Investoren aus China weiter auf Rang eins

Im vergangenen Jahr haben sich erneut zahlreiche ausländische Investoren für den Standort Nordrhein-Westfalen entschieden. Mit 72 der insgesamt 426 FDI-Projekte – zu denen Neuansiedlungen, aber auch Erweiterungen zählen – liegt Greater China erneut auf Platz eins der Investorenrangliste.

Bereits über 1.100 Unternehmen aus Greater China sind mittlerweile in Nordrhein-Westfalen ansässig, davon hat mehr als die Hälfte die Landeshauptstadt für ihren Firmensitz gewählt. Foto: iStock © benkrut

Die von der landeseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW.INVEST in diesem Frühjahr vorlegten Zahlen bestätigen das große Interesse ausländischer Investoren am Standort Nordrhein-Westfalen. 21 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen (FDI), die 2018 in Deutschland getätigt wurden, entfielen auf NRW. Damit avanciert das Bundesland erneut zum beliebtesten Investitionsstandort für internationale Unternehmen. Seit 2012 beobachten die dortigen Wirtschaftsförderer insgesamt einen positiven Aufwärtstrend bei FDI-Projekten. Den größten Anteil stemmen dabei Investoren aus West-, Mittel- und Osteuropa sowie der Türkei – im vergangenen Jahr zeichneten sie für 252 Projekte verantwortlich. Die Zahl der FDI-Projekte aus asiatischen Herkunftsländern bewegt sich seit fünf Jahren auf etwa gleichbleibendem Niveau; 2018 waren es 119. Allerdings investierten japanische Firmen im vergangenen Jahr stärker als bisher: Mit 33 Projekten hat sich die Zahl im Vergleich zum vergangenen Jahr fast verdoppelt. Unangefochtener Spitzenreiter bleibt mit 72 Investitionsprojekten (Vorjahr: 96) jedoch Greater China.

Erweiterungen schaffen Arbeitsplätze

NRW.INVEST verweist darauf, dass mit den ausländischen Investitionsprojekten, die 2018 auf den Weg gebracht wurden, erstmals mehr als zehntausend neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Durch die chinesischen Investitionen des Vorjahres könnten über 560 neue Jobs entstehen, so die Prognose des Wirtschaftsförderers. Dabei sorgen „gerade die Erweiterungsinvestitionen ausländischer Unternehmen, die zum Teil seit vielen Jahren in NRW angesiedelt sind, in diesem Jahr für hohes Arbeitsplatzpotenzial“, betont Geschäftsführerin Petra Wassner.

Eines dieser Unternehmen ist die ZCC Cutting Tools Europe GmbH (ZCC-CT). Der Hersteller von Hartmetallwerkzeugen ist seit 15 Jahren in Düsseldorf ansässig und beliefert europäische Unternehmen aus den verschiedensten Branchen, insbesondere Automobilhersteller, Maschinen- und Anlagenbauer sowie die Bahn- und Flugzeugindustrie. Zusammen mit der Schwesterfirma ZCC Europe war das Unternehmen im Jahr 2003 mit damals vier Mitarbeitern gestartet, um die Europazentrale und entsprechende Vertriebsstrukturen für den Mutterkonzern Zhuzhou Cemented Carbide Cutting Tools Co., Ltd., aufzubauen, einer der wichtigsten Akteure im chinesischen Markt. In den darauffolgenden Jahren hat ZCC-CT seine Internationalisierungsstrategie konsequent umgesetzt. Das Produktportfolio wurde weiter ausgebaut, Gewinne wurden reinvestiert. 2015 gehörte ZCC-CT zu den ausländischen Unternehmen, die für ihr langfristiges Engagement mit dem NRW.INVEST Award ausgezeichnet wurden. Schon damals plante das Unternehmen die Errichtung eines Technologiezentrums, um die eigenen Produkte, darunter Wendeschneidplatten, Vollhartmetallwerkzeuge, Werkzeughalter und Fräskörper, an Anforderungen und Bedarfe von Industrie-4.0-Anwendungen anpassen und besser auf Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Im Mai 2019 wurde das neue Test- und Demonstrationszentrum am Standort Düsseldorf in Betrieb genommen. Im Zuge der Expansion investierte ZCC-CT über 2,5 Millionen Euro und schaffte 20 neue Arbeitsplätze. Damit hat sich die Mitarbeiterzahl seit 2015 verdoppelt. Gemeinsam mit der Schwestergesellschaft beschäftigt das Unternehmen nun über 100 Mitarbeiter in Düsseldorf und erwirtschaftet rund 60 Millionen Euro Umsatz.

Jüngste Ansiedelungen sind vielversprechend

Bereits über 1.100 Unternehmen aus Greater China sind mittlerweile in Nordrhein-Westfalen ansässig, davon hat mehr als die Hälfte die Landeshauptstadt für ihren Firmensitz gewählt. Zu dieser positiven Entwicklung tragen zahlreiche Akteure bei, allein durch die Arbeit des China-Kompetenzzentrums Düsseldorf konnte ein Zuwachs von 40 chinesischen Unternehmen realisiert werden.

