CIMC: Konzern mit „Händchen“ für Unternehmenskauf

Ein Blick auf chinesische Unternehmenskäufe in Deutschland zeigt: Nicht alle erregen so viel Aufsehen wie die Übernahme des Industrieroboter-Herstellers Kuka durch das chinesische Unternehmen Midea. Mittelgroße Unternehmen aus China sind seit Jahren in Deutschland auf Einkaufstour, so auch CIMC, Mischkonzern und Weltmarktführer in der Produktion von Seecontainern.

CIMC-Container sind überall auf der Welt im Einsatz. Mit einer Jahreskapazität von rund zwei Millionen Einheiten ist der chinesische Containerhersteller CIMC Weltmarktführer bei Containern. Foto: iStock © hxdyl
CIMC-Container sind überall auf der Welt im Einsatz. Mit einer Jahreskapazität von rund zwei Millionen Einheiten ist der chinesische Containerhersteller CIMC Weltmarktführer bei Containern. Foto: iStock © hxdyl

CIMC feiert im kommenden Jahr sein vierzigjähriges Bestehen. Einige deutsche Branchenexperten haben den Konzern schon lange auf dem Schirm, in der öffentlichen Wahrnehmung spielt er jedoch noch kaum eine Rolle. Durchaus erstaunlich, denn das Unternehmen mischt längst bei einer Reihe deutscher Mittelständler kräftig mit.

Mit einem Umsatz von 76,2 Milliarden Yuan (umgerechnet ca. 10,1 Mrd. EUR) übertrifft CIMC sogar bekannte deutsche Konzerne wie Schaeffler oder Bilfinger Berger. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Containern mit einer Jahreskapazität von rund zwei Millionen Einheiten. Zudem ist CIMC mit rund 100.000 Fahrzeugen der weltgrößte Hersteller von Sattelanhängern sowie weiterer Spezialfahrzeuge.

Der Sitz von CIMC in Shenzhen ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Als das Unternehmen am 14. Januar 1980 unter dem Namen China International Marine Containers Co., Ltd. gegründet wurde, war die heutige Millionenmetropole kaum mehr als ein großes Dorf. Die besonders vorteilhaften Bedingungen in der Sonderwirtschaftszone sowie die unmittelbare Nähe zu Hongkong und den Industriegebieten rund um die Städte Kanton, Donguan und Foshan ermöglichten dem Unternehmen über Jahre hinweg ein rasantes Wachstum. Im Dezember 1992 ging das Unternehmen an die Börse, 1995 erfolgte schließlich die Umbenennung in CIMC. Durch den Zukauf des niederländischen Nutzfahrzeugherstellers Burg, der unter anderem ein Werk in Polen besitzt, ist das chinesische Unternehmen auch in Osteuropa aktiv.

Retter für schwäbische Unternehmen

Ähnlich wie für viele andere chinesische Unternehmen spielt Deutschland für CIMC eine Hauptrolle im Europageschäft. 2012 hatte CIMC die Ziemann Holvrieka zur hundertprozentigen Tochtergesellschaft der niederländischen CIMC Enric Tank and Process B.V. (CETP) gemacht. Für den damals insolventen Hersteller von Brauereianlagen aus Ludwigsburg war es ein gutes Geschäft, denn es sicherte ihm den Zugang zu dem bis dahin noch weitgehend unerschlossenen chinesischen Markt. So ging der Aufkauf, ganz im Gegensatz zu anderen spektakulären Übernahmen still und leise über die Bühne. Das lag einerseits an der Unternehmensgröße – Midea ist mit 240,7 Milliarden Yuan Umsatz etwa dreimal so groß wie CIMC – aber auch am diplomatischen Geschick der CIMC-Geschäftsführung.

Ein Jahr später übernahm CIMC den Feuerwehrausrüster Ziegler aus Giengen an der Brenz für 55 Millionen Euro. Auch dieses Geschäft war für beide Seiten ein guter Deal: CIMC war von Anfang an der perfekte Partner für Ziegler, begründete Insolvenzverwalter Bruno Kübler Ende 2013 seine Entscheidung für das chinesische Unternehmen. „CIMC verfügte über langjährige Erfahrungen in der Herstellung von Spezialfahrzeugen, hatte letztlich die überzeugendste Lösung und bot den besten Kaufpreis.“ CIMC übernahm den Geschäftsbetrieb von Ziegler und allen zwölf deutschen und internationalen Tochtergesellschaften – und sicherte außerdem zu, alle knapp 1.000 Arbeitsplätze zu erhalten. Allen Unkenrufen zum Trotz waren sich beide Seiten auch beim neuen Firmennamen und Logo schnell einig. Zunächst wollten die Chinesen CIMC in das neue Firmenlogo mitaufnehmen. Doch schon bald ließen sie sich davon überzeugen, auf ihren Namen zu verzichten und stattdessen auf Albert Ziegler GmbH umzufirmieren, erinnert sich einer der damaligen Mitarbeiter.

Für die Belegschaft war CIMC ziemlich schnell der Wunschpartner, sagt Phillip Thompson, von 2011 bis 2015 Leiter des Bereichs Marketing und Kommunikation bei Ziegler. „Es ging CIMC nicht darum, Synergien zu suchen und Stellen abzubauen. CIMC sah in Ziegler von Anfang an eine Perle und wollte aus dem schwäbischen Mittelständler ein globales Kompetenzzentrum machen.“ Vor dem Kauf durch CIMC war China für Ziegler ein schwieriger Markt. Mit der Unterstützung durch die Chinesen und nach Einrichtung eines lokalen Kooperationsbüros gelang dem Unternehmen der Durchbruch im chinesischen Markt und der Aufstieg zum wichtigsten Hersteller von Feuerwehrautos weltweit.

Stephan Mayer

 

 

Stephan Mayer
ist Social-Media-Experte und Gründer der Agentur Sinophilia Consulting Ltd. Zusammen mit seinem deutsch-chinesischen Team unterstützt er deutsche Unternehmen beim Onlinemarketing.