Russland: Interesse deutscher Wirtschaft ungebrochen

Die IHK Düsseldorf lud am 10. Januar zur traditionellen Russland-Konferenz, diesmal zum Thema „Wo Russlands Wirtschaft wächst“. 150 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik folgten der Einladung.

Zum 14. Mal organisierte die IHK Düsseldorf ihre Russland-Konferenz. Foto: OWC

Zum 14. Mal organisierte die IHK der Nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt ihre Russland-Konferenz. Auch in diesem Jahr bewegten die Teilnehmer die weiter angespannten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen. Der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Thomas Geisel, kritisierte in seiner Begrüßungsrede den stark emotional aufgeladenen Dialog zwischen West und Ost: „Der politische Diskurs erinnert an Zeiten, die wir geglaubt haben, überwunden zu haben.“ Auch ein Exkurs zum viel diskutierten Pipeline-Projekt Nord Stream 2 durfte nicht fehlen: „Wir sollten die Diskussion sachlich führen und die Versorgungssicherheit für den gesamten europäischen Kontinent in den Mittelpunkt stellen“, appellierte Geisel. Ähnlich argumentierte Christoph Dammermann, Staatsekretär im Wirtschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen. „Wir lassen uns auch nicht von verbündeten Staaten vorschreiben, wie wir unsere Enerfgieversorgung sicherstellen. Nord Stream 2 bleibt ein Baustein einer verlässlichen Energieversorgung für Deutschland“, forderte Dammermann.

Landwirtschaft, Chemie und Pharma vielversprechend

Eigentlich ging es aber um die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Experten und Praktiker aus der Automobilindustrie, dem E-Commerce oder der Land- und Lebensmittelwirtschaft berichteten Newcomern, welche Geschäftschancen es gibt und was hinsichtlich Markteintritt und Lokalisierung beachtet werden müsse. Besonders vielversprechend sei die Digitalisierung als Feld der Zusammenarbeit. Sie stehe wie in Deutschland ganz oben auf der Agenda russischer Unternehmen, wovon beide Länder noch stärker profitieren könnten. „Digitalisierung ist ein Bereich, in dem Russland wächst“, bestätigte auch der Chef der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp. Im E-Commerce könne mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten gerechnet werden. Weitere vielversprechende Sektoren für deutsche Investitionen sind die Landwirtschaft sowie die Chemie- und Pharmabranche.

Visaerleichterung als Signal

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist das Interesse deutscher Unternehmen am russischen Markt ungebrochen, auch wenn die Zahl der deutschen Unternehmen in Russland 2018 um 300 auf 4.600 zurückgegangen ist. Zwar sei Russland weder ein leichter Markt noch ein Investorenparadies , dennoch gehe es im Russland-Geschäft aufwärts, betonte auch der Präsident der IHK Düsseldorf, Andreas Schmitz. Der deutsche Botschafter in Russland, Rüdiger Freiherr von Fritsch, appellierte auch diesmal an die Teilnehmer: „Es gibt keine Alternative zu guten deutsch-russischen Beziehungen.“ Erleichterungen bei den Visabestimmungen könnten dabei ein wichtiges politisches Signal senden.

dk