Auch Kohleausstieg hat Einfluss auf Russland-Handel

Für Russland ist Deutschland nicht nur als Gasabnehmer attraktiv, sondern auch für den Export von Steinkohle. Der deutsche Kohleausstieg dürfte deshalb zu einer Verschiebung der internationalen Handelsstruktur des Landes führen.

Für Russland ist Deutschland nicht nur als Gasabnehmer attraktiv, sondern auch für den Export von Steinkohle. Foto: iStock © stroblowski

Während Nord Stream 2 und die Frage der Energieabhängigkeit Deutschlands von Russland intensiv diskutiert wird, wird vergessen, wie abhängig auch Russland von Deutschland und Europa als Gasabnehmer ist, erst recht wegen der neuen Pipeline durch die Ostsee. Doch noch weniger wird wahrgenommen, welche Auswirkungen der deutsche Kohleausstieg auf den russisch-deutschen Handel hat. Knapp 40 Prozent der in Deutschland verfeuerten Kohle stammt aus Russland. Diese Lieferungen werden mit dem Kohleausstieg bis 2030 praktisch auf Null gefahren.

Russland größter Steinkohle-Lieferant

Erst vor Kurzem wurde die letzte deutsche Steinkohlezeche stillgelegt. Dennoch kommen 22 Prozent des deutschen Stromverbrauches weiter aus der Verstromung von Kohle, davon halten sich Steinkohle und Braunkohle die Waage. Während Braunkohle in Deutschland gewonnen wird, ist man bei der Steinkohle nun komplett auf Importe angewiesen. Mit Abstand größter Lieferant ist hier traditionell Russland, gefolgt von den USA, die jedoch weniger als die Hälfte – verglichen mit Russland – liefern.

Mit dem deutschen Kohleausstieg würde Russland etwa zwei Milliarden Euro aufgrund wegfallender Lieferungen verlieren. Die neue Gaspipeline Nord Stream 2 bringt dem Land nach derzeitigen Preisen fast 5 Milliarden Euro, wovon jedoch bis zu 80 Prozent voraussichtlich in andere EU-Länder gehen werden.

Der Ausstieg Deutschlands aus der Kohle hat bereits 2018 begonnen. Im letzten Jahr wurden 13 Prozent weniger Kohle nach Deutschland importiert als noch 2017.

Russland ändert weiter internationale Handelsstruktur

Grund für Russland sich umzuorientieren. Trotz bereits geringerer Exporte nach Deutschland hat das Land seine Steinkohleexporte 2018 um sechs Prozent gegenüber 2017 gesteigert, unter anderem nach China und Südkorea. Es findet also eine weitere Verschiebung der Handelsbeziehungen statt.

Diese Veränderung der Handelsstruktur treibt Russland auch in anderen Bereichen aktiv voran. Kürzlich unterzeichnete das Land mit Indien und weiteren Staaten eine Vereinbarung zur Förderung eines Nord-Süd Handelskorridors. Mehr darüber lesen Sie in unserem Newsletter IranAktuell, den Sie hier finden.

 

 

 

 

Ulf Schneider
Geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber
OWC-Verlag