CREO 2019: Erneuerbare ausbauen, Kohlekraftwerke stoppen

In seinem 13. Fünfjahresprogramm (2016 bis 2020) hat China die Idee einer „Energierevolution“ entwickelt. Es geht darum, bis 2050 den Übergang zu einem sauberen, CO²-armen, sicheren und effizienten Energiesystem in China zu verwirklichen. Der jährlich präsentierte China Renewable Energy Outlook (CREO) fasst den Status quo zusammen und zeigt in unterschiedlichen Szenarien Lösungen für die Etablierung eines neuen Energiesystems auf. Mitte Dezember wurde der China Renewable Energy Outlook 2019 in Berlin und in Madrid vorgestellt.

Ohne die Erneuerbaren gelingt die Energiewende nicht: Im Jahr 2018 betrug der Zubau an Windenergiekapazitäten in China 21 Gigawatt; bis 2025 müssten dort jedes Jahr weitere 53 Gigawatt installiert werden, um die Klimaschutzziel von Paris langfristig erreichen zu können. Foto: imago images / Nature Picture Library, GerritVyn

BERLIN / MADRID. In den vergangenen Jahren wurden in China eine ganze Reihe von Fortschritten erzielt: Die Luft in den Großstädten ist heute sauberer als in den Jahren zuvor, der Anteil der Kohle am Energieverbrauch ist kleiner geworden, erneuerbare Energien wurden massiv ausgebaut. Zudem hat die Politik neue Instrumente zur Umsetzung dieses Ziels geschaffen – dazu gehören Energiemarktreformen, Emissionshandelsprogramme und die Einführung verbindlicher Verbrauchsziele für die Erneuerbaren. Das ist allerdings erst ein Anfang.

Um die Pariser Klimaschutzziele langfristig zu erreichen, sollte China von 2020 bis 2025 den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter beschleunigen und den Kohleverbrauch senken. Die Kapazitäten für Windenergie müssten durchschnittlich um 53 Gigawatt (GW) pro Jahr erhöht werden (Ausbau 2018: 21 GW), die für Solarenergie um 58 GW (Ausbau 2018: 44 GW). Der Kohleverbrauch sollte bis 2025 um elf Prozent zurückgehen. Das sind die Empfehlungen des diesjährigen China Renewable Energy Outlook, der am 12. Dezember auf der Weltklimakonferenz in Madrid vorgestellt wurde.

Herausgeber des CREO sind der Thinktank China National Renewable Energy Center (CNREC) und das staatliche Forschungsinstitut Energy Reform Institut (ERI). An der Erstellung des Berichts waren neben der Deutschen Energie-Agentur (dena) die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und weitere Institute, Thinktanks und Universitäten aus China, Deutschland, Dänemark und den USA beteiligt.

Neue Rahmenbedingungen werden benötigt
Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren ist entscheidend, dass die chinesische Regierung nach dem geplanten Auslaufen der Subventionen für Photovoltaik- und Onshore-Windanlagen in den kommenden Jahren neue Rahmenbedingungen setzt, die die Nutzung erneuerbarer Energien fördern. Wichtig seien zum Beispiel gut funktionierende Strommärkte und optimierte Planungsprozesse. Die Elektrifizierung insbesondere des Industrie- und Transportsektors mit grünem Strom sei neben der Reduktion der Kohleverstromung eine Voraussetzung dafür, dass der derzeit noch steigende Verbrauch fossiler Brennstoffe reduziert werden kann. Um den Kohleverbrauch zu senken, solle China keine neuen Kohlekraftwerke mehr planen oder bauen sowie Anlagen und Kohlebergwerke geordnet nach Ineffizienz sukzessive stilllegen.

„China wird mit seinem 14. Fünfjahresprogramm nicht nur die Richtung und Geschwindigkeit für die Energiewende im eigenen Land vorgeben. Es kann auch wesentlich den Erfolg der internationalen Klimaschutzanstrengungen beeinflussen. Umso wichtiger ist der Austausch Deutschlands und anderer Länder mit China über die Umgestaltung der Energiesysteme“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, anlässlich der Veröffentlichung des CREO 2019.

China ist das Land mit den höchsten Treibhausgasemissionen weltweit. Sein Anteil am globalen Ausstoß lag 2018 bei knapp 30 Prozent. Der Pro-Kopf-Ausstoß ist mit knapp acht Tonnen aber bislang geringer als in Ländern wie Deutschland (9,15 t) oder den USA (16,14 t). China hat sich im Rahmen der internationalen Klimaschutzverhandlungen das Ziel gesetzt, bis spätestens 2030 den Höhepunkt seiner Emissionen zu erreichen. Das 14. Fünfjahresprogramm (2021 bis 2025) wird maßgeblich darüber entscheiden, wie schnell dies gelingen kann.

Der CREO 2019 ist der vierte Bericht einer jährlichen Publikationsreihe. Er analysiert die aktuelle chinesische Energiepolitik und zeigt auf Basis umfangreicher Modellierungen die Lücke zwischen den beschlossenen Maßnahmen der Regierung und dem tatsächlichen Handlungsbedarf bis 2050 auf, damit das Land seine Klimaschutzziele erreicht. Der diesjährige CREO beinhaltet außerdem konkrete Empfehlungen für das 14. Fünfjahresprogramm des Landes.

Mehr zum Thema lesen Sie in der ChinaContact-Ausgabe 01/2020.
Eine Aufnahme der Paneldiskussion „China as a major actor in climate policy“ mit dena-Expertin Carolin Schenuit finden Sie hier. Sie fand im Rahmen des MERICS Lunch talks am 11. Dezember 2019 in Berlin statt.