AHK Russland: Mitgliederversammlung in schwierigem Umfeld

Am 20. März fand die jährliche Mitgliederversammlung der AHK Russland in Moskau statt. Trotz Sanktionen und verhaltener Zukunftsprognosen sahen die Teilnehmer gute Perspektiven im Russland-Geschäft, warnten aber auch vor Risiken.

Am 20. März fand die jährliche Mitgliederversammlung der AHK Russland in Moskau statt. Foto: OWC

Ein Schwerpunktthema der Mitgliederversammlung war die Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen in einem schwierigen politischen Umfeld. Rüdiger von Fritsch, Deutschlands Botschafter in Russland, plädierte in seiner Eröffnungsrede für die Fortführung eines Dialogs mit Russland und der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Damit die Vision von einem einheitlichen Wirtschafsraum von Lissabon bis Wladiwostok keine Vision bleibe, sei die Politik auf Initiativen aus der Wirtschaft angewiesen. Bottom-up sei der richtige Ansatz, wenn man Dinge verändern wolle, betonte von Fritsch.

Russland bleibt wichtiger Partner der deutschen Wirtschaft

Allen Herausforderungen zum Trotz bleibt Russland ein wichtiger Handelspartner für Deutschland und die EU. Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden Euro in die russische Wirtschaft investiert, ein Anstieg von mehr als 25 Prozent im Vergleich zu 2017. Auch der deutsch-russische Handel wuchs um 8,4 Prozent auf 62 Milliarden Euro. Langsam nähert er sich wieder an die Höchstmarke aus dem Jahr 2012 an (81 Milliarden Euro). Die jüngste Geschäftsklima-Umfrage der AHK und des Ost-Ausschuss – Osteuropavereins, die  unter deutschen Unternehmen in Russland durchgeführt wurde, bestätigt diesen Trend. Über 50 Prozent der befragten Firmen konnten ihren Umsatz steigern, jedes dritte Unternehmen plant 2019 weitere Investitionen.

Steigende Mitgliederzahlen der Russland-AHK

Die positive Entwicklung spiegelt sich für die AHK in steigenden Mitgliederzahlen wider, im vergangenen Jahr konnten 41 neue Mitglieder begrüßt werden – ein Zuwachs von sechs Prozent. Matthias Schepp war entsprechend erfreut: „Die AHK konnte ihre Position als mitgliederstärkster ausländischer Wirtschaftsverband in Russland weiter festigen“. Dennoch zeigte sich der AHK-Vorstandsvorsitzende beim Blick in die Zukunft nur verhalten optimistisch. Dies liegt unter anderem darin begründet, dass die Zahl deutscher Unternehmen in Russland weiter geschrumpft ist. Seit 2013 hat jedes vierte deutsche Unternehmen Russland verlassen. „Quantität ist wichtig, aber noch wichtiger ist Qualität“, fasst Schepp die Entwicklung zusammen.

Die Gründe für den Rückzug sind vielfältig. Eine wichtige Rolle spielt das zu wechselhafte Investitionsklima sowie die mangelnde Rechtssicherheit. Nicht zuletzt verunsichere der Fall um den Fondsmanager Calvey, der im Februar in Moskau aufgrund eines Betrugsvorwurfs verhaftet wurde, ausländische Investoren.

Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok zunehmend wichtiger

Im Rahmen der Mitgliederversammlung hat das Memorandum zur Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes von Lissabon bis Wladiwostok neue Unterstützer gewonnen. Drei Unternehmen – Gastgeber SAP CIS, Gasinformservice und Energoservice – unterschrieben die Forderungen für mehr Dialog zwischen der Europäischen Union und der EAWU. Matthias Schepp hob die wachsende Bedeutung der Initiative hervor: „In der letzten Geschäftsklima-Umfrage der AHK und des Ost-Ausschuss – Osteuropavereins gaben 72 Prozent der Befragten an, dass die EAWU für Geschäfte von Bedeutung ist.“ Dies sei auch ein Grund, warum die AHK Russland zusammen mit German Trade and Invest (GTAI) eine Internetplattform zu EAWU-Themen ins Leben gerufen habe, die ab sofort über wirtschaftliche Entwicklungen und Geschäftschancen in der EAWU informieren wird.

dk