Auslandsgeschäft: Erwartungssaldo erreicht Nullpunkt

BERLIN. Der Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezeichnet die Ergebnisse seiner jüngsten Umfrage zu Geschäftssituation und –perspektiven “Going International 2019”, die am 14. März veröffentlicht wurde, als „ernüchternd“.

Blick auf das Stadtzentrum von Chengdu: In der Hauptstadt der Provinz Sichuan haben sich rund 90 deutsche Unternehmen angesiedelt. Foto: iStock © caoyu36

Die Abkühlung der globalen Konjunktur macht sich bei den international agierenden deutschen Unternehmen bemerkbar. Handelsstreitigkeiten, Brexit und Unsicherheiten im Zusammenhang mit Sanktionen bremsen die Auslandsgeschäfte und trüben die Stimmung der exportorientierten deutschen Wirtschaft. Weltweit erwarten nur noch 15 Prozent der Betriebe eine Verbesserung ihrer Geschäfte. Genauso viele rechnen mit einer Verschlechterung. Damit erreicht der Erwartungssaldo aus Besser-und-Schlechter-Bewertungen einen Nullpunkt. Das ist der niedrigste Wert seit der Finanzkrise. Vor einem Jahr hatte der Erwartungssaldo immerhin noch plus 15 Prozentpunkte betragen, so der DIHK.

Die Ergebnisse für China und die Asien-Pazifik-Region sehen etwas freundlicher aus. Allerdings schätzen nur noch 23 Prozent der deutschen internationalen Unternehmen die kommenden zwölf Monate besser ein. 19 Prozent prognostizieren einen Rückgang ihrer Geschäfte in China. Damit rutscht der Erwartungssaldo der Unternehmen von 23 Punkten im Vorjahr auf nunmehr vier.

Chinas Wirtschaft wächst langsamer. Dazu kommen die negativen Auswirkungen des Handelskonfliktes mit den USA – Chinas wichtigstem Handelspartner –, die sich bei der exportorientierten chinesischen Wirtschaft bemerkbar machen. Aber auch inländische Faktoren wie der verhältnismäßig schwache Konsum und die schwache Investitionsentwicklung bremsen die Konjunktur. Die Wachstumsdynamik dürfte daher weiter nachlassen. Ob es zu einer Einigung in Sachen Zöllen mit den USA kommt bleibt abzuwarten. Ein Zueinanderfinden könnte jedoch zu Lasten Europas gehen, indem europäische Exporte nach China durch amerikanische ersetzt werden, so die Einschätzung des DIHK. Ein abermaliger Anstieg der US-Importzölle auf zahlreiche chinesische Produkte von derzeit zehn auf 25 Prozent würde die konjunkturelle Situation verschärfen.

In Japan hingegen blicken die Unternehmen mit einem Erwartungssaldo von 14 Punkten trotz eines geringen wirtschaftlichen Expansionstempos etwas optimistischer in die Zukunft. Positive Impulse erhoffen sich die Betriebe durch das frisch in Kraft getretene Handelsabkommen mit der EU.

In den weiteren Volkswirtschaften im Asien-Pazifik-Raum entwickelt sich die Wirtschaft überwiegend positiv. Der Abschluss der Handelsabkommen mit Singapur und Vietnam ist ein positives Signal für den Freihandel und birgt großes wirtschaftliches Potenzial. Dennoch zeigen die zunehmenden Handelsstreitigkeiten auch in dieser Weltregion ihre Wirkung. Auch dort verschlechtern sich die Erwartungen. Nach einem Saldo von 24 Punkten zu Beginn des vergangenen Jahres liegt dieser in der aktuellen Umfrage bei nur mehr zehn Punkten.

Für die bundesweite Umfrage „Going International 2019“ des DIHK hatten die Industrie- und Handelskammern im Februar 2.100 auslandsaktive Unternehmen mit Sitz in Deutschland befragt. Jeder zweite Betrieb berichtete von neuen Hemmnissen, mit denen man sich im Rahmen internationaler Geschäfte habe auseinandersetzen müssen. Dazu gehörten diskriminierende Zoll- und Sicherheitsvorschriften, Anforderungen für die Zulassung neuer Produkte, der erschwerte Zugang zu öffentlichen Aufträgen, Technologietransfers oder Zölle. Solche Handelsschranken erschweren Geschäfte durch höhere Kosten, längere Lieferzeiten oder verhindern diese sogar komplett, so der DIHK. Besonders von den Unternehmen aktuell genannte Wirtschaftsregionen sind Russland, die USA, Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas sowie die Türkei.