Iran verdoppelt seine Kapazitäten bei den erneuerbaren Energien

Irans Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien haben die 1.000-MW-Leistung erreicht. Damit hat das Land im laufenden iranischen Kalenderjahr mit 100 größeren Anlagen seine Leistung in diesem Bereich verdoppelt.

42 Prozent  der erzeugten Energie stammen dabei aus Solaranlagen, 41 Prozent aus Windkraftwerken, 13 Prozent liefern hydroelektrische Kraftwerke, ergänzt durch je zwei Prozent aus „Waste to Energy“-Projekten und aus Biomasse, vermeldete die iranische Nachrichtenagentur ISNA.

Das Potenzial der erneuerbaren Energien in Iran ist groß. Energieminister Ardakian sprach kürzlich von 30.000 MW Potenzial an Windenergie. Groß ist aber auch der Energiehunger Irans: In den nächsten 25 Jahren wird eine Verdreifachung des Energiebedarfs erwartet. Erneuerbare Energien sollen dem Land helfen, seine Abhängigkeit von fossilen Energiequellen zu vermindern, was Kosten spart und Iran ermöglicht, mehr seines größten Schatzes, der Ölreserven, zu exportieren. Zudem werden Treibhausgase und Luftverschmutzung reduziert. Mit Wind- und Solaranlagen können die großen trockenen und halbtrockenen Ebenen des Landes wirtschaftlich genutzt werden. Interessant ist aus wirtschaftlicher Sicht auch die relative Kostenstabilität des Sektors im Vergleich zum schwankenden Rohölmarkt.

Bei der Bewältigung einiger der drängendsten Umweltprobleme Irans, der Wasserkrise und der Luftverschmutzung, sind die erneuerbaren Energien hilfreich: Mehr als 600 Mio. Liter Wasser wurden laut Energieministerium in den letzten zehn Jahren durch den Einsatz erneuerbarer Energien eingespart und 781 Mio. Kubikmeter weniger fossile Brennstoffe, Hauptursache der Luftverschmutzung, verbrannt.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat einen Schub erhalten, nachdem die Regierung Rouhani im Jahr 2016 gezielt den privatwirtschaftlichen Sektor aufgefordert hat, in diesem Bereich zu investieren. Seither ist die Kapazität um 70 Prozent gestiegen. Mit staatlichen Abnahme- und Preisgarantien wurden Anreize für Investoren geschaffen, die auch für ausländische Anleger interessant sind. Die Abhängigkeit von Importen bei der benötigten Ausrüstung sinkt, inzwischen werden 85 Prozent des Equipments im Land selbst produziert, berichtete der Leiter der für den Ausbau zuständigen Organisation SATBA. Allein fünf Produzenten von Photovoltaik-Paneelen gibt es mittlerweile in Iran. Dadurch sind die Kosten für die Produktion „grüner“ Energien um das 2,5-Fache innerhalb von zwei Jahren gesunken. Dass sich der Ausbau dieses aus umweltpolitischer und wirtschaftlicher Sicht so bedeutenden Sektors mit der Einbeziehung des Privatsektors zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt, kann ein Vorbild für andere Bereiche der iranischen Wirtschaft sein. Diese befindet sich bislang zum größten Teil in staatlicher und quasi-staatlicher Hand. Ein „Think-Tank“ des iranischen Industrieministeriums hat kürzlich bemängelt, dass der Anteil des industriellen Sektors am BIP Irans trotz Produktionssteigerungen zurückgeht. Das ist neben Währungsschwankungen und Handelshindernissen darauf zurückzuführen, dass Iran zu sehr auf seinen Rohstoffsektor gesetzt und die Entwicklung von komplexen, auf dem Weltmarkt konkurrenzfähigen Produkten vernachlässigt hat. Iran benötigt eine neue Strategie zur industriellen Entwicklung, so das Fazit des „Think-Tanks“.

Das Ziel Irans ist, bis zum Jahr 2022 den Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix des Landes von jetzt ein Prozent auf fünf Prozent zu erhöhen. Auf der Pariser Klimakonferenz im Jahr 2015 hat das Land zugesagt, bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts eine Kapazität an sauberer Energie von 7.500 MW zu erreichen.

Dawood Nazirizadeh
Iran Wirtschaft Experte, offizielle Kontaktstelle des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium für Iran