Pressestimmen zu den Ölsanktionen gegen Iran: „Die Scharfmacher“ aus Washington

Die USA heben die Sondergenehmigungen, die es acht Ländern bisher erlaubten, weiter Erdöl aus dem Iran zu importieren, und sie von den Sanktionen ausgenommen hatten. Photo by U.S. Department of State / © U.S. Government Works / Quelle: Flickr

BERLIN. Die USA heben die Sondergenehmigungen auf, die es acht Ländern bisher erlaubten, weiter Erdöl aus Iran zu importieren. Die internationale Presse geht mit der US-Regierung hart ins Gericht.

Die Tageszeitung: „Die Maßnahme zeigt, dass sich in der Washingtoner Nahostpolitik wieder einmal die Scharfmacher durchgesetzt haben. Dass Präsident Trump es schafft, Teheran mit diesem Gehabe zu beeindrucken, ist unwahrscheinlich. Seine Basis zu Hause hingegen kann Trump beeindrucken. Da von Washington keine Kehrtwende zu erwarten ist, muss die internationale Gemeinschaft reagieren.“

Handelsblatt: „Die Iran-Sanktionen sind ein neuer Brandsatz für das Pulverfass im Nahen und Mittleren Osten. Das Ölembargo der US-Regierung gegen Teheran wird seinen wirtschaftlichen Preis fordern. Zum Frieden trägt es nicht bei.“

Süddeutsche Zeitung: „Die Sanktionsdrohungen der US-Regierung gegen Iran treffen den Ölmarkt in einem hochsensiblen Moment. Schon jetzt fehlen pro Tag große Mengen Öl. Würde nun auch noch ein Großteil der iranischen Ölexporte wegbrechen, dürfte Chaos ausbrechen. Wirklich profitieren tut von alledem nur ein Land: Saudi-Arabien.“

Der Tagesspiegel: „Weder lenkt das Regime in Teheran ein noch scheint es ernsthaft in Bedrängnis zu geraten. Im Gegenteil. Die Verfechter einer harten Linie gewinnen an Zuspruch, immer häufiger sind patriotische Töne selbst bei moderaten Kräften zu hören. Sie alle eint trotz ihrer Differenzen der Wille, Trumps Druck standzuhalten. So stärkt Amerika Teherans Machthaber. Und die wollen es auch wissen.“

Badische Neueste Nachrichten: „Immer offener lassen Pompeo und andere US-Hardliner wie Sicherheitsberater John Bolton erkennen, dass ihr eigentliches Ziel darin liegt, die Regierung in Teheran zu stürzen. Erst kürzlich hatte Washington die iranischen Revolutionsgarden, eine wichtige Stütze des Regimes, als Terrorgruppe eingestuft.“

NZZ (Schweiz): „Washington will erreichen, dass die iranischen Ölexporte auf null sinken. Dass dies gelingt, ist unwahrscheinlich. Auch sonst droht der amerikanische Präsident mit seiner Iran-Strategie zu scheitern.“

CNN (USA): „Die größten Gewinner von Donald Trumps hartem Durchgreifen gegen die iranischen Ölexporte sind Wladimir Putin und Russland. Die Rohölpreise, die in diesem Jahr bereits um 44 Prozent gestiegen sind, stiegen um fast drei Prozent. Da die Ölexporte rund 60 Prozent der gesamten russischen Exporte und 30 Prozent des BIP ausmachen, führt jeder Anstieg des Ölpreises in Dollar sofort zu einer dramatischen Verbesserung der russischen Finanzlage.“

Donya-e Eghtesad (Iran): „Trump setzt auf Saudi-Arabien und die VAE, und pokert mit der Verschärfung der Öl-Sanktionen zu hoch. Wenn Japan, China, Südkorea, Indien und die Türkei die Sanktionen nicht beachten, wird Trump verlieren. Auch der Benzinpreis in den USA ist ein Faktor, der Trumps Zukunft beeinträchtigen wird.“

Etemaad (Iran): „Das iranische Öl kann man nicht aussortieren. Der Grund liegt einfach in den technischen Einschränkungen der Raffinerien. Eine Raffinerie braucht sechs bis zwölf Monate, um sich an ein anderes Öl anzupassen. Aus diesem Grund werden es sich die Kunden auf dem Markt genauer überlegen, bevor sie sich längerfristig von einem anderen Lieferanten abhängig machen. Die meisten Importeure bevorzugen mehrere Optionen auf dem Tisch zu haben. Letzten Endes muss man abwarten, und sehen wie die Kunden des iranischen Öls reagieren werden. Aber fakt ist, dass es fast unmöglich ist, die iranischen Ölexporte auf null zu senken.“