AHK-Blitzumfrage zu Geschäftsaussichten deutscher Unternehmen

PEKING/KANTON/SHANGHAI. Chinas Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal 2019 ein Wachstum von 6,4 Prozent. Zu diesem Ergebnis hat insbesondere der wachstumsstarke Monat März beigetragen. Die schwache Binnennachfrage und die insgesamt weiter mäßigen Geschäftsaussichten beeinflussen jedoch das Geschäftsklima deutscher Unternehmen in China. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage unter den Mitgliedsunternehmen der Deutschen Handelskammer in China sowie die regelmäßig erscheinenden Quartalsberichte der Organisation.

2018 wurden in China erstmals weniger Autos verkauft als in den Vorjahren. Rund jeder zweite von der AHK Befragte der Branche korrigiert Umsatz-, Ergebnis- und Investitionsprognosen für die kommenden Monate nach unten. Foto: iStock © Chalffy

Die bereits Ende 2018 begonnenen Stimulierungsmaßnahmen der chinesischen Wirtschaft haben sich offenbar noch nicht durchgängig materialisiert. Chinas Außenhandel schrumpfte im ersten Quartal, da die getrübte Stimmung im Inland die Importe stark belastete. Dennoch gaben Leitindikatoren zu Finanzierung, Produzentenpreisniveau und Einkaufsmanagerindex zaghafte Signale im März, dass der konjunkturelle Tiefpunkt erreicht sein könnte: Die chinesische Wirtschaft konnte im ersten Quartal um 6,4 Prozent expandieren.

Die stärkere Entwicklung ist auf die deutlichen Steigerungen der Industrieproduktion und des Einzelhandelsumsatzes im März zurückzuführen, die durch die boomende Bautätigkeit getrieben sind. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat kürzlich seine Wachstumsprognosen für China im laufenden Jahr von 6,2 Prozent auf 6,3 Prozent leicht angehoben.

„Wir sehen positive Anzeichen in der chinesischen Wirtschaft, aber eine verhaltene Stimmung bei den deutschen Unternehmen in China für den Rest des Jahres. Fraglich bleibt, inwieweit sich der März-Trend nachhaltig im laufenden Jahr fortsetzt und den deutschen Unternehmen die dringend benötigte Sicherheit zurückgibt“, bewertet Jens Hildebrandt, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Peking, die aktuelle Lage der deutschen Unternehmen in China. Die schwache Weltkonjunktur und der gedämpfte Binnenkonsum werden Chinas Wirtschaft aber weiterhin belasten.

Binnennachfrage größtes Risiko im China-Geschäft

Die Wirtschaftsstruktur Chinas verändert sich weiter und der tertiäre Sektor wächst schneller als der Primär- und Sekundärsektor. Die insgesamt gestiegene Investitionstätigkeit – eine Stimulierungsmaßnahme der chinesischen Regierung – verdrängt allerdings den relativen Anteil des Konsums am Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze hat sich, trotz leichten Aufschwungs im März, weiter abgeschwächt und notiert nun bei einer Wachstumsrate von 8,3 Prozent. Die Automobilverkäufe in China schrumpften 2018 erstmals seit den 1990er-Jahren und erreichten im ersten Quartal 2019 ein Minus von rund elf Prozent.

Die Binnennachfrage, als ein zentraler Wachstumstreiber, gilt für mehr als jedes zweite deutsche Unternehmen als größtes Risiko im China-Geschäft. Dies ergab eine aktuelle Blitzumfrage der Deutschen Handelskammer unter Mitgliedsunternehmen in ganz China über alle Branchen hinweg. Für die deutsche Automobilindustrie ist China der wichtigste Einzelmarkt und die Binnennachfrage mit fast 80 Prozent das größte Risiko. Um dem entgegen zu wirken, planen die chinesischen Behörden, den Autokonsum zu stimulieren. So versuchen beispielsweise die Zentralbehörden, gewisse Einschränkungen bei der Nummernschildvergabe in chinesischen Großstädten aufzuheben, um Autokäufe anzukurbeln. Die von der Industrie geforderte Maßnahme zur Halbierung der Umsatzsteuer wurde allerdings nicht umgesetzt.

Befragte Unternehmen planen kaum Anpassungen

Die in der letzten Geschäftsklima-Umfrage der Deutschen Auslandshandelskammer Ende 2018 sichtbar gewordene verhaltene Stimmung unter den deutschen Unternehmen in China wird auch im ersten Quartal 2019 sichtbar. Laut der neuesten Umfrage der Deutschen Handelskammer spüren 60 Prozent der deutschen Unternehmen in China einen wirtschaftlichen Abschwung, mit unterschiedlichen Ausprägungen in den einzelnen Schlüsselindustrien.

Trotzdem planen rund zwei Drittel der befragten Unternehmen keine Anpassungen bei Umsatz, Gewinn, Investitionen und Beschäftigung oder wollen in diesen Bereichen sogar aufstocken. Im Durchschnitt hat jedes zweite Unternehmen offenbar Umsatz- und Ergebnisziele, Investitionen und Beschäftigungszahlen für 2019 realistisch geplant. Rund jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) beabsichtigt sogar einen Anstieg der Beschäftigung und jedes sechste Unternehmen erwägt seine Investitionspläne noch zu erhöhen. Doch auch hier gibt es Divergenzen in den Branchen. Während der deutsche Maschinenbau in China beständig bleibt und die Dienstleister sogar noch optimistischer in die Zukunft blicken, hinterlässt der sinkende Binnenkonsum in China bei den Automobilbetrieben seine Spuren. Rund jeder zweite Befragte der Branche korrigiert Umsatz-, Ergebnis- und Investitionsprognosen nach unten. Lediglich die Beschäftigungspläne sind vergleichsweise stabil.

An der Blitz-Umfrage zur Geschäftsentwicklung in China im ersten Quartal 2019 (Ergebnisse und Grafiken) der Deutschen Handelskammer nahmen zwischen dem 25. März und 8. April insgesamt 236 Mitgliedsunternehmen in China teil.