Gazprom erneut teuerstes Unternehmen Russlands

Trotz sinkender Ölpreise geht es für die Aktien des russischen Erdgasmonopolisten Gazprom kräftig nach oben. Ausschlaggebend dafür sind unter anderem interne Umstrukturierungen, gedrosselte Investitionen und ein Gerücht.

Trotz sinkender Ölpreise geht es für die Aktien des russischen Erdgasmonopolisten Gazprom kräftig nach oben. Foto: iStock © Dontsov

Der Aktienkurs von Gazprom stieg bereits die ganze Woche über kontinuierlich, doch am 3. Juni schoss er regelrecht in die Höhe. An der Spitze konnte ein Zuwachs von 17 Prozent verzeichnet werden, und auch im Tagesdurchschnitt wuchs die Aktie noch um stolze 9,5 Prozent. Damit ist das Erdgasunternehmen mit einem Börsenwert von rund 78 Milliarden Euro nach knapp drei Jahren erneut zum teuersten Unternehmen Russlands aufgestiegen.

Ein Grund für den rasanten Wertzuwachs der Gazprom-Aktien war unter anderem die Bekanntgabe der künftigen Dividendenpolitik. Mitte Mai verkündete Gazprom, für 2018 etwa 30 Prozent des Reingewinns an die Aktionäre auszuschütten – fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Zusätzlich wurde angekündigt, in Zukunft bis zu 50 Prozent des Unternehmensgewinns zur Ausschüttung von Dividenden zu verwenden.

Personalwechsel auf der Führungsebene

Ein Großteil der Gewinne ging allerdings auf ein Gerücht zurück, das sich zumindest bisher nicht bewahrheitete: Den bevorstehenden Rücktritt des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Alexej Miller. Dieser stand zuletzt in der Kritik, weil die umfangreichen Investitionen des Unternehmens eher befreundeten Baufirmen zugutekamen als Gazprom. Zudem wurde Miller vorgeworfen, den Trend hin zum Flüssiggas verschlafen zu haben. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass Miller noch mindestens ein Jahr im Amt bleibt, um die beiden Großprojekte für Gaslieferungen nach Europa und China zu realisieren – Nord Stream 2 und Power of Siberia.

Generell war die strukturelle Reorganisation des Unternehmens über die letzten Wochen hinweg ein Thema in den russischen Medien. Seit Februar haben drei Vorstandsmitglieder Gazprom verlassen: Alexander Medwedew (Export), Valery Golubew (Inland) und Andrey Kruglow (Finanzen). Im April schied zudem mit Kirill Seleznew, Chef der Gazprom-Tochter Mezhregiongaz und ein enger Vertrauter Millers, aus dem Unternehmen aus.

Weitere strukturelle Veränderungen geplant

Nicht weniger relevant (insbesondere für ausländische Partner) sind weitere großangelegte Umstrukturierungen im Unternehmen. Darunter fallen unter anderem die  Bereiche Investitionen und Beschaffung, die von nun an unter neuer Verantwortung stehen. Eine wichtige Maßnahme ist dabei die Entscheidung für einen einzigen zentralen Auftragnehmer bei Bauprojekten. Der eigens zu diesem Zweck gegründeten Tochtergesellschaft „Gazstroyprom“ wurden bereits entsprechende Vermögenswerte gutgeschrieben. Auch plant Gazprom den beiden Oligarchen Arkadi Rotenberg und Gennadi Timtschenko Unternehmensanteile von Firmen abzukaufen, die bedeutende Zulieferer Gazproms darstellen. Beide Geschäftsmänner stehen unter westlichen Sanktionen.

Ende Mai gab Gazprom zudem eine Kürzung der Investitionsausgaben bekannt, was in erster Linie mit dem Umstand zu tun hat, dass die drei großen Pipelines Nord Stream 2, Turk Stream und Power of Siberia kurz vor Bauabschluss stehen. Diese Meldung befeuerte den Kurs der Gazprom-Aktie zusätzlich.

 

 

 

 

 

 

Prof. Andrey Nechaev