„Ich stehe für ein differenziertes Bild der deutsch-russischen Beziehungen“

Am 29. Oktober 2019 lud der neue deutsche Botschafter in Russland, Dr. Géza Andreas von Geyr, zum Dialog mit der deutschen Wirtschaft ein.

Am 29. Oktober 2019 lud der neue deutsche Botschafter in Russland, Dr. Géza Andreas von Geyr, zum Dialog mit der deutschen Wirtschaft ein. Foto © owc

MOSKAU. „Wir können auf eine tiefe Grundzuneigung der Menschen in Russland und Deutschland bauen.“ Mit dieser Aussage begann Botschafter Dr. Géza Andreas von Geyr die Diskussion mit den rund 150 deutschen Wirtschaftsvertretern in Russland. Er selbst stehe für ein differenziertes Bild der deutsch-russischen Beziehungen und gehe mit diesem Ansatz auch in die Diskussion mit russischen und deutschen Gesprächspartnern.

Auf die Frage nach dem Zeitpunkt für die Aufhebung der Russland-Sanktionen äußerte sich der Botschafter zurückhaltend: „Ich kann Ihnen nicht die Hoffnung machen, dass morgen oder übermorgen die Sanktionen weggewischt sein werden.“ Die Sanktionen seien kein Selbstzweck, sondern mit einer klaren Roadmap verbunden. Solange das Minsker Abkommen nicht umgesetzt und der Konflikt in der Ostukraine nicht beendet sei, seien auch die Voraussetzungen für einen Wegfall der Sanktionen nicht geschaffen, sagte der Botschafter. Zugleich betonte er, dass eine mögliche Aufhebung der europäischen Sanktionen nicht an die Beendigung der US-Sanktionen gebunden sei. „Wir Europäer handeln als Europäer.“

Gleichzeitig sieht der Botschafter Chancen für eine Annäherung zwischen der Europäischen Union und der EAWU bei technischen Regularien. Neben der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr kommenden Jahr werde sich die neue EU-Kommission im Verhältnis zu Russland neu sortieren. Allerdings dürften hier keine großen Sprünge erwartet werden, da in Europa noch kein Konsens über das Auftreten gegenüber der EAWU herrsche. Nach wie vor werde die dominante Rolle Russlands in der Eurasischen Wirtschaftsunion kritisch gesehen. Der deutsche Spitzendiplomat wies darauf hin, dass die EU in Aufbau und Charakter eine „Gemeinschaft von Gleichen“ sei. Dass die EAWU dies auch sei, müsse sie noch beweisen.