Russland setzt vermehrt auf Gold als Rücklage

In unsicheren Zeiten greifen Anleger gern zu Gold: Diese Grundregel der Finanzbranche gilt zunehmend auch für Russland. Die russische Zentralbank erhöht ihre Goldreserven seit Jahren kontinuierlich.

Die russische Zentralbank erhöht ihre Goldreserven seit Jahren kontinuierlich. Foto: iStock © IUshakovsky

Die russische Zentralbank veröffentlichte Anfang dieser Woche die neusten Zahlen zum Stand ihrer Gold- und Devisenreserven. Den Zahlen nach ist der Anteil von Gold an den Gesamtreserven Russlands auf 19 Prozent gewachsen und hat mit knapp 92 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekordwert erreicht. Im letzten Jahrzehnt nahmen die russischen Goldreserven jährlich zu. Zu Beginn des Jahres 2010 lag der Goldanteil nur bei etwas mehr als 5 Prozent.

 Goldkauf ist globaler Trend

Mit der kontinuierlichen Erhöhung folgt Russland einem globalen Trend. 2018 wurde weltweit so viel Gold gekauft wie seit 50 Jahren nicht mehr. Die Goldbestände der Zentralbanken sind um mehr als 651 Tonnen gewachsen, wie der World Gold Council (WGC) Anfang 2019 berichtete. Die gesamte Nachfrage stieg 2018 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 4.345 Tonnen. Dies ist gleichbedeutend mit dem höchsten Anstieg seit dem Ende der Goldpreisbindung des US-Dollars im Jahr 1971.

 Russland löst sich vom Dollar

Warum Russland auf Gold als Rücklage setzt, ist nachvollziehbar. Der Goldkurs erlebt zwar durchaus Schwankungen, verliert aber über einen längeren Zeitraum kaum an Wert. In Zeiten von westlichen Sanktionen und unsicheren Finanzmärkten will die russische Regierung eine Konzentration von Währungsrisiken in US-Dollar vermeiden. Ins Konzept der sogenannten „De-Dollarisierung“ passt auch, dass Moskau mit anderen Staaten die Verwendung der Landeswährungen bei der Abwicklung von Handelsgeschäften verhandelt. Unter anderem wurde Mitte März  publik, dass die Gazprom-Tochtergesellschaft Gazprom Export erstmals Erdgas zu einem in Rubel festgelegten Preis an ein nicht näher genanntes Unternehmen in der EU verkauft hat. In Zukunft will Gazprom mehr Gasverkäufe in der russischen Währung abwickeln, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren.

Noch ist der US-Dollar das Maß der globalen Finanzen. Die strukturelle Ausrichtung der russischen Wirtschaft auf Öl- und Gasverkäufe, die gut 40 Prozent der Haushaltseinnahmen ausmachen und in Dollar abgewickelt werden, gestalten eine schnelle Abkehr vom US-Dollar als schwierig. Auch ist das Vertrauen in den Rubel nach großen Schwankungen in den vergangenen Jahren angeknackst. Dennoch wird die Abhängigkeit der russischen Wirtschaft vom Dollar abnehmen. Wie schnell, bleibt offen.

dk