Geschäftsklima-Umfrage Russland 2020

Deutsche Unternehmen befürchten durch die Abkühlung des Verhältnisses zwischen Russland und dem Westen eine stärkere Hinwendung Moskaus zu China.

Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin. Foto: imago images | Schöning

„Die Sanktionen bleiben eine Belastung für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und tragen zu einer Abschottung Russlands und einem wachsenden Einfluss Chinas bei.“ Das sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des Ost-Ausschusses – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft (OAOEV), Michael Harms, anlässlich der jüngsten Umfrage zum Geschäftsklima für Russland 2020. Sie wurde am 2. Dezember vom OAOEV und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) vorgestellt. An der Umfrage beteiligten sich 112 deutsche Unternehmen, die in Russland mehr als 144.000 Mitarbeiter beschäftigen und gut 18 Milliarden Euro umsetzen. Trotz der wachsenden Konkurrenz aus China und russischer Defizite zeigten sich die befragten Unternehmen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung relativ optimistisch: 43 Prozent der Unternehmen rechneten für 2020 mit einer positiven oder leicht positiven Wirtschaftsentwicklung. Je ein Drittel der Unternehmen wollte seine Belegschaft in Russland ausbauen und dort in den nächsten zwölf Monaten investieren. Die geplanten Investitionen belaufen sich auf rund 530 Millionen Euro. Für gut die Hälfte der Unternehmen wird die Bedeutung Russlands langfristig weiter zunehmen. 

Bürokratie als größter Störfaktor

Als größte Störfaktoren im Russlandgeschäft gelten nach wie vor die Bürokratie und eine schwache Konjunkturentwicklung. Nur 30 Prozent der Unternehmen konnten 2019 eine positive Veränderung des Geschäftsklimas in Russland beobachten, 39 Prozent sprachen von gleichbleibenden Bedingungen, 31 Prozent sahen eine negative Entwicklung. „Die russische Regierung sollte jetzt durch den Abbau von Bürokratie und die gezielte Förderung des Mittelstands für neue Wachstumsimpulse sorgen“, betonte Harms.

Die westlichen Wirtschaftssanktionen gegen Moskau haben offenbar an Gewicht verloren. So will zwei Drittel der Unternehmen ihr Russland-Geschäft trotz drohender Sanktionsmaßnahmen der USA unverändert fortsetzen, 30 Prozent der Unternehmen wollten ihre Aktivitäten in Russland sogar ausbauen.

Wachsende Bedeutung der EAWU

Die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) ist für über die Hälfte der Unternehmen im täglichen Geschäft wichtig bis sehr wichtig. Über drei Viertel votieren zudem für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok, dem die EU, die EAWU und weitere Länder angehören würden. „Die neue EU-Kommission sollte schnell das Gespräch mit der EAWU über den Abbau von Zollschranken und die Angleichung von Normen und Standards suchen“, sagte Harms: „Dem weltweiten wirtschaftlichen Egoismus und der Dominanz Chinas und der USA muss Europa mit neuen wirtschaftlichen Integrationsprojekten begegnen. Russland ist dabei ein wichtiger Partner.“

Die Ergebnisse der Umfrage können Sie hier einsehen.