5. Eastern Economic Forum: Russland orientiert sich Richtung Osten

Wladiwostok ist vom 4. bis 6. September Gastgeber des 5. Eastern Economic Forum (EEF). Zentrales Ereignis der Veranstaltung, die ausländische Investitionen in den Fernen Osten locken will, war am zweiten Tag eine Podiumsdiskussion unter Teilnahme des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er rief dabei ausländische Investoren auf, sich aktiver in der spannenden Region zu engagieren.

Foto: kremlin.ru

Russland will Potential des Fernen Ostens besser nutzen
Die Kennzahlen im russischen Fernen Osten sind beeindruckend: Das Wirtschaftswachstum ist hier weitaus höher als im Landesdurchschnitt. Zudem floss in den vergangenen fünf Jahren ein Drittel aller ausländischen Direktinvestitionen in die Region. Für Investoren gelten besondere Steuerregelungen und staatliche Unterstützungsmaßnahmen, mit denen Russland die Attraktivität der Region weiter erhöhen will. Im Rahmen des Nationalen Programms zur Entwicklung des Fernen Ostens können insbesondere Unternehmen im Bausektor profitieren. Niedrige Hypothekzinsen in Höhe von zwei Prozent sollen ab Ende 2019 zudem gut ausgebildete Experten in die Region locken.

Japan mit starker Präsenz
Wichtigster Partner der Region ist nach wie vor China. Unter anderem unterzeichneten die Regionalregierung von Chabarowsk und das chinesische Unternehmen Sherwood Energy auf dem Forum eine Vereinbarung für die Errichtung der weltweit größten Methanolanlage in der Nähe der Regionalhauptstadt. Weiterhin wollen chinesische Unternehmen bis zu 700 Millionen US-Dollar in den Bau von Milchverarbeitungsbetrieben in Russlands Fernen Osten investieren. Neben den Chinesen, stellte Japan eine der größten Delegationen. Am 5. September fand der Wirtschaftsdialog „Russland – Japan“ statt, der neue Kooperationsmöglichkeiten unter anderem in den Bereichen Transport, Gesundheit und Energie auslotete.

Dabei kündigte die Russische Eisenbahn RZD an, die Frachtlieferungen über die Transsibirische Eisenbahn nach Europa von derzeit 19 auf 11 Tage zu verkürzen. Zu den bilateralen russisch-japanischen Initiativen gehört die für 2020 geplante Gründung eines Investitionsfonds für Projekte der modernen Medizin. Darüber hinaus bietet Rosneft seinen japanischen Partnern die Teilnahme an mehreren Projekten der Öl- und Gasexploration und -produktion, Ölraffination und Petrochemie an. Das größte Projekt ist hier aber die japanische Beteiligung am Bau der Arctic LNG-2-Flüssiggas-Anlage auf der Halbinsel Jamal. Die japanischen Investitionen belaufen sich auf insgesamt fünf Milliarden US-Dollar.

Europa im Abseits
Das Forum zeigte indes auch, dass Europa viel an Einfluss in Russland verloren hat und offensichtlich keine Antwort auf die von China energisch vorangetriebene Belt-and-Road-Initiative findet. Daher muss sich Russland zunehmend anders orientieren. Neben China und Japan kamen auch Südkorea und Indien mit starken Delegationen nach Wladiwostok. Medienberichten zufolge steht Korea vor einem baldigen Vertragsabschluss mit Russland über die Errichtung einer Freihandelszone im Bereich der Dienstleistungen und Investitionen. Mit Indien arbeitet Russland insbesondere in den Bereichen Verteidigung und Energie eng zusammen. Neu-Delhi und Moskau schlossen im Rahmen des EEF 50 Vereinbarungen über Investitionen in Höhe von insgesamt fünf Milliarden US-Dollar, wie Indiens Premierminister Narendra Modi verkündete. Mit Blick auf Europa stach allein die italienische Delegation heraus, deren Mitglieder beim einzigen Europa-Panel „Russia – Europe“ am 4. September das Gros der Teilnehmer stellten. Einziger offizieller Vertreter der Europäischen Union war Tomas Kuchtik, Handelsbeauftragter bei der Vertretung der Europäischen Union in Moskau.

dk