Daimler eröffnet neue Lkw-Kabinenfertigung in Russland

Am 27. Mai 2019 wurde in Russland im Rahmen des Joint Ventures von Daimler und KAMAZ eine neue Produktionslinie in Betrieb genommen. Mit der Investition will der deutsche Hersteller  das Potenzial des russischen Lkw-Marktes weiter ausschöpfen. Nach dem Bau des Mercedes-Pkw-Werkes im Moskauer Gebiet ist dies bereits die zweite bedeutende Investition des Konzerns.

Am 27. Mai 2019 wurde in Russland im Rahmen des Joint Ventures von Daimler und KAMAZ eine neue Produktionslinie in Betrieb genommen.  Foto: iStock © DarthArt

Die rund 60.000 Quadratmeter große Anlage in Nabereschnyje Tschelny (Republik Tatarstan) verfügt über eine Produktionskapazität von 55.000 Einheiten pro Jahr und wird Kabinen für die aktuellen Actros- und Arocs-Modelle von Mercedes-Benz sowie für Lastkraftwagen des russischen Partners KAMAZ produzieren. Das 200 Millionen Euro teure Projekt setzt hochmoderne Produktionsmethoden mit mehr als 120 Robotern sowie innovative 3D-Druck-Technologien ein. Der Einsatz dieser macht das Werk zu einem der am höchsten automatisierten Industrieanlangen Russlands und Daimler zu einem Vorreiter im Bereich Industrie 4.0.

Lokalisierungsgrad wird erhöht

Die neue Fabrik ist fester Bestandteil des weltweiten Produktionsnetzwerks von Daimler und wird eng mit dem Hauptwerk in Wörth zusammenarbeiten. Dabei werden mehr als 150 Einzelkomponenten von lokal produzierenden russischen Zulieferern bezogen. Stefan Buchner, Bereichsvorstand von Mercedes-Benz Trucks weltweit, betont: „Diese Produktionslinie zählt zu den innovativsten Einrichtungen im russischen Automobilsektor und stellt den jüngsten Beweis für unser langfristiges Bekenntnis an unser Joint Venture Daimler KAMAZ dar.“

Im vergangenen Jahr wurden auf dem russischen Markt rund 82.000 Lkw abgesetzt – ein moderates Wachstum von knapp drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Marktführer sind KAMAZ mit einem Marktanteil von mehr als 30 Prozent (etwa 26.000 Lkw) und GAZ (knapp zehn Prozent). Es folgen die schwedischen Hersteller Scania (acht Prozent) und Volvo (sieben Prozent) sowie der deutsche Hersteller MAN (sechs Prozent). Dieser Marktanteil soll mit der Eröffnung des neuen Werks weiter ausgebaut werden.

Die neue Kabinenfertigung stellt einen bewussten Schritt des Unternehmens zum Ausbau seiner Marktpräsenz in Russland dar. Dafür investiert Daimler in die russische Automobilindustrie und stellt Wissen, Erfahrung und Expertise zur Verfügung. So sollen Produktionsprozesse weiter verbessert und automatisiert werden. Ziel ist auch die Erreichung einer technologischen Vormachtstellung in Russland. Mit der Einführung von Industrie-4.0-Technologien entstehen allerdings auch  neue Berufsprofile, die eine umfassende Weiterbildung der Belegschaft in Zusammenarbeit mit KAMAZ, regionalen Universitäten und Ausbildungsinstituten erfordern. Hier muss sich das Joint Venture gewissen Herausforderungen stellen.

Deutsche Unternehmen lokalisieren verstärkt

Daimler setzt den Trend zur Lokalisierung in Russland fort. In den vergangenen Wochen starteten bereits mehrere deutsche Unternehmen ihre Produktion in Russland. Prominentes Beispiel ist das Mercedes-Benz-Werk  in der Region Moskau, das im April unter Teilnahme von Präsident Putin und dem deutschen Wirtschaftsminister Altmaier eröffnet wurde. Weitere  Beispiele sind die Firma Knauf mit einer Fertighausproduktion in Krasnogorsk, das Logistikunternehmen  Rhenus in Woronesch und der Pumpenhersteller KSB in Moskau. Für viele deutsche Unternehmen scheint das Vertrauen in den russischen Markt trotz Sanktionen ungebrochen.

 

dk