Russland-China-Handel knackt Marke von 100 Mrd. USD

Der Warenaustausch zwischen Russland und China nimmt weiter rasant zu und soll das auch in Zukunft tun. Deutsche Exporteure müssen auf der Hut bleiben, um ihre Top-Stellung nicht an das Land der Mitte zu verlieren.

Der Warenaustausch zwischen Russland und China nimmt weiter rasant zu. Foto: kremlin.ru

Der russisch-chinesische Handel hat 2018 eine neue Höchstmarke erreicht. Mit Einfuhren nach Russland von 48 Milliarden US-Dollar und Exporten nach China von 59 Milliarden US-Dollar wuchs der Handel zwischen diesen beiden Ländern mit 107 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 erstmals auf einen dreistelligen Milliarden-Bereich. Im Vergleich zum Vorjahr stieg er um 27 Prozent. Damit handelten Russland und China im vergangenen Jahr fast doppelt so viel wie Russland und Deutschland.

Konkurrenz für deutsche Exporte

Die Zahlen mögen beeindrucken, jedoch ist der Anstieg fast ausschließlich ein Preiseffekt und auf höhere Rohstoffpreise russischer Exporte zurückzuführen. Dennoch sollte sich die deutsche Wirtschaft die Struktur der russischen Importe aus China genauer anschauen: Sie ähnelt in einigen Bereichen der mit Deutschland. Importe aus China sind vor allem Anlagen und Maschinen, die deutschen Herstellern Konkurrenz machen. Auch Elektrogeräte und Textilien gehören in das Exportportfolio Chinas nach Russland. Russische Lieferungen nach China sind fast ausschließlich Rohstoffe.

Und der Handel soll weiter steigen: Die russische Regierung hat sich für das Jahr 2024 das Ziel gesetzt, den Warenaustausch mit China auf 200 Milliarden US-Dollar zu erhöhen und damit nochmals fast zu verdoppeln. Damit wendet sich Russland weiter verstärkt China zu. Gleichzeitig scheint die vor Kurzem ausgegebene Importsubstitutionspolitik hier keine Rolle zu spielen. Deutsche Exporteure wird dies weiter unter Druck setzen, gerade bei der Preisgestaltung mit russischen Kunden.

Deutsche Wirtschaft bei Investitionen vorne

Weiterhin die Nase vorn hat Deutschland gegenüber China aber bei den Direktinvestitionen. Kumuliert hat China bis heute etwa Direktinvestitionen in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar in Russland getätigt, 2017 jedoch netto nur 140 Millionen US-Dollar Neuinvestitionen. 2018 wird keine signifikant höhere Zahl erwartet. Die deutsche Wirtschaft hingegen hat bis heute mit fast 20 Milliarden US-Dollar mehr als das Fünffache an kumulierten Direktinvestitionen getätigt und liegt alleine im Jahr 2018 bei mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar. Diese Zahlen zeigen auch, dass China zwar große Pläne im Rahmen des Projektes Neue Seidenstraße hat, in der Praxis zumindest in Russland aber sehr vorsichtig agiert.

Für die deutsche Wirtschaft sind die chinesischen Exporte nach Russland trotzdem besorgniserregend, da die Qualität chinesischer Anlagen und Maschinen immer mehr mit deutschen als vergleichbar angesehen wird. Punkten kann Deutschland meist beim After-Sales-Service sowie bei der Wartung und Instandhaltung.

Mit der Strategie „Made in China 2025“ versucht das bevölkerungsreichste Land der Erde, auch technologisch die Führungsrolle in der Welt zu übernehmen und sich vom Konzept der verlängerten Werkbank zu verabschieden. Dabei entwickeln sich immer mehr Unternehmen in China, die mit deutschen Hidden Champions vergleichbar sind. Mehr dazu können Sie auch in der neuen Ausgabe unseres Magazins ChinaContact 1-2/2019 lesen.

 

 

 

 

 

Ulf Schneider
Geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber
OWC-Verlag