Grafik: Deutsche Direktinvestitionen in Russland

Was sind Direktinvestitionen und wohin fließen sie?

Laut Bundesbank haben deutsche Unternehmen 2018 stark in die russische Wirtschaft investiert. Die Netto-Direktinvestitionen sind im Vergleich zum Vorjahr um fast 14 Prozent auf fast 3,3 Milliarden Euro angestiegen – der höchste Wert der letzten zehn Jahre.

Woraus setzen sich Direktinvestitionen zusammen?

Nach den Definitionen des Statistischen Bundesamts gelten als Direktinvestitionen Finanzbeziehungen zu in- und ausländischen Unternehmen, insofern dem Kapitalgeber mindestens zehn Prozent der Anteile oder Stimmrechte unmittelbar bzw. mindestens 50 Prozent unmittelbar und mittelbar zuzurechnen sind – Zweigniederlassungen und Betriebsstätten mit eingeschlossen. Als Direktinvestitionen gelten auch kurzfristige Finanz- und Handelskredite, Baustellen mit einer Bestandsdauer von über einem Jahr sowie alle Anlagen in Grundbesitz. Die Statistik der Bestandserhebung über Direktinvestitionen basiert auf Meldungen inländischer Unternehmen und Privatpersonen, die der Deutschen Bundesbank einmal jährlich zu erstatten sind.

Wohin fließen diese Gelder?

  • Nach Angaben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer haben zu der hohen Investitionssumme insbesondere Großprojekte wie die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 beigetragen. Deren Investitionsvolumen wird mit neun Milliarden Euro beziffert. Mit Wintershall und Uniper sind zwei deutsche Unternehmen als Geldgeber mit jeweils 950 Millionen Euro beteiligt.
  • In die Eröffnung des neuen Mercedes-Benz-Werkes unweit von Moskau hat der deutsche Automobilhersteller mehr als 250 Millionen Euro investiert.
  • Die Linde Group investiert verstärkt in russische Energieprojekte, unter anderem in den Bau einer petrochemischen Anlage in der Republik Tatarstan, die 2022 in Betrieb gehen soll. Nach Angaben von Invest in Russia ist dies eine Milliardeninvestition.
  • Volkswagen investierte seit 2014 mehr als eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau seiner Produktionstätten in Kaluga und in Nischnij Nowgorod.
  • Auch der Rohmilchproduzent EkoNiva, Teil der deutschen Holdinggesellschaft Ekosem-Agrar, hat über die letzten Jahre mehr als 200 Millionen Euro in eigene Kapazitäten zur Verarbeitung von Rohmilch in verschiedenen russischen Regionen investiert.

Neben diesen Großinvestitionen gibt es auch eine Reihe weiterer Investitionen
deutscher Unternehmen:

  • Der deutsche Landmaschinen-Hersteller Claas investiert über 100 Millionen Euro in den Bau einer Mähdrescherfabrik in Krasnodar.
  • Dazu gehört unter anderem die Eröffnung eines SB-Supermarkts des deutschen Einzelhandelsunternehmens Globus in Balaschikha nahe Moskau mit einem Investitionswert von 75 Millionen Euro.
  • Der Dortmunder Pumpenhersteller Wilo investiert etwa zwölf Millionen Euro in die Modernisierung der Pumpenproduktion in der Oblast Moskau.

Zählt man die einzelnen Investitionen zusammen, kommt man dennoch schwerlich auf die von der Bundesbank angegebenen knapp 3,3 Milliarden Euro. Dies liegt auch daran, dass grenzüberschreitende Kreditbeziehungen zu Schwesterunternehmen zu den Direktinvestitionen gezählt werden. Wenn von  Direktinvestitionen gesprochen wird, muss demnach nicht immer die Rede von neuen Baustellen oder Fertigungsanlagen sein.

Im internationalen Vergleich bewegt sich die Höhe der deutschen Investitionen in Russland im Mittelfeld. Im Jahr 2018 haben deutsche Unternehmen unter anderem 20 Milliarden Euro in die US-Wirtschaft investiert. In die Nachbarländer Frankreich und Polen flossen vier bzw. zwei Milliarden Euro.