AHK-Umfrage Geschäftsklima: Erwartungen 2019 getrübt, Hoffnung für 2020

PEKING / KANTON / SHANGHAI. Die Deutsche Handelskammer in China hat Mitte November ihre diesjährige Geschäftsklima-Umfrage veröffentlicht. Eines der zentralen Ergebnisse: Während die Stimmung  deutscher Unternehmen unter der sich verlangsamenden Konjunktur Chinas gepaart mit den Auswirkungen des Handelskonfliktes leidet, bleibt China nach wie vor ein wichtiger Markt, der für die befragten Unternehmen gute Geschäftsmöglichkeiten bietet. Allerdings sind die Wachstumspotenziale deutscher Unternehmen in China durch Marktzugangsbeschränkungen sowie komplexe regulatorische Rahmenbedingungen begrenzt.

Während die Stimmung  deutscher Unternehmen unter der sich verlangsamenden Konjunktur Chinas gepaart mit den Auswirkungen des Handelskonfliktes leidet, bleibt China nach wie vor ein wichtiger Markt. Foto: imago images / Xinhua / Fang Zhe

Das verlangsamte Wachstum der chinesischen Wirtschaft und die durch den Handelskonflikt zwischen China und den USA entstandenen Unsicherheiten haben ihre Spuren hinterlassen. 83 Prozent der in China tätigen befragten deutschen Unternehmen fühlen sich direkt oder indirekt vom Handelskonflikt zwischen China und den USA betroffen. Die Geschäftsklima-Umfrage zeigt: Die Erwartungen der deutschen Unternehmen sind so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Lediglich 27 Prozent der Befragten – also ein Viertel – gaben an, ihre geplanten Unternehmensziele für das Jahr 2019 zu erreichen oder zu übertreffen. Insbesondere in den Branchen Automobil und Maschinenbau – sind die Vorhersagen signifikant zurückgegangen. Für 2020 meldeten die befragten Unternehmen jedoch zaghafte Anzeichen einer Erholung mit einer leicht verbesserten Entwicklung in einzelnen Sektoren.

China hat eine Reihe von Maßnahmen zur Umsetzung von Reformen ergriffen, die auf eine verbesserte Marktöffnung und Gleichbehandlung ausländischer Unternehmen auf dem chinesischen Markt abzielen. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen bewertete dieses Bekenntnis grundsätzlich positiv. Von einer umfassenden systematischen Marktöffnung auf allen Ebenen sind die erzielten Fortschritte jedoch noch weit entfernt. Sowohl deutsche als auch chinesische Unternehmen würden davon profitieren, wenn direkte und insbesondere indirekte Marktzugangsbarrieren abgebaut werden und damit eine weitere vertiefte Zusammenarbeit möglich wird.

Derzeit sind zwei von drei Unternehmen von Marktzugangsbeschränkungen betroffen. Dabei stellen indirekte Beschränkungen wie die Vergabe von Lizenzen, unverhältnismäßige Ausschreibungsverfahren, eine mangelnde Beteiligung an der Entwicklung von Industriestandards und unzureichende Vorlaufzeiten bei der Umsetzung neuer Vorschriften die größten Hürden für deutsche Unternehmen dar. Von jedem zweiten Befragten werden Rechtsunsicherheit, diffuse rechtliche Rahmenbedingungen sowie Technologietransfer als Herausforderung im China-Geschäft priorisiert.

Deutsche Unternehmen erkennen vielfältige Geschäftsmöglichkeiten

Trotz Marktzugangsbarrieren zeichnen sich laut der Umfrage signifikante Geschäftsmöglichkeiten im chinesischen Markt ab. Treiber sind der wachsende Binnenkonsum, eine steigende Nachfrage nach ausländischen Marken und Qualitätsprodukten sowie die Beteiligung an Innovationen und digitalen Technologien. Zwei von drei befragten Unternehmen (67 Prozent) planen in den kommenden zwei Jahren weitere Investitionen in China. Zudem gab die Hälfte der Befragten an, dass sie ihr Investitionsvolumen wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich weiter erhöhen würden, sollte der Marktzugang weiter verbessert werden. „Das ist ein klares Zeichen: Der Abschluss eines qualitativ hochwertigen und umfassenden EU-China-Investitionsabkommens im nächsten Jahr – mit einem Umfang, der über die übliche Dimension des Investitionsschutzes hinausgeht und auch den fairen Marktzugang umfasst – würde neue Impulse setzen und die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen auf eine neue Stufe heben“, so die Einschätzung von Jens Hildebrandt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Peking.

An der diesjährigen Geschäftsklima-Umfrage der Deutschen Handelskammer in China nahmen zwischen dem 29. Juli und 12. September insgesamt 526 deutsche Unternehmen in China teil. Zum ersten Mal wurde die Umfrage in Kooperation mit der KPMG AG Deutschland durchgeführt.