Messen: Interessante Wachstumschancen für KMU

Peter Bergleiter, Geschäftsführer IMAG GmbH. Foto: OWC

Wie hat sich das Messegeschäft im letzten Jahr nach den US-Sanktionen entwickelt?

Auch im Messegeschäft macht sich die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Situation, die sich durch die neuen US-Sanktionen zugespitzt hat, bemerkbar. Sie hat dazu geführt, dass einige Firmen ihre Iran-Aktivitäten derzeit auf Eis legen, um Risiken in ihrem US-Geschäft zu vermeiden. Trotzdem bleiben weiterhin internationale Aussteller am Ball und zeigen auf den Messen im Iran Präsenz. Bei der IranConMin im November beispielsweise waren die teilnehmenden internationalen Unternehmen sehr zufrieden mit der hohen Qualität der Besucherkontakte. Die Mehrheit unter ihnen plant schon jetzt eine erneute Messeteilnahme im kommenden Jahr. Außerdem konnten wir dort ein wachsendes Besucherinteresse aus den Nachbarländern des Irans beobachten. Daneben gibt es jedoch auch Länder wie China, die ihre Marktanteile im Iran konsequent weiter ausbauen, nicht erst seit der großen Seidenstraßeninitiative. Wir glauben daran, dass sich der Markt mittelfristig wieder erholen wird, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen stimmen. Dazu muss aber nicht zuletzt auch der Iran seinen Beitrag leisten.

Welche Bedeutung haben die Messen im Iran, um Geschäftskontakte zu knüpfen? 

Der persönliche Kontakt ist im Iran sehr wichtig, um Geschäftskontakte zu knüpfen und zu pflegen. Messen sind dafür natürlich eine hervorragende Plattform. Gerade in der derzeitigen Lage wissen es die Iraner sehr zu schätzen, wenn ausländische Unternehmen vor Ort weiterhin präsent sind. Messen dienen auch dazu, den Markt zu beobachten. Und vor allem für Neueinsteiger ins Iran-Geschäft ist es von großer Bedeutung, einen geeigneten lokalen Vertriebspartner zu finden, da die Präsenz im Land enorm wichtig ist.

Welche Chancen gibt es für die deutschen Aussteller trotz der aktuellen Situation?

Deutschland blickt auf eine lange Handelstradition mit dem Iran zurück und ist nach wie vor einer der wichtigsten Handelspartner. Nachdem sich einige größere Firmen aus dem Land zurückgezogen haben, bieten sich gerade für kleine und mittelständische Unternehmen interessante Wachstumschancen. Um ihnen den Schritt auf eine iranische Messe zu erleichtern, gibt es auf einigen Iran-Messen deutsche Gemeinschaftsstände, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert werden. Dies hat insbesondere aufgrund der aktuell erschwerten Zahlungsbedingungen und der Organisation vor Ort erhebliche Vorteile. Die Marke „Made in Germany“ hat im Iran schon immer große Zugkraft, da deutsche Produkte dort sehr geschätzt werden und für Qualität und Know-how stehen.

Was müssten die Aussteller im Hinblick auf Standbau und Marketing auf den Messen im Iran beachten?

Iraner legen viel Wert auf die Präsentation eines Unternehmens und gestalten ihre Stände gerne individuell und anspruchsvoll. Eine besondere lokale Vorgabe beim Standbau ist, dass alle Räumlichkeiten eines Messestands einsehbar sein müssen. Beim Marketing-Material kommt es gut an, wenn teilweise Unterlagen in Farsi zu Verfügung stehen. Ansonsten ist natürlich Englisch die Geschäftssprache im Iran. Dennoch können Aussteller punkten, wenn sie auch Farsi sprechendes Personal am Stand haben.

Sie führen in diesem Jahr wieder sieben Messen in Teheran durch. Zu welchen Sektoren gehören diese Messen?

Wir setzen im Iran auf eine langfristige Strategie und platzieren deshalb auch in schwierigen Zeiten neue Themen, wie etwa die IRAN LOGISTICS Anfang Februar, mit der wir erstmalig im iranischen Logistik-Sektor aktiv geworden sind. Unsere weiteren Iran-Messen 2019 bewegen sich in den Branchen Bau und Bergbau (IranConMin), Automotive (IAPEX), Umwelttechnologien (WATEX), Werkzeugmaschinen (IInEX) sowie Öl- und Gasindustrie (Iran Oil Show).

Peter Bergleiter
Geschäftsführer IMAG GmbH
peter.bergleiter@imag.de


Diese Beitrag ist im IranContact 01/2019 erschienen.

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