Reif für die Insel

BERLIN/SHANGHAI. Immer mehr chinesische Verbraucher sind nicht nur „reif für die Insel“, sondern machen dort auch Urlaub. Das ist eines der Ergebnisse des ITB China Travel Trends Report, der im Rahmen der vom 15. bis 17. Mai in Shanghai stattfindenden Tourismusmesse ITB China vorgestellt wird.

Immer mehr chinesische Verbraucher sind nicht nur „reif für die Insel“, sondern machen dort auch Urlaub. Foto: iStock © Iuliia Serova

Auch wenn China über lange Küstenlinien verfügt – es gibt nur wenige Strände und die sind in den Ferienzeiten häufig überfüllt. Davon profitiert das Segment Inselurlaub. Experten nennen als einen der Hauptgründe für das wachsende Interesse am Inselurlaub die Visumfreiheit für Inselziele, da damit eine reibungslose, sorgenfreie und entspannte Reise garantiert ist. Dazu kommt, dass Inseln für chinesische Reisende typischerweise für Romantik, Abenteuer und Flucht stehen. Textanalysen von Social Media Posts zum Thema Inselreisen zeigen, dass Privatsphäre in diesem Zusammenhang ein wichtiger Trend ist, der eng mit dem Begriff der Romantik korreliert. Künftige Ehepaare, die sich an Hochzeitsfotoshootings beteiligen, frisch verheiratete Paare in den Flitterwochen und Abenteuerlustige, die nach Aktivitäten wie Tauchen suchen, sind dann auch die Segmente, die weiteres Wachstum versprechen.

Mehrere Reiseunternehmen melden eine erwartete Compound Annual Growth Rate (CAGR) von 35 Prozent in den nächsten drei Jahren, während der Markt für Inselreisen derzeit bereits 100 Milliarden Yuan jährlich (rund 146 Millionen USD) übersteigt. Die Wachstumserwartungen werden vor allem von den chinesischen Millenniums-Konsumenten angeheizt, während in einer referenzierten Umfrage 30 Prozent der befragten Millennials den Wunsch äußerten, innerhalb der nächsten drei Jahre eine Inselreise zu unternehmen.

Zwar hatte das Image verschiedener für chinesische Reisende wichtiger Inselziele unter sogenannten „Zero-Dollar“-Touren gelitten. Das sind Touren, die unangekündigte obligatorische Einkaufstouren beinhalten. Mit der verstärkten Kontrolle und Regulierung durch die Behörden der Zielländer dürften diese Art Reise-Angebote aber nun der Vergangenheit angehören. Zum Beispiel hatte der indonesische Tourismusverband 2018 intensiv mit der Regulierung von Low-Cost-Touren begonnen. Auf Bali, eine der Top-Inseldestinationen für Reisende aus China, wurden alle tourbezogenen Einkaufsstätten geschlossen. Seit 2016 hat Thailand ebenfalls drastische Maßnahmen ergriffen, um diese Art Touren zu unterbinden.

Mit wachsender Kaufkraft und besserem Wissen über Reiseziele steigt die Zahl der chinesischen Touristen, die sich für maßgeschneiderte Touren entscheiden. „Reisetipps“ ist eines der Themen, das in den analysierten reisebezogenen Social Media Posts viel Raum einnimmt. Neben dem Strandurlaub werden auch Nischenangebote aus dem Erlebnistourismus interessanter, zum Beispiel Wanderungen zu aktiven Vulkanen, Walbeobachtungen und Dschungelabenteuer. Fachleute prognostizieren, dass sich in den kommenden drei Jahren voraussichtlich mehr als 70 Prozent der Inseltouristen für maßgeschneiderte oder eigenständig organisierte Touren entscheiden werden.