Was wird aus dem Rubel vor dem Hintergrund der Ölkrise?

Prof. Andrey Nechaev, Wirtschaftsminister a.D.

 

Die Folgen des Drohnenangriffs auf saudische Ölfelder am vergangenen Wochenende könnten schwerwiegender sein als angenommen. Bis zur vollständigen Reparatur der Anlagen könnten mehrere Monate vergehen, während die Reserven Saudi-Arabiens lediglich einen Versorgungsengpass von 26 Tagen auszugleichen vermögen.

Die Folgen des Drohnenangriffs auf saudische Ölfelder am vergangenen Wochenende könnten schwerwiegender sein als angenommen. Foto: iStock © PROMT8 

Die tägliche Ölproduktion Saudi-Arabiens hatte sich durch den Angriff um 5,6 Millionen Barrel verringert, was rund fünf Prozent der weltweiten Produktion entspricht. Es ist durchaus möglich, dass bei einer langwierigen Wiederherstellung der saudischen Ölförderung andere Förderländer ihre Produktion ankurbeln müssen, um die globale Nachfrage zu decken. Russland, die USA, Kuwait und der Irak sind theoretisch in der Lage, dies in maßgeblichem Umfang zu tun. Iran und Venezuela, die unter Sanktionen stehen, scheiden indes aus.

Der Preis für ein Barrel Öl der Marke Brent hatte am 17. September einen morgendlichen Peak mit 70 US-Dollar erreicht, fiel danach wieder ab, blieb aber weiterhin deutlich über den vorhergehenden Preisen.

Konkret bedeutet dies, dass Russland seine Einnahmen aus Ölexporten sowohl durch die Preiserhöhung als auch durch ein erhöhtes Exportvolumen kurzfristig steigern kann. Der neue Zufluss an Devisen könnte so zur Stärkung des Rubels beitragen.

Dynamik des Rubelkurses

Bisher war der Wechselkurs des Rubel zum US-Dollar von Ölpreissteigerungen weniger beeinflusst, als eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Nach dem Krisenwochenende vom 14. auf den 15. September und dem darauffolgenden Montag stieg der Wechselkurs zum US-Dollar um 40 bis 50 Kopeken an und pendelte sich bei rund 63,9 Rubel/US-Dollar ein. Der Euro fiel um rund einen Rubel auf 70,3 Rubel/Euro.

Eine sogenannte Haushaltsregel hält den Rubel von einer schärferen Reaktion auf die steigenden Ölpreise ab. Gemäß dieser Regelung fließen Einnahmen von über 41,6 US-Dollar pro Barrel direkt in den Nationalen Wohlfahrtsfonds und nicht in den Staatshaushalt. Infolgedessen führt die Erhöhung des Ölpreises von zehn Prozent zu einer Rubelaufwertung von nur zirka einem Prozent. Die meisten Analysten sind sich daher einig, dass die derzeitige Rubelaufwertung unbedeutend (nicht mehr als 63 bis 64 Rubel/ US-Dollar) und lediglich vorübergehend sein wird.

Die Faktoren, die im Falle einer erwarteten Rezession der Weltwirtschaft zur Abschwächung des Rubels beitragen würden, bleiben jedoch in Kraft. Zu den gravierendsten Problemen zählen dabei Kapitalabflüsse und ein Rückgang der Rohstoffnachfrage, einschließlich der für Russland so wichtigen Ölexporte. Es ist zwar unangenehm, doch das Schicksal des Rubel-Wechselkurses liegt zu einem gewissen Grad in den Händen der saudischen Ölarbeiter und ihrer Erfolge bei der raschen Wiederaufnahme der dortigen Ölproduktion.