Wachstum lockt Opel zurück nach Russland

Um langfristig profitabel zu sein, will Opel wieder Autos in Russland verkaufen. Der deutsche Autobauer hatte sich 2015 – damals noch unter Führung von General Motors – wegen einer Absatzkrise aus Russland zurückgezogen.

Mit der Übernahme durch PSA ist der osteuropäische Markt wieder stärker in den Fokus von Opel gerückt. 2018 kehrten die Rüsselsheimer bereits in die Ukraine zurück. Zusammen mit den Verkäufen dort erhofft sich der Autobauer bis 2021 eine Verdreifachung des Absatzes in Eurasien. Russland sei laut Yannick Bézard, PSA-Vizepräsident und Direktor für Eurasien, ein großer und attraktiver Markt mit großem Potenzial, in dem die deutsche Marke einen ausgezeichneten Ruf erworben habe.

Mix aus lokaler Produktion und Import

Auf den russischen Markt kehren die Rüsselsheimer ausschließlich mit neuen Modellen zurück. „Wir werden dort ausschließlich Fahrzeuge anbieten, die bereits auf PSA-Plattformen stehen“, sagte Vorstandschef Michael Lohscheller am 26. Februar der Nachrichtenagentur dpa. Die noch unter der früheren Konzernmutter General Motors entwickelten Modelle wie Astra oder Mokka sollen hingegen nicht angeboten werden. Lohscheller kündigte einen Mix aus lokaler Produktion im PSA-Werk Kaluga und Importen an. Das Werk in Kaluga ist momentan nicht ausgelastet und könnte bei Bedarf erweitert werden.

In den russischen Medien wurde Opels Rückkehr größtenteils positiv aufgenommen, aber es gibt auch kritische Stimmen. Marktkenner verweisen auf die starke Position der Konkurrenten aus Asien und verlorengegangenem Vertrauen. Opel habe zwar ein wettbewerbsfähiges Produkt, aber um auf dem russischen Markt erfolgreich zu sein und Marktanteile zurückzugewinnen, sei es notwendig, eine aggressive Preispolitik, ernsthafte Investitionen in Marketing und Entwicklung des Händlernetzes vorzunehmen.

Deutsche Autobauer planen Kapazitätsausbau

Die Voraussetzungen für eine Rückkehr scheinen günstig zu sein. Nach Jahren der Krise hat die russische Automobilindustrie im vergangenen Jahr ein starkes Comeback gefeiert (knapp 14% mehr Verkäufe) und auch für die nächsten Jahre werden moderate Zuwächse um die fünf Prozent erwartet. Die russische Regierung hat für 2019 bis zu 1,4 Milliarden Euro Subventionen für die Automobilindustrie zugesagt. Gleichzeitig verschärft Russland jedoch die Anforderungen an ausländische Hersteller. In Zukunft können nur noch die Hersteller mit staatlicher Unterstützung rechnen, die ihren Lokalisierungsgrad stark erhöhen. Dieses Ziel soll unter anderem mithilfe individueller Sonderinvestitionsverträge erreicht werden. Neben Opel planen auch BMW, VW und Daimler einen großflächigen Ausbau ihrer Kapazitäten in Russland.

Vom Russland-Geschäft könnten auch die deutschen Opel-Standorte in Eisenach, Rüsselsheim und Kaiserslautern profitieren, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research in Duisburg. Opel müsse sich aber in erster Linie auf den europäischen Markt konzentrieren. Der russische Markt sei etwa so groß wie der deutsche Markt und dort tummelten sich noch weitere Autohersteller, sagt der Experte. Es bleibt abzuwarten, wie Opel diese Herausforderungen meistert.

dk