Coface stuft Hongkong in A3 herab

MAINZ. Der politisch heiße Sommer 2019 sorgte in der globalen Wirtschaft für Abkühlung. Daher sei es sehr wahrscheinlich, dass auch 2020 eher gebremst laufen wird, so die Erwartungen des Kreditversicherers Coface. Die zunehmende politische Unsicherheit, die mit dem Rückgang des Welthandelsvolumens einhergeht, schlägt sich auch in den Länderbewertungen des Kreditversicherers für das dritte Quartal 2019 nieder.

Während die originären Exporte Hongkongs nur einen geringen Anteil am Bruttoinlandsprodukt ausmachen, haben die aus China stammenden und über Hongkong als Zwischenstation exportierten Güter mit einem Anteil von 150 Prozent am BIP Honkongs höhere Bedeutung. Foto: iStock © fazon1

Die argentinische Währungskrise, Demonstrationen in Hongkong und Russland, Brexit, der Angriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien: Das sind nur einige der Ereignisse, die das dritte Quartal 2019 geprägt haben. „Die zunehmende politische Unsicherheit, verbunden mit dem Rückgang des Welthandelsvolumens, der hohen Volatilität der Ölpreise und dem Rückgang der Automobilverkäufe in Europa und China, hat die Zuversicht der Unternehmen weiter beeinträchtigt“, heißt es im Quartalspanorama zur Weltwirtschaft von Coface. In den Länderbewertungen hat der Kreditversicherer in diesem Quartal zwei Veränderungen vorgenommen: Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong wurde von A2 auf A3 herab- und Mauretanien von D auf C heraufgestuft.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat die Exporte der chinesischen Verwaltungszone stark beeinflusst. Während die originären Exporte Hongkongs nur einen geringen Anteil am Bruttoinlandsprodukt ausmachen, haben die aus China stammenden und über Hongkong als Zwischenstation exportierten Güter mit einem Anteil von 150 Prozent am BIP Honkongs höhere Bedeutung. Diese Re-Exporte sind in den ersten sechs Monaten 2019 im Durchschnitt um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken. „Und dieser Gegenwind wird voraussichtlich bis weit in das Jahr 2020 hinein anhalten“, erwartet Carlos Casanova, Coface-Volkswirt für die Region Asien-Pazifik. Die Folge: eine nur sehr schwache Wachstumsrate von 0,6 Prozent in den ersten beiden Quartalen.

Einige Branchen, darunter Einzelhandel, Dienstleistungen und Transport, sind von den politischen Protesten betroffen, die im Juni 2019 begannen und nicht nachlassen. Einerseits mussten Einkaufszentren geschlossen werden, weil Demonstranten die Hauptstraßen verstopften. Andererseits ging die Zahl der Touristen im Juli und August sehr deutlich zurück. „Die schwächere Nachfrage wird das Wachstum im dritten Quartal weiter dämpfen, was sehr wahrscheinlich zu einer technischen Rezession führen wird“, so Casanova weiter.

So müssen auch deutsche Unternehmen, die in Hongkong investieren wollen, bei ihren Investitionsplänen ein Umfeld mit höheren politischen Risiken berücksichtigen. „Auf der positiven Seite und trotz der anhaltenden politischen Krise bleiben das Justizsystem, der institutionelle Rahmen und das günstige Steuersystem Hongkongs unverändert“, erklärt Carlos Casanova. „Damit sollte die Rolle Hongkongs als Tor zu China weiterhin unterstützt werden. Schließlich bleiben die traditionellen Indikatoren für die Kapitalflucht, wie Geldbasis, Portfolioströme in Aktien, Anleihen und Immobilienmarkt, stabil.