Wieder Direktflüge Kiew-Moskau?

Die Ukraine und Russland haben ihre Lufträume für Airlines des jeweiligen anderen Landes 2015 gesperrt. Gibt es Hoffnung auf eine Aufhebung?

Die Ukraine und Russland haben ihre Lufträume für Airlines des jeweiligen anderen Landes 2015 gesperrt. Gibt es Hoffnung auf eine Aufhebung? Foto: OWC

Als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am 21. Februar in Berlin auf der Russland-Konferenz der Deutsch-Russischen AHK in Berlin zu mehr Annäherung aufrief, hatte er, der seine Russland- und Ukraine-Reise 2018 miteinander verbunden hatte, sicherlich auch die ukrainisch-russische Annäherung im Sinn. Der vorliegende Aufmacher von Russland aktuell ist weder in Karnevalsstimmung geschrieben, noch sollte er am 1. April erscheinen. Und trotzdem müssen wir eingestehen, dass die Überschrift irreführend ist: Denn die gegenseitigen Sperrungen des Luftraums der Ukraine und Russlands für Airlines des jeweils anderen Staates werden in nächster Zeit wohl nicht aufgehoben. Dabei verlieren beide Seiten.

Öffentlich: nein, privat: ja

Vor wenigen Tagen standen am Frankfurter Flughafen ein Flugzeug der russischen Aeroflot friedlich neben einem der Ukraine International Airlines (Video unten).

Beim Boarding in die Aeroflot-Maschine gingen mir die Worte des Bundeswirtschaftsministers durch den Kopf. Auch die Aussage eines ukrainischen Verbandsvertreters fiel mir ein, der in einem Hintergrundgespräch sagte, die Ukraine sei auf mehr Handel mit Russland und Kasachstan angewiesen. Nur auf den Ausbau der Handelsbeziehungen mit der EU zu setzen, sei für sein Land viel zu riskant.

Als die Ukraine im Jahr 2015 ihren Luftraum für russische Airlines schloss, zielte sie darauf ab, Geschäftsbeziehungen einzuschränken und den Handel zu drosseln. Russland zog wenige Tage später nach und schloss nach dem Spiegelprinzip ebenfalls den Luftraum für ukrainische Airlines. Profiteur war und ist Belarus. Minsk wurde zum Umsteigehub für Passagiere zwischen der Ukraine und Russland, die trotz der Sperrungen weiter zwischen den Ländern reisen.

Genau in Belarus, und zwar in der Hauptstadt Minsk, saß ich vor knapp einem Jahr auf einer Paneldiskussion zwischen einem ukrainischen und einem russischen Vertreter. Ich schlug beiden vor, uns bei der Paneldiskussion gemeinsam für eine Auflösung der gegenseitigen Sperrung des Luftraumes einzusetzen und auch Russland dazu aufzufordern, den Transit aus der Ukraine nach Kasachstan vollumfänglich zu gewährleisten. Beide Vertreter sträubten sich dagegen. Im Anschluss an die Diskussion versicherten mir beide Podiumsteilnehmer jedoch, sie persönlich würden das ja unterstützen, könnten dies aber nicht öffentlich sagen.

Russland bleibt wichtiger Handelspartner

Trotz der gegenseitigen Einschränkungen hat sich der Handel zwischen der Ukraine und Russlands in den vergangenen beiden Jahren positiv entwickelt, und zwar mit Steigerungsraten von 4,6 Prozent in 2017 und 16,4 Prozent in 2018 gegenüber dem Vorjahr. Damit ist Russland weiter Handelspartner Nummer eins für die Ukraine mit einem Wert von 15 Milliarden Euro in 2018. Die EU konnte ihren Handel mit der Ukraine 2018 um 7,7 Prozent steigern, liegt aber mit 8,1 Milliarden Euro hinter dem Handel mit Russland.

 

 

 

 

Ulf Schneider
Geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber
OWC-Verlag