Auf der digitalen Seidenstraße: sicher und nahezu in Echtzeit

Das in Bremen ansässige Unternehmen ColocationIX GmbH ist einer der ersten deutschen Mittelständler, der sich am Zukunftsprojekt „Digitale Seidenstraße“ beteiligt. ChinaContact sprach* mit Andres Dickehut, CEO Consultix und Gesellschafter der ColocationIX GmbH.

Andres Dickehut, Geschäftsführer Consultix und Gesellschafter der ColocationIX GmbH Foto: ColocationIX GmbH
Andres Dickehut, Geschäftsführer Consultix und Gesellschafter der ColocationIX GmbH Foto: ColocationIX GmbH

Herr Dickehut, welche Vision steckt denn hinter ColocationIX?
Unser Anliegen ist, Unternehmen höchstmögliche Sicherheit bei der Speicherung und Verarbeitung von sensiblen Unternehmensdaten zu geben sowie Sicherheit für kritische Infrastrukturen zu gewährleiten – zu fairen Preisen und mit Dienstleistungen, die einen hohen Servicewert haben. Diese haben wir für mittelständische und große Unternehmen konzipiert, die ihre Unternehmens-IT sicher auslagern und sich nicht um die notwendige Infrastruktur wie Stromanschluss, Internetanbindung, Klimatisierung etc. kümmern möchten.

Sie haben Ihre Expertise über Jahrzehnte hinweg aufgebaut. Wann haben Sie sich China zugewandt?
Es muss um das Jahr 2000 gewesen sein, als wir angefangen haben zu evaluieren, wie man nach Asien kommt. Damals war alles ja noch viel langsamer und komplizierter. Vor etwa 15 Jahren haben wir dann damit begonnen, in Hongkong und China Racks zu mieten, um dort Server für unsere Kunden aufzustellen. Dieses Geschäftsfeld haben wir immer weiter ausgebaut. Im zeitlichen Umfeld unserer Zertifizierung nach ISO 27001 kamen immer wieder Fragen zu Datensicherheit und Datenverfügbarkeit auf. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir künftig personenbezogene Daten und IT-Services sicher verwalten können. Das gab den Ausschlag für die Gründung von ColocationIX. Wir wollten ein Datacenter bauen, das besonders hohen Sicherheitsanforderungen gerecht wird. Nach langer Suche haben wir schließlich den Atomschutzbunker gefunden und erworben. Dort befindet sich das von uns aufgebaute Rechenzentrum.

Wie ist Ihre digitale Seidenstraße aufgestellt?
Aktuell haben wir sechs Verbindungen über verschiedene Wege zu den großen Internetknoten DE-CIX, AMSIX und LINX. Wir sind aber auch mit chinesischen Anbietern direkt über Glasfaser-Standleitungen verbunden, unter anderem mit Tencent, dem Betreiber von WeChat. Das heißt, wir verfügen über sehr gute Internetverbindungen nach China. Das Besondere dabei ist, dass diese Verbindungen über den kurzen Landweg verlaufen. Sie führen durch Russland, Kasachstan und die Mongolei nach China. Wir nutzen die digitale Seidenstraße, eine landbasierte Glasfaser-Verbindung, die viel kürzer und damit um etliches schneller ist als die Verbindung über die USA und durch zwei Ozeane.

Wie steht es um die Datensicherheit?
Das ist überall auf der Welt ein Thema – siehe USA und CLOUD Act. Für die Datensicherheit kommt es in erster Linie darauf an, wie verschlüsselt wird, vor allen Dingen aber auch, welche Daten übertragen werden. Daten, die in Textform übertragen werden, sind relativ leicht auszuspähen.

Was sollten Unternehmen beachten, die in China mit Niederlassungen vertreten und auf den Austausch von Daten angewiesen sind?
Da in China alle Anbieter von Public VPN Schlüssel beziehungsweise Backdoors bereitstellen müssen, darf man mutmaßen, dass da mitgelesen und mitgeschnitten wird. Deshalb sollten Unternehmen auf private VPN-Verbindungen umsteigen. Von der Systemarchitektur her muss ein Remote Design sichergestellt werden, damit Daten nicht ohne Weiteres abfließen können. In Abhängigkeit von den Anforderungen des Unternehmens gibt es verschiedene Varianten für die Umsetzung: Gibt es einen großen Standort oder viele kleine? Arbeiten mehrere Personen mit den Daten oder nur Einzelpersonen? Da muss konzeptionell geschaut werden, um die richtige Lösung zu finden.

Für die Datensicherheit kommt es in erster Linie darauf an, wie verschlüsselt wird, vor allen Dingen aber auch, welche Daten übertragen werden.

Und wer seine Kunden in China nur per Webseite informieren möchte?
Wenn es um Webseiten geht, die deutsche Unternehmen in Deutschland hosten, aber auch chinesischen Kunden und Partnern zur Verfügung stellen wollen, dann muss sichergestellt werden, dass die Ladezeiten angemessen sind. Wenn Sie hier gehostete Webseiten in China laden, kommen Sie häufig zu Ladezeiten, die bei 20 Sekunden liegen. Das ist viel zu langsam für chinesische Bedürfnisse.

Eine Möglichkeit, die Latenzzeiten zu senken, besteht darin, Webseiten in China zu hosten oder über Server in China ausliefern zu lassen. Um die Angebote chinesischer Server in China nutzen zu können, wird eine ICP-Lizenz benötigt. ICP steht für Internetcontent-Provider. Wir unterstützen unsere Kunden bei den Formalitäten, die für das Beantragen einer solchen Lizenz notwendig sind und auch bei der Domain-Registrierung. Es ist aber auch möglich, die Webseiten außerhalb Chinas in Grenznähe zu hosten, also in Hongkong, Taiwan oder auch in Südkorea. Auch dort verfügen wir über geeignete Infrastrukturen und Lösungen. So ist die Nähe zu China gegeben und auch die Performance stimmt.

Und wie geht es mit ColocationIX weiter?
Wir wollen unsere Kundenbeziehungen nach China und Asien weiter ausbauen. Schon jetzt arbeiten wir für sehr große Unternehmen, die in über 100 Ländern vertreten sind – da ist China nur ein Land. Da andere Länder entlang der Seidenstraße für Unternehmen aber ebenfalls eine Rolle spielen, sind unsere Angebote nicht nur für China-affine Unternehmen interessant, sondern für alle, die Geschäftsbeziehungen entlang der Seidenstraßen-Route pflegen oder aufbauen wollen.

Mit Andres Dickehut sprach Petra Reichardt.

*Das ungekürzte Interview lesen Sie in ChinaContact 05/06-2019.

Über Themen entlang der Neue Seidenstraße berichtet ChinaContact regelmäßig. Die Belt and Road Initiative ist erneut Titelthema in der CC-Ausgabe 03-2020, die Mitte Juni 2020 erscheint.

E-Commerce ist das Titelthema der vor Kurzem erschienen Ausgabe ChinaContact 11/12-2019. Möglichkeiten, sich ein Stück vom chinesischen E-Commerce-Kuchen zu sichern, gibt es viele. Wie Sie dabei am besten vorgehen und was es am digitalen Verkaufstresen zu beachten gilt, erfahren Sie dort.