Hier einige Beispiele für jüngste Ansiedlungen: SonoScape Medical, ein börsennotierter Medizingerätehersteller aus Shenzhen mit Vertriebsbüros in über 130 Ländern, hat Anfang November 2018 ein Büro in Düsseldorf eröffnet. Nach eigenen Angaben hat der Hersteller von Ultraschall- und Endoskopiegeräten seine Geräte bisher über Vertriebspartner an Arztpraxen verkauft. Nun sollen mehr Kundennähe hergestellt und engere Kooperationsbeziehungen zu Partnern aufgebaut werden. Dazu gehört auch die Übernahme des Vertriebs an Krankenhäuser in Eigenregie.

Gute Anknüpfungspunkte für einen intensiven bilateralen Austausch bieten Themen wie Digitalisierung, E-Mobilität, neue Verkehrskonzepte, aber auch Start-up-Initiativen.

Das Hongkonger Unternehmen Wealthfields baut in Willich auf 16.000 Quadratmetern seine Europazentrale auf. Dort sollen Waschmittel, Reinigungs- und Körperpflegeprodukte für den Weltmarkt hergestellt und dann – unterstützt durch „Made in Germany“ – exportiert werden.

Der chinesische Industriestaubsauger-Spezialist Villo hat ebenfalls den Weg nach NRW gefunden. Seit gut zehn Jahren ist die Dongguan Villo Environmental Corporation ein wichtiger Player im chinesischen Markt. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt explosionssichere industrielle Entstaubungsanlagen und ist auch an der Börse China Beijing Equity Exchange (CBEX) gelistet. Nun expandiert es mit der Branchenmarke „Villo“ nach Duisburg. Anfang April wurde der neue Standort feierlich eröffnet. Von dort aus will die Villo Germany GmbH den Vertrieb von Industriestaubsaugern sowie von mobilen und stationären Absauganlagen für Handwerk und Industrie – vornehmlich in Deutschland – steuern.

Aktive Partnerschaften zahlen sich aus

Seit mehr als 30 Jahren sind Nordrhein-Westfalen und Chinas wirtschaftsstarke Provinz Jiangsu partnerschaftlich verbunden. Dazu kommen zahlreiche Städtepartnerschaften, zum Beispiel zwischen Köln und Peking, Düsseldorf und Chongqing sowie Duisburg und Wuhan. Regelmäßig reisen die Oberbürgermeister mit Wirtschaftsdelegationen nach China und empfangen im Gegenzug ihre Counterparts und chinesische Unternehmen, die dann hier mit möglichen Partnern zusammengebracht werden. Gute Anknüpfungspunkte für einen intensiven Austausch bieten dabei Themen wie Digitalisierung, E-Mobilität, neue Verkehrskonzepte, aber auch Start-up-Initiativen.

Daraus ergeben sich immer wieder neue Ansätze für die Zusammenarbeit. „Für Investoren aus Shenzhen hat sich Düsseldorf zu einem Hotspot entwickelt“, so Oberbürgermeister Thomas Geisel. Deshalb stand ein Besuch der Metropole auch auf dem Programm seiner China-Reise im Juni dieses Jahres. Am Rande einer Investorenveranstaltung kündigte dort Smartphone-Hersteller Oppo an, seine Europazentrale demnächst in Düsseldorf zu eröffnen. Er trifft auf Schwergewichte der Branche wie Vodafone, Telekom, Huawei und Telefónica. Oppo ist ein relativ junges Unternehmen. Seit 2008 im Telekommunikationsmarkt aktiv, zählt das Unternehmen mit seinen Marken Oppo und OnePlus zu den fünf größten internationalen Mobiltelefonherstellern. Oppo gehört auch zu den ersten Herstellern, die 5G-Handys anbieten. Der Schwerpunkt der Marktbearbeitung lag bisher in Asien und in Afrika, jetzt soll Europa folgen.

Neben den großen und kleinen Delegationsreisen gibt es nunmehr im achten Jahr ein Event, das deutsche und chinesische Unternehmer, Investoren und Wirtschaftsförderer zusammenbringt: das „Business and Investors Forum China“. Die Wirtschaftsveranstaltung, die durch ein mehrtägiges China-Fest mit zahlreichen Kulturveranstaltungen abgerundet wurde, rotiert zwischen Köln, Düsseldorf und Duisburg. In diesem Jahr war Köln Gastgeber der Veranstaltung, auf der es vornehmlich um innovative mobile Technologien und die Zukunft der Mobilität ging. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat zudem angekündigt, dass sie voraussichtlich Ende September zu den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Staatsgründung nach China reisen wird.

Damit chinesische Investoren in NRW nicht nur gute Geschäftsmöglichkeiten vorfinden, werden vorhandene „China-Infrastrukturen“ kontinuierlich ausgebaut. Das betrifft den Sport, aber auch die Kita-Betreuung. Die Kindertagesstätte „Pandabären“ wurde im August 2018 eröffnet. Dort wird zweisprachig gearbeitet, die Kinder lernen spielerisch Sprache und Kultur kennen – beste Voraussetzungen für ein künftiges Miteinander, vielleicht auch als Investoren.

Petra Reichardt

Dieser Beitrag ist in der aktuellen ChinaContact 7/8-2019 erschienen.