Sanktionen lassen einzelne Wirtschaftszweige florieren

Die erzwungene Entflechtung vom Weltmarkt fördert eine breitere Produktpalette iranischer Güter.

US-Präsident Trump verhängt neue Sanktionen gegen Iran. Foto: imago images / UPI Photo, KEVIN DIETSCH

TEHERAN. Iranische Gebrauchsgüter sind stärker gefragt als zuvor. Zum einen hat der Rial in den letzten eineinhalb Jahren deutlich gegenüber dem US-Dollar oder dem Euro verloren, was Importe verteuert. Zum anderen ist das Land zu einem beträchtlichen Teil faktisch vom Weltmarkt abgekoppelt.

Beides begünstigt die Nachfrage nach inländischen Gütern. So gab das Industrieministerium am 3. Dezember bekannt, die Produktion von Kühlschränken sei in den ersten sieben Monaten des iranischen Kalenderjahres (21. März bis 22. Oktober) um 9,4 Prozent gestiegen, die von Waschmaschinen um 13,1 Prozent oder von Fernsehern um 15 Prozent. Von allen genannten Waren werden erhebliche Stückzahlen produziert. Die Gebrauchsgüterproduktion beflügelt die Nachfrage nach Stahl und Stahlprodukten, bei denen der Iran mittlerweile zu den großen Herstellern gehört.

Die Sanktionen und die Devisenknappheit erfordern und fördern somit die Herstellung zahlreicher Produkte im Inland, die früher eingeführt wurden. Die National Iranian South Oil Company hat am 14. Dezember eine Liste mit 7.500 Zulieferteilen veröffentlicht, die in Zukunft von heimischen Produzenten hergestellt werden sollen. Der Vorsitzende der Iranischen Vereinigung der Ölindustriezulieferer ist zuversichtlich, dass dies geschafft werden kann.

Zugleich ist die Bedeutung der Staatsnachfrage und -steuerung in diesen schwierigen Zeiten gewachsen. Masoud Khansari, der Vorsitzende der Teheraner Handelskammer, klagte am 9. Dezember, genau dies sei die Ursache zunehmender Korruption.