„Der Mittelstand würde hier sehr schnell loslegen!“

Thomas Schleife, Geschäftsführer beim Logistikunternehmen Transco Iran GmbH, spricht im Interview mit IranContact über die Herausforderungen der Branche im Iran-Geschäft unter US-Sanktionen.

Hinsichtlich inneriranischer Transporte und Lagerlogistik gibt es riesigen Nachholbedarf / Foto: iStock © fotokon

Wie wurde der Logistiksektor von den US-Sanktionen beeinflusst?

Es sind zwei wesentliche Veränderungen festzustellen: Zum einen hat sich das zu transportierende Volumen spürbar verringert, zum anderen haben sich viele Anbieter in allen Bereichen zurückgezogen. Das trifft für den Lkw-Verkehr, die Luftfracht und den Seeverkehr zu. Es gibt noch keine Engpässe, aber schon Einschränkungen. Zum Beispiel im Sammelverkehr gibt es nicht mehr so viele Abfahrten und die Laufzeiten verlängern sich etwas. Dafür haben sich die Grenzabfertigungen verkürzt und die Transitzeit für die Lkw ist kürzer geworden.

Wie hat sich der Warenverkehr mit dem Iran seitdem entwickelt?

Das hängt aktuell auch von den Produkten ab. In den Bereichen Pharma und Medizintechnik läuft das Geschäft noch relativ stabil. Das ist unser Geschäftsbereich und hier sind wir aktiv. In anderen Bereichen hören wir von nur noch 20 Prozent der sonst üblichen Mengen.

Welche Veränderungen gab es im Transportsektor im letzten Jahr?

Bis Sommer 2018 lief es wie die zwei Jahre zuvor. Anfragen über Anfragen und ein sehr starkes Aufkommen. Ab Spätsommer war ein erster Rückgang zu bemerken. Der Pharmasektor ist ja von den Sanktionen nicht betroffen. Aber auch der Export von Medikamenten gestaltet sich schwierig.

Sind die Volumina der Transporte zurückgegangen?

Transportmengenreduzierung gibt es auch bei Medikamenten und Medizintechnik. Aber es gibt zwei Tendenzen. Europa und der Iran bemühen sich in diesem Bereich aktiv um Lösungen. Da ist man aber erst am Anfang. Außerdem agiert die iranische Seite sehr streng bei den Importen. Wir alle hatten erwartet und erhofft, dass es einen Bürokratieabbau gibt.

Wie sehen Sie die Entwicklung im neuen Jahr?

Noch sehr schwierig und umständlich. Solange es keine konkret funktionierenden und offiziellen Mechanismen für den Geldtransfer gibt, bleibt das auch so. Mit einem echten Mechanismus würden die Geschäfte in den vorgenannten Bereichen sehr schnell anlaufen. Der Mittelstand in Europa würde hier sehr schnell  loslegen. Wenn die europäische Politik ihren Worten auch Taten folgen lässt, ergibt sich sofort eine neue Situation.

Welches sind  zurzeit die wichtigsten Transportmittel?

Im Massengeschäft wohl immer noch der Seecontainer. Aber Lkw und Luftfracht spielen weiterhin eine wichtige Rolle.

Wie gut ist die Logistikinfrastruktur im Iran?

Dafür sollten wir erstmal den Begriff Logistik und was dazu gehört definieren. Nehmen wir Lagerlogistik und Transport als Komplex, dann ist die Logistiksituation sehr differenziert zu betrachten. Internationale Transporte und Equipment werden von den internationalen Bedingungen und Anforderungen bestimmt. Da hat sich in den letzten Jahren einiges entwickelt und es gibt entwicklungsfähige Ansätze. Aber hinsichtlich inneriranischer Transporte und Lagerlogistik gibt es riesigen Nachholbedarf. Das wird noch zu wenig als Teil der Wertschöpfungskette und echter Kostenfaktor gesehen. Aktuell hat der Iran auch andere Probleme. Das muss aber hinsichtlich Umweltanforderungen, Kosten und Effizienz unbedingt angegangen werden. Hier liegt ein riesiges „Spielfeld“, das es zu bearbeiten gibt. Das macht sicherlich viel Spaß.

Welches sind die wichtigsten Drehkreuze für den Frachtverkehr im Iran?

Im Lkw-Verkehr kommt die Masse über Teheran ins Land. Die Möglichkeit, direkt zum Endempfänger durchzufahren, wäre ein riesiger Gewinn, besonders für den Iran. Der Luftverkehr wird ebenfalls über Teheran realisiert. Spannend hier wird die Frage, welche Airline noch Luftfracht in den Iran bringt. Die Turkish Airlines hatte eine starke Position im Markt Iran, ist aber ausgestiegen. Damit entwickeln sich neue Lieferströme. Es bleibt spannend, und man muss den Markt ständig beobachten.