Moody’s beflügelt Russland

Die Ratingagentur Moody’s hat Russlands Bewertung angehoben. Das Land gilt trotz der Sanktionssituation als stabil. Investitionen dürfte das Upgrade jedoch nicht beflügeln, wohl aber die Staatsfinanzen.

Gelegenheit für Investitionen günstig: Russlands Kreditwürdigkeit steigt / eigene Darstellung

Nachdem die Ratingagentur Moody’s vor wenigen Tagen die Bewertung Russlands auf „Baa3“ angehoben hat, ist Russland bei allen drei großen Agenturen (Moody’s, S&P, Fitch) mit „Investment Grade“ geführt. Moody’s hatte Russland 2014 vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen auf spekulativ heruntergestuft. Auch zwölf russische Firmen wurden besser bewertet, darunter Gazprom, Lukoil, Severstal und RZD. Das Upgrade der Corporates erfolgte einige Tage nach der Höherstufung des Staates auf die unterste Stufe des Investment-Grades.

Russland stabil trotz Sanktionen

Bemerkenswert ist die Höherstufung sowohl der Staatsanleihen als auch der Corporates, da die Herabstufung 2014 in Zusammenhang mit den Sanktionen gegen Russland erfolgte. Das Risiko weiterer Sanktionen – zumindest US-amerikanischer – ist nicht gesunken, im Gegenteil, weitere Strafmaßnahmen der US-Regierung werden immer konkreter. Als Gründe für die neue Bewertung nennt Moody’s die stabilen Staatsfinanzen und die aktuelle Budgetsituation. Russland sei damit unabhängiger von potenziellen weiteren Sanktionen gegen das Land. Gegenüber China ist Russland zwar etwas niedriger bewertet, steht aber etwa im Vergleich zu Brasilien besser da.

Einfluss auf Investitionen begrenzt

Auch wenn die Höherstufung auf Investment Grade psychologisch von Bedeutung ist, sollte nicht erwartet werden, dass mehr Investitionen nach Russland fließen. Institutionellen Investoren stehen die politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen weiter im Wege, während private Investoren bei Lokalisierungsprojekten eher auf die Konsumenten- oder Investitionsnachfrage schauen, die durch das höhere Rating nicht direkt angekurbelt werden. Langfristig sollten sich die gesunden Staatsfinanzen allerdings positiv auf Investitionen auswirken, insbesondere wenn die russische Regierung bei Infrastrukturvorhaben ihre im Herbst 2018 angekündigten Projekte auch tatsächlich umsetzen sollte.

Staatsfinanzen weiter sehr solide

Die Entscheidung von Moody’s wird gewisse positive Auswirkungen auf die Staatsfinanzen haben, da die sowieso geringe Zinslast der russischen Regierung weiter sinken wird. Für Zinszahlungen wendet die russische Regierung aktuell knapp fünf Prozent des Gesamtbudgets auf (zum Vergleich, im deutschen Bundeshaushalt sind dies trotz Rekordniedrigzins ebenfalls 5%). Für 2019 ist ein Haushaltsüberschuss von 1,8 Prozent des Budgets geplant. Vor dem Verfall des Ölpreises lagen die russischen Währungsreserven bei 486 Milliarden US-Dollar (Ende 2012), sind dann auf 319 Milliarden Dollar gefallen und haben sich inzwischen auf 386 Milliarden Dollar erholt, wobei heute ein deutlich niedrigerer Teil (nur noch rund 10%) in Dollar gehalten wird.

 

 

 

 

Ulf Schneider
Geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber
OWC-Verlag