Russland verbindet China mit Europa

Der russische Premierminister Dmitrij Medwedew hat grünes Licht für den Bau einer Maut-Straße gegeben, die den Güterverkehr zwischen China und Europa erleichtern soll. Die komplett privat finanzierte Strecke, genannt „Meridian“, soll auch mithilfe chinesischer Investitionen gebaut werden.

Der russische Premierminister Dmitrij Medwedew hat grünes Licht für den Bau einer Maut-Straße gegeben, die den Güterverkehr zwischen China und Europa erleichtern soll. Foto: iStock © Bogdanhoda

Den russischen Streckenabschnitt zwischen dem russisch-kasachischen Grenzort Sagartschin und Belarus mit einer Länge von 2.000 Kilometern und Baukosten von rund acht Milliarden Euro (600 Milliarden Rubel) soll die „Russkaja Holdingowaja Kompanija“ mit privaten Mitteln stemmen, unter anderem mit Investitionen aus China. Im Gegenzug sichert der russische Staat den Investoren jährliche Garantieeinnahmen in Höhe von umgerechnet 500 Millionen Euro (35 Milliarden Rubel) sowie umfangreiche administrative Unterstützung zu.

Beispielloses Infrastrukturprojekt

Ein derartig groß angelegtes Straßenbauprojekt ist in Russland bislang ohne Beispiel. Lange Zeit hielten viele Experten den Bau für wenig realistisch, weil Projekte dieser Dimension üblicherweise eine stabile staatliche Finanzierung voraussetzen. Nun unterstützt der Kreml jedoch den privat finanzierten Bau des „Meridian“ auch, weil dadurch Budgetmittel für andere dringend benötigte Infrastrukturprojekte eingespart werden können.

Der Bau der Straße soll unmittelbar an der kasachischen Grenze beginnen. Nach einem Bericht der Tageszeitung Kommersant wurden im Gebiet des geplanten Streckenverlaufs bereits 80 Prozent des Baulandes erworben. Die Betreiberfirma „Russkaja Holdingowaja Kompanija“ hofft, dass sich das Projekt nach zwölf Jahren amortisiert.

Russland als Profiteuer chinesischer Investitionen?

Präsident Putin hatte in jüngster Zeit mehrmals die Notwendigkeit betont, neue Verkehrswege im Transportkorridor Westeuropa-China zu errichten und bestehende Verbindungen zu modernisieren. Der Bau des „Meridian“ passt sehr gut in dieses Konzept. Russland würde damit zu einem wichtigen  Transitland in dem vom China initiierten Projekt der „Neuen Seidenstraße“ avancieren. Gleichzeitig könnte die russische Wirtschaft vom Ausbau der Infrastruktur profitieren, um eigene Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union voranzutreiben.

Ob sich jedoch die Hoffnung auf eine chinesische Investition erfüllt, die einen wichtigen Teil der Finanzierungsplanung darstellt, ist fraglich. Für die Chinesen wäre der „Meridian“ nur dann attraktiv, wenn der Lkw-Transport sich als effiziente Alternative für See- und Bahnlieferungen erweisen würde. Denkbar wäre, dass die neue Autobahn die westchinesischen Provinzen über den logistischen Knotenpunkt „Great Stone“ in Belarus mit Westeuropa verbinden und dadurch den teils überstrapazierten Eisenbahnverkehr auf der transsibirischen Strecke entlasten könnte.

Allerdings folgt China sei jeher dem Grundsatz, dass logistische Infrastrukturen nur dort entstehen sollten, wo sich entsprechende Investitionen auszahlen.

dk