / Xinhua

Pünktlich um 8 Uhr morgens öffneten die Wahllokale. Bis abends um 8 Uhr blieben sie geöffnet, vielerorts gefeiert mit Musik und heißen Getränken. Niemand konnte am Sonntagmorgen ahnen, wie viele der 18.797.810 Wahlberechtigten im Inland sich auf den Weg machen würden. Erschwerend kam hinzu, dass es am Wahltag in Usbekistan schneite.

Vorbei sind die Zeiten, in denen das berufliche Fortkommen davon abhing, ob zum einen regelmäßig und zum anderen die „richtige“ Partei gewählt wurde. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Familienoberhaupt die Stimmen der ganzen Sippe in die Urne stecken durfte. Wer in diesem Jahr zum Wählen ging, wollte und musste den Wahlzettel selbst in die transparente Urne werfen. 830 internationale Gäste beobachteten die Wahl in allen Teilen des Landes.

Die hohe Wahlbeteiligung spiegelt das wieder, was die eigens für die Wahl angereisten Beobachter ganz überwiegend feststellten: Die Usbeken spüren, dass sich ihr Leben in den letzten zwei, drei Jahren verbessert hat. Aber zur hohen Wahlbeteiligung haben auch die Medien beigetragen. Die neue Politik hat dazu geführt, dass das Fernsehen nicht nur viele Informationen über die Wahl, sondern sogar politische Streitgespräche mit den Kandidaten bringen durfte. Das Interesse der Wähler war groß.

Schon vor Monaten hatte Präsident Mirsijojew die  Bevölkerung aufgerufen, sich aktiv in die Entwicklung des Landes einzubringen. Mittlerweile haben die Ministerien Beschwerde-Stellen, die sich schnell um die  Belange der Bürger kümmern müssen. Mit Maßnahmen wie diesen hat sich der usbekische Staatschef das Vertrauen der Bürger erworben. „Der Präsident tut etwas für uns und unser Usbekistan“, sagen viele Usbeken. Jetzt war ein Zeichen des Vertrauens in seine Politik wichtig. Kurz nach Schließung der Wahllokale deutete vieles darauf hin, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden kann.

Trotz oder gerade wegen der vielen Reformen sehen die Usbeken zuversichtlich in die Zukunft. Nach vielen Jahren der Stagnation und des wirtschaftlichen Niedergangs geht es wieder bergauf. Mit den Nachbarn wurden die Grenzkonflikte einvernehmlich gelöst, die Türen in alle Richtungen wurden geöffnet. So weht ein frischer Wind durch das Land. Die Apelle des Präsidenten haben unmissverständlich klar gemacht, dass jeder im Land zum Aufbruch beitragen muss. Und so lernen viele Usbeken jetzt Fremdsprachen – insbesondere Englisch, aber vielerorts auch Deutsch und Französisch.

Unstrittig ist, die postsowjetische Prägung in Usbekistan ist geblieben. Aber sie trägt zu einer gewissen Stabilität bei, weil sie Gemeinsamkeiten mit den Nachbarn unterstreicht. Zugleich bringt der neue Wind in Usbekistan eine neue Offenheit und neue Einflüsse. Auch die Nachbarn bekommen einen Luftzug ab, denn täglich überqueren mehrere tausend Menschen die Grenzen von und nach Usbekistan. Die rund 33 Millionen Usbeken freuen sich – die alten, weil sie Verwandte und Freunde in den Nachbarländern wiedersehen, die jungen, weil sie Neuland entdecken. Damit haben der grenzüberschreitende Handel und der Tourismus sich kräftig entwickelt. Die Zusammenarbeit der Länder Zentralasiens gibt der Wirtschaft positive Impulse und verbessert die regionalen Aussichten.

Mit den ersten demokratischen Parlamentswahlen ist ein wichtiger Schritt getan worden. Die hohe Wahlbeteiligung war dabei nicht nur eine Bestätigung für die Politik von Mirsijojew, sondern für die neue Dynamik in der Region und für eine stabile, wirtschaftliche Entwicklung. Es war ein guter Tag für Usbekistan und für Zentralasien.

Birgit Wetzel