Russen müssen mehr Geld für Kreditzahlungen ausgeben

Insbesondere die russische Mittelschicht leidet unter einer hohen Kreditbelastung.

Russen müssen mehr Geld für Kreditzahlungen ausgeben. Foto: iStock © jack-sooksan

Etwa die Hälfte der russischen Kreditnehmer müssen aktuell mehr als 50 Prozent ihres Monatseinkommens für die Rückzahlung von Krediten aufbringen. Das geht aus Berechnungen des Wirtschaftsministeriums für das Jahr 2019 hervor. Im Jahr 2018 waren es nur 42 Prozent.

Das Ministerium sieht diese Situation als besorgniserregend an und will in den kommenden Jahren eine deutliche Reduzierung des Anteils der Bürger mit einer hohen Kreditbelastung erreichen. Im Gespräch ist eine Reduzierung der Zahl um zehn Prozent jährlich. Dazu strebt das Ministerium eine Gesetzesänderung an, die es ermöglicht, quantitative Beschränkungen für die Vergabe bestimmter Kredite einzuführen. Konkret sollen die Banken künftig bei der Kreditvergabe berücksichtigen, welchen Anteil seines Einkommens der Kreditnehmer für alle Verbindlichkeiten zu zahlen hat. Übersteigt die Gesamtschuldenlast 50 Prozent des monatlichen Einkommens, kann ein neuer Kredit verweigert werden. Die Änderung soll ab 1. Juli 2020 in Kraft treten.

Die Weltbank hatte im Juni 2019 die Kreditvergabe als eine der größten Bedrohungen für die russische Wirtschaft bezeichnet. Laut Experten nehmen die russischen Bürger vor dem Hintergrund eines sechsjährigen Rückgangs der Realeinkommen verstärkt Kredite auf, um Konsumstandards aufrechtzuerhalten oder aber zuvor aufgenommene Kredite zurückzuzahlen. Dabei nehme das Risiko von Nichtrückzahlungen stark zu. Den Anteil ungesicherter Verbraucherkredite am BIP in Russland, entnehmen Sie unserer aktuellen Grafik.