Russlands Ranking hat sich verbessert, aber Investoren haben es nicht gemerkt

Prof. Andrey Nechaev, Wirtschaftsminister a.D.

 

Russland ist im Doing Business Ranking der Weltbank um drei Positionen auf den 28. Platz vorgerückt. Damit zog es zum ersten Mal in die Top 30 der Länder mit dem besten Investitionsklima für Unternehmen ein. Insgesamt bewertet die Weltbank 190 Länder. Neuseeland, Singapur und Hongkong führen die Rangliste an.

Russland ist im Doing Business Ranking der Weltbank um drei Positionen auf den 28. Platz vorgerückt.  Foto: iStock © scaliger

Russlands politische Führung legt großen Wert auf ein gutes Abschneiden im Weltbank-Ranking. So hat Präsident Wladimir Putin in seinem Dekret „Über die langfristige staatliche Wirtschaftspolitik“ vom Mai 2012 im Zusammenhang mit der Beschleunigung des wirtschaftlichen Aufschwungs betont, wie wichtig es sei, dass Russland bis 2018 in die Top 20 des Weltbank-Rankings einzieht. Dieses Ziel wurde nicht erreicht, obwohl Russland in den letzten drei Jahren zwölf Positionen vorangekommen ist. Dennoch ist Russland aktuell die bestplatzierte Volkswirtschaft unter den BRICS-Staaten und liegt vor vielen europäischen Ländern. Das Ziel in die Top 20 einzuziehen, wurde nun auf das Jahr 2024 verschoben.

Kritik am Ranking

Experten der Weltbank analysierten insgesamt zehn investitionsrelevante Bereiche und stellten in Russland beim Zugang zu Elektrizität, dem Schutz von Minderheitsinvestoren und dem Bezahlen von Steuern positive Veränderungen fest.

Viele Experten kritisieren jedoch das Weltbank-Ranking, da keiner der zehn untersuchten Bereiche den Zustand des institutionellen Umfelds berücksichtigt: zum Beispiel die Anzahl der Unternehmensinspektionen durch Regulierungs- und Strafverfolgungsbehörden oder den unfairen Zugang von Unternehmen zu öffentlichen Ausschreibungen. Wichtige Geschäftsparameter wie Kreditkosten, Volatilität der Landeswährung, Steuerbelastung werden ebenfalls nicht berücksichtigt. Weiterhin messen die Experten der Weltbank nur das Geschäftsklima in Moskau und Sankt Petersburg, wo die Bedingungen für Unternehmen oft besser sind als in den meisten anderen russischen Regionen.

Ein Schlüsselthema des Geschäftsklimas in Russland ist der Schutz von Eigentumsrechten. Und da schneidet Russland sehr schlecht ab. Das Land befindet sich hier etwa auf dem gleichen Niveau wie im Doing Business Index im Jahr 2012. Die Bewertung des World Economic Forum bestätigt dieses Problem – hier ist Russland unter den Plätzen 115 bis 120 zu finden.

Auch berücksichtigt die Weltbank kaum die wachsende Rolle des Staates in der Wirtschaft, die Ungleichheit des Wettbewerbs zwischen öffentlichen und privaten Unternehmen (insbesondere von KMU) sowohl beim Zugang zu öffentlichen Aufträgen als auch im Rechtsbereich.

Kein Wirtschaftswachstum trotz Aufstiegs

Es ist kein Zufall, dass die formalen Fortschritte im Geschäftsumfeld Russlands nicht durch die Beschleunigung des Wirtschaftswachstums und die Aktivierung des Investitionsprozesses gestützt werden. Denn es war auch die Weltbank, die ihre Prognose für das russische BIP-Wachstum in diesem Jahr bereits mehrmals gesenkt hat und mittlerweile für 2019 auf nicht mehr als ein Prozent schätzt.

Nach Angaben der  russischen Zentralbank beschleunigt sich der Nettokapitalabfluss aus Russland seit 2008 ununterbrochen, so auch in diesem Jahr.  Im Januar bis August 2019 stieg dieser im Vergleich zum Vorjahr um das 1,3-Fache auf bis zu 26,1 Milliarden US-Dollar an. Bis Ende des Jahres erwartet die Zentralbank einen Kapitalabfluss von 40 Milliarden US-Dollar, was eine klare Bestätigung dafür ist, dass das Investitionsklima im Land trotz der guten Position im Ranking immer noch ungünstig ist.

Fairerweise ist jedoch anzumerken, dass die russischen Börsen den Aufstieg des Landes im Doing Business Ranking positiv aufgenommen haben. Die Aktienkurse zogen mehrere Tage lang spürbar an.