Person der Woche: George Soros

George Soros. Foto: Copyright by World Economic Forum – swiss-image.ch/Photo Mirko Ries – Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0 – Quelle: Flickr
  • Soros gilt als Star der Investment-Szene.
  • Berühmt wurde er, als er durch Spekulationen gegen das Britische Pfund den „Schwarzen Mittwoch“ auslöste.
  • Der Hedgefonds-Manager setzt sich seit Jahren für liberale Gesellschaften in Mittel- und Osteuropa ein.

1936 als Sohn ungarischer Juden geboren, studierte Soros nach Ende des Zweiten Weltkriegs an der London School of Economics Philosophie, unter anderem beim renommierten Philosophen Karl Popper. Dessen Ansichten zur „Offenen Gesellschaft“ beeinflussen ihn bis heute. Nach seinem Studium zog es Soros in die USA, wo er Hedgefonds-Manager wurde und 1969 den Quantum Fonds gründete. Berühmt wurde Soros 1992, als er durch Spekulationen gegen das Britische Pfund den „Schwarzen Mittwoch“ auslöste: Die Britische Notenbank wurde dazu gezwungen, die zuvor verfolgte Politik fester Wechselkurse aufzugeben, das Pfund abzuwerten und aus dem Europäischen Währungssystem auszusteigen. Das brachte Soros und seinem Hedgefonds innerhalb von einer Woche einen Gewinn von rund einer Milliarde US-Dollar ein.

Inzwischen hat Soros einen Großteil seines Vermögens an seine Stiftung Open Society Foundations übertragen, die sich für die Förderung offener Gesellschaften einsetzt, insbesondere in Mittel- und Osteuropa. Ziele der Aktivitäten sind unter anderem die Förderung der Pressefreiheit, der Schutz der Menschenrechte sowie die Förderung wirtschaftsliberaler und sozialer Reformen in diesen Ländern.

Damit hat sich Soros nicht nur Freunde gemacht: Vor allem in Russland und in seinem Geburtsland Ungarn steht er zurzeit heftig in der Kritik: So kritisiert die russische Regierung, dass sich Soros schon früh die Euromaidan-Bewegung in der Ukraine einsetze und dabei auch Gruppen unterstützte, die nicht nur friedlich u einen Machtwechsel in der Ukraine herbeiführen wollten. Seit Ende 2015 ist die Open Society Foundation in Russland als „unerwünschte Organisation“ eingestuft und darf somit weder politisch noch finanziell tätig werden. Auch in Ungarn sind die Aktivitäten der Stiftung massiv eingeschränkt. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr der erzwungene Umzug der von Soros gegründeten Central European University von Budapest nach Wien. Dieser war nötig geworden, nachdem die ungarische Regierung die Wissenschaftsfreiheit im Land massiv eingeschränkt hatte, wobei der Anschein entstand, dass sich Ministerpräsident Orbán gezielt der Einrichtung seines Kritikers Soros entledigen wollte. Auch die europaweiten Proteste dagegen – allein in Budapest gingen 60.000 Menschen auf die Straße – konnten die Schließung der Universität in Budapest nicht verhindern, verschafften ihr jedoch große Aufmerksamkeit in Europa.

Auch mit seinen heute 88 Jahren legt Soros weiterhin aktiv seinen Finger überall dort in die Wunde, wo er die Freiheit und Offenheit von Gesellschaften in Gefahr sieht. Dass er in dieser Hinsicht zurzeit besonders besorgt nach China sieht, machte er bei seinem diesjährigen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos mehr als deutlich: Insbesondere das in Entwicklung befindliche Sozialpunktesystem stellten, so Soros, alle Dystopien Orwells in den Schatten. Ein System, das Menschen nach Algorithmen bewertet, ordne den Einzelnen in nie dagewesenem Ausmaß der Staatsgewalt unter. Bereits 2017 hatte Soros vor der Verbindung von Staatsgewalt und Big-Data gewarnt, damals jedoch noch in Bezug auf US-amerikanische Tech-Konzerne wie Google oder Facebook. Nun seien es chinesische Unternehmen wie Alibaba oder Tencent, die autoritären Systemen mit Künstlicher Intelligenz einen Vorteil gegenüber offenen Gesellschaften verschafften und diese somit existenziell gefährdeten.


AUSSAGEN:

  • Länder Mittel- und Osteuropas sollen sich sozial und wirtschaftlich reformieren und zu offenen Gesellschaften entwickeln.
  • Auch für die Pressefreiheit, Menschenrechte und Bildung setzt sich Soros ein.
  • Soros fordert eine Deregulierung und eine Stärkung des Individuums.

Über China:

„Xi Jinping ist der größte Feind der offenen Gesellschaft.“ (2019)

„Das chinesische Sozialpunktesystem ist beängstigend und abscheulich.“ (2019)

Über seinen wirtschaftlichen Erfolg:

„Für andere ist es eine Quelle von Scham, sich zu irren. Für mich ist es eine Quelle von Stolz, meine Fehler zu erkennen. […] Ich bin nur reich, weil ich merke, wenn ich falsch liege.“ (1995)

Über sein Engagement als Philanthrop:

„Ich habe das Gefühl, dass ich als selbständiger Wohlhabender in einer besseren Position bin als viele andere Menschen, die sich vielleicht genauso fühlen, aber sagen wir, sie führen eine Aktiengesellschaft, und sie wollen nicht die Hälfte ihrer Kunden verärgern. Ich bin selbstständig wohlhabend, und ich habe die Freiheit, die sie nicht haben.“ (2018)

„Ich würde sagen, dass ich mehr in die Staatsangelegenheiten der Sowjetunion verwickelt war, als ich es je in die Staatsangelegenheiten der USA war.“ (2018)

„Es macht einen großen Unterschied, wie weit unsere Überzeugungen von der Realität entfernt sind. Und ich möchte die Kluft zwischen meinem Glauben und der Realität verringern.“ (2018)

Über die Ordnung der Welt:

„Mein Hauptanliegen ist die Weltordnung.“ (2006)

„Der größte Teil der Armut und des Elends in der Welt ist auf schlechte Regierung, mangelnde Demokratie, schwache Staaten, interne Konflikte und so weiter zurückzuführen.“ (2004)

„Die Weltordnung muss grundlegend überarbeitet werden.“ (1995)

„Gegenwärtig bevormunden die entwickelten Länder die Entwicklungsländer.“ (1995)

Über die Schwierigkeiten seiner Stiftung in manchen Ländern:

„Ich bin stolz auf meine Feinde. Wenn ich mir die Feinde ansehe, die ich auf der ganzen Welt habe, muss ich etwas richtig machen.“ (2018)


ANSICHTEN:

  • Viele Kritiker halten sein Engagement für zu politisch und ihn für zu einflussreich.
  • An seinem Talent als Investor zweifelt niemand.
  • Die positiven Effekte seines Engagements gehen oft unter.

„George Soros ist für viele heutzutage der perfekte Bösewicht, weil er ein Internationalist in nationalistischen Zeiten ist.“

Gideon Rachman, Journalist bei Financial Times (2017)

„George Soros hat Nazi-Deutschland überlebt. Er weiß, was es bedeutet in einer unfreien Gesellschaft zu leben. Er hat eine klare Haltung und versucht diese nicht zu verstecken.“

Eileen Heisman, Leiterin des National Philanthropic Trust (2017)

„George Soros ist der Teufel, aber er ist brillant.“

Stephen Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Trump und Chef des rechtspopulistischen Nachrichtenmagazins Breitbart News (2018)

„Es sei kein Zufall, dass ausgerechnet in vielen der Länder, denen Soros mit seinen Stiftungen zu mehr Demokratie verhelfen wollte, heute Regierungschefs mit autokratischen Tendenzen an der Macht sind. Soros’ Ideen haben bei der Bevölkerung nie richtig Fuß gefasst.“

Leonid Bershidsky, Journalist für Bloomberg (2017)