Bitte an die Bundespolizei…

…und an den Bundesinnenminister

Während die Zeichen in den politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland weiter auf Eiszeit stehen, könnten zumindest zivilgesellschaftliche Bereiche Fortschritte bringen – allen voran die Willkommenskultur.

Foto: iStock @ Meinzahn

Im Jahr 2018 gab es in den politischen Beziehungen zwischen Russland und dem Westen wenig Positives zu vermelden. Und kaum etwas deutet darauf hin, dass sich dies 2019 ändern wird. Umso wichtiger ist es, Gebiete zu definieren, in denen auch abseits der großen Politik kleine, aber praktische Fortschritte erzielt werden können. Dazu gehört die Willkommenskultur an der Grenze.

95 Minuten Warten an der Passkontrolle in München? Meine russische Kollegin und ich waren aus Moskau an die Isar geflogen. Meine Hinweise an anwesende Bundespolizisten, dass ihre Kollegen bei der Einreisekontrolle Verstärkung bräuchten, verhallten im Raum.

Drei Wochen später bei der Einreise aus Russland über den Flughafen Berlin-Schönefeld ein ähnliches Bild, das sich mir als Vielflieger schon öfters bot: Vor mir warteten zwar nur sieben Passagiere. Da es sich jedoch um russische Staatsbürger handelte, waren die bürokratischen Prozeduren enorm – alle wurden aufgefordert, ihre Rückflugtickets zu zeigen. Sie wurden laut und deutlich verhört, was sie in Deutschland wollten und wann sie zurückflögen. Das Ganze gipfelte in der Aufforderung an einen Passagier vor mir, seinen Geldbeutel zu zeigen, das Geld herauszunehmen und vor dem Polizisten und allen weiteren Passagieren durchzuzählen. Ich ging vor und drückte in deutlichen Worten mein Unbehagen aus. Darauf wurde ich ermahnt, mich in die Reihe zurückