IranContact 100 Forum: Wie geht es weiter?

MÜNCHEN. Das „IranContact 100 Forum“ in München, eine Fachtagung zur aktuellen Sonderausgabe von IranContact mit dem Titel „100 Fragen und 100 Antworten zum Iran-Geschäft“, bot am 18. März Unternehmern die Gelegenheit, sich über die Möglichkeiten, Hemmnisse und Herausforderungen der Geschäfte mit Iran, drei Jahre nach dem Atomabkommen, zu informieren und auszutauschen.

In seiner Einführung legte der Chefredakteur von IranContact, Amir Alizadeh, die kritische Lage der iranischen Wirtschaft nach dem Austritt der USA aus dem Atomabkommen dar. Er zeigte auf, dass die iranische Wirtschaft, nach der Wiederaufnahme der US-Sanktionen im Vorjahr, zum ersten Mal nach drei Jahren wieder geschrumpft ist, noch dazu mit einer hohen Inflation, und wieder auf eine „Stagflation“ zusteuert.

Anschließend beteiligten sich Dr. Alireza Azimzadeh, Managing Partner bei Persia Associates, Saeed Roshani, Vorstandsmitglied der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer, Anna Dimitrijevic, Projektleiterin „Iran-Horizonte“ beim Goethe-Institut, David Jalilvand, Politik- und Wirtschaftsberater von Orient Matters, und Peter Bergleiter, Geschäftsführer der IMAG GmbH, an einer Podiumsdiskussion. Die IMAG, eine Tochtergesellschaft der Messe München, wird auch in diesem Jahr Fachmessen im Iran organisieren.

„Krisenerprobt!“

Geschäfte sind vor allem mit den sogenannten „humanitären Gütern“ möglich, namentlich Lebensmittel, pharmazeutische Produkte und Medizintechnik. Aber auch der Wassersektor, Umwelttechnik, erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind „interessante Sektoren“ und im Einklang mit den US-Sanktionen. Bergleiter zählte noch die Bau- und Infrastrukturbranche und den Bergbau zu den Sektoren mit großem Potenzial auf, betonte aber zugleich die großen Herausforderungen im iranischen Markt und bezeichnete ihn als einen „Markt für Profis, die stress- und krisenerprobt sind“.

Großes Thema im Forum waren natürlich die US-Sekundärsanktionen. Aber auch die EU-Anti-Boykott-Regelung, die aus Sicht von Medien nur eine politische Bedeutung hat. Aus rechtlicher Sicht biete die Regelung aber den betroffenen Unternehmen eine Möglichkeit, sich vor den Folgen vor allem der US-Sekundärsanktionen zu schützen, und ihr Iran-Geschäft fortzusetzen, wenn ihre Anträge bei den EU- und US-Behörden erfolgreich sind.

Deutscher Mittelstand handelt „rational“

Deutsche Mittelständler haben nach den US-Sanktionen „rational“ gehandelt, meint Azimzadeh, der vor Ort europäische Firmen berät. Einige der Firmen haben ihre Gesellschaften auf „dormant“ (ruhend) gestellt, andere bearbeiten den Markt weiterhin über ihre lokalen Partner, die ohnehin im Iran-Geschäft notwendig sind, um die Herausforderungen händeln zu können. Eine gute Plattform für den Austausch mit Partnern bieten weiterhin die ca. 50 Messen in Iran. Auf zwölf Messen im Jahr 2019 gibt es deutsche Gemeinschaftsstände, die vom Bund geförderten „German Pavilions“. „Wir sind froh, dass das Bundeswirtschaftsministerium iranische Messen nicht aus seinem Auslandsmesseförderprogramm genommen hat“, sagte Bergleiter von IMAG.

 Zahlungsverkehr noch möglich?

Größtes Problem ist aber bekanntermaßen der Zahlungsverkehr. Nach den US-Sanktionen ist es noch schwieriger für Firmen geworden, ihre Zahlungen aus Iran zu erhalten, meinten die Teilnehmer.

Deutsche Banken weigern sich, Zahlungen aus Iran anzunehmen. Auch Überweisungen von den iranische Banken in Deutschland sind fast nicht möglich, obwohl sie eine Banklizenz in der Bundesrepublik haben. Seit November stehen diese Banken wieder auf US-Sanktionslisten. Trotzdem empfiehlt Saeid Roshani, Vorsitzender des Bankenausschusses bei der AHK Iran, den Firmen, mit diesen Banken immer in Kontakt zu bleiben und sie nach aktuellen Lösungen zu fragen. Auch Wechselstuben in Iran spielen wieder eine wichtige Rolle bei der Abwicklung von Zahlungen, meinten die Experten.

INSTEX: Der „große Wurf“?

Über die neu gegründete europäische Zweckgesellschaft „INSTEX“ wurde auch diskutiert. Das SPV, das als Tauschbörse agieren wird, soll erst einmal für die Zahlungsabwicklung von humanitären Gütern eingesetzt werden. Die machten aber im Jahr 2017 nur 15 Prozent der Exporte aus Europa nach Iran aus, sowie fünf Prozent der iranschen Ausfuhren in die EU, erinnert der Wirtschaftsexperte Jalilvand. Noch unklar ist, ob Iran Öl exportieren darf im Austausch zum Import von humanitären Gütern aus der EU. „Wirtschaftlich wird das nicht reichen, um Iran den großen Wurf zu bringen, den sich die Menschen und die Regierung erhofft hatten. Nichtsdestotrotz ist es ein wichtiger Prozess, der da auf den Weg gebracht wird“, meint Jalilvand. Im Raum stehe auch eine Öffnung von INSTEX über den humanitären Handel hinaus. Auch möglich ist, dass INSTEX geöffnet wird für Unternehmen aus Drittstaaten, was aus Sicht des Experten „Sinn machen würde, weil das Staaten sind, die mit Iran größeren Handel betreiben.“

Projekt Iran-Horizonte weiter gefördert

Abschließend kündigte Anna Dimitrijevic vom Goethe Institut an, dass das Projekt „Iran-Horizonte“ dieses Jahr vom Auswärtigem Amt zum fünften Mal in vier Jahren wieder gefördert wird, mit Unterstützung von BDI und DIHK. Ein Projekt, das iranischen jungen Fachkräften mit guten Deutschkenntnissen die Möglichkeit gibt, für zehn Wochen eine Hospitation bei einem Unternehmen in Deutschland zu machen. Ziel des Projektes sei, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Iran und Deutschland zu fördern, sagte die Projektleiterin. Gut ausgebildete Fachkräfte mit Deutschkenntnissen auf B2-Level zu finden, sei sehr einfach, sie wünsche sich aber, dass mehr deutsche Unternehmen dieses Projekt nutzten, um Verbindungen in der iranischen Wirtschaft aufzubauen und erste Eindrücke zu gewinnen.


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Mit all diesen Chancen und Hemmnissen rund ums Business in Iran haben wir uns in IranContact, wie bereits in den letzten drei Jahren, in der Sonderausgabe „100 Fragen und Antworten“ befasst.