Schweinepest: Chinas Schweinebestand um 50 Prozent dezimiert

BONN/PEKING. Seit einem Jahr grassiert in China die Afrikanische Schweinepest. Das Land ist der weltweit größte Produzent und Konsument von Schweinefleisch. Das tückische Virus ist für den Menschen zwar ungefährlich, doch für die Tiere schnell tödlich.

Seit einem Jahr grassiert in China die Afrikanische Schweinepest. Foto: iStock © wonry

„Es ist die gefährlichste Krankheit, die die Schweineindustrie je erlebt hat“, so die Einschätzung von Expertin Cui Ernan von der in Peking ansässigen Unternehmensberatung GavekalDragonomics. Die Hälfte des Schweinebestands in China wurde bereits dahingerafft. Auch das Angebot auf dem Weltmarkt reiche nicht, um die Versorgungslücke im bevölkerungsreichsten Land zu schließen. Überall kaufen Importeure aus China jetzt Schweinefleisch – in Brasilien, den USA und auch in Europa. Während sich deutsche Bauern über höhere Schlachtpreise freuen, müssen Verbraucher in Deutschland beim Metzger tiefer in die Tasche greifen. Die Preise für Schweinefleisch stiegen im September dieses Jahres um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, sagte Thomas Els von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn am 30. Oktober gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

China werde sich von den Auswirkungen der Schweinepest und den verheerenden Folgen für seine Schweinehaltung nicht so schnell erholen. Nach bisherigen Erfahrungen dürfte es bestenfalls fünf Jahre, wahrscheinlich aber sehr viel länger dauern, so Cui Ernan von GavekalDragonomics. Die damit einhergehenden Herausforderungen seien groß. Dafür sei eine massive Transformation der Industrie von den heute in China weit verbreiteten Kleinzüchtern zu Großbetrieben mit strengen biologischen Kontrollen nötig.

Schon heute hat die Schweinepest in China mehr als eine Billion Yuan, umgerechnet 127 Milliarden Euro, an direkten wirtschaftlichen Schäden angerichtet, so die Schätzung von Fachleuten. Der dramatische Rückgang der Schweinefleischproduktion hat die Preise in China im September sogar um 69,7 Prozent steigen lassen und treibt maßgeblich die Inflation voran.

(Quelle: dpa)