Leben mit Sanktionen

Seit Frühjahr 2014 stehen die russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen im Schatten der Sanktionen. Die Zusammenarbeit beider Länder hat in den vergangenen Jahren erheblich gelitten. Die Verluste der letzten fünf Jahre schätzen Experten beider Seiten auf mehrere Milliarden Euro. Wir haben zentrale Aussagen von Wirtschaftsvertretern und Experten aus der aktuellen OstContactAusgabe zum Thema Sanktionen zusammengestellt.

Seit Frühjahr 2014 stehen die russisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen im Schatten der Sanktionen.  Foto: iStock © ovbelov

Michael Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung des Ost-Ausschuss – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft in Berlin

„Was die Sanktionen für alle gebracht haben, ist mehr Bürokratie. Firmen müssen bei Geschäften sehr aufwendig die vielfältigen Sanktionsbestimmungen berücksichtigen. Im Finanzsektor ist da die Vorsicht besonders groß. Die Finanzierungsmöglichkeiten in Russland wurden dadurch deutlich eingeschränkt.“

Prof. Dr. h.c. Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des BVMW

 „Es ist vor allem die Unsicherheit, die die Unternehmen abschreckt. Unternehmen, gerade kleine, verlieren immer mehr Möglichkeiten, im Ausland tätig zu werden. Als Konsequenz ziehen sie sich zurück und nehmen den Verlust kampflos hin, weil Geld, Ausdauer und Unterstützung durch die Politik fehlen. Die Bundesregierung muss sich deshalb stärker für den Mittelstand einsetzen. Denn die Situation schwächt den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt.“

„Eine Lösung der Ukraine-Krise kann nur mit Putin gelingen, nicht gegen ihn. Die Bundesregierung sollte deshalb auf Kooperation statt Konfrontation setzen. Es wäre wichtig, dass Brüssel mit Moskau einen Kompromiss aushandelt.“

Vladislav Belov, stellvertretender Leiter des Europa-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften

„Im Unterschied zur EU ist für die USA der Druck auf die russische Führung nur ein Deckmantel für wirtschaftliche Ziele: Nämlich für die Verdrängung der Konkurrenz vom europäischen Energiemarkt und die Förderung der US-Akteure. Gleichzeitig kann dadurch die EU als Standort wirtschaftlich geschwächt werden.“

Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW)

 „Sanktionen sind in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung umstritten. Einerseits sind sie sehr effektiv darin, Handelsbeziehungen zu stören oder zu zerstören, andererseits werden die intendierten Politikveränderungen nur sehr selten erreicht, so auch im Falle Russlands.“

Gerd Lenga, Rechtsanwalt und Schiedsrichter am Internationalen Wirtschaftsschiedsgericht der Handels- und Industriekammer Russlands

 „Vor allem aber sollte man seinen Unmut endlich einmal laut und öffentlich äußern, denn ohne derartige Zeichen ist mit einem Ende der Sanktionen nicht zu rechnen: Politik reagiert nun einmal nur auf deutliche Kritik, schließlich sind unsere Politiker von den Sanktionen nicht betroffen.“

Peter Havlik, Senior Economist am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw)

„Der bereits seit mehr als fünf Jahren andauernde Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sowie dem Westen hat nicht nur für Russland und die Ukraine schwerwiegende Auswirkungen, er stellt auch für die labile wirtschaftliche Erholung in Europa eine potenzielle Bedrohung dar.“


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Inhaltsverzeichnis OstContact 3/4-2019

Die Russland-Sanktionen jähren in diesem Jahr zum fünften Mal. Und trotz der leisen Zuversicht, bleibt die Lage weiter angespannt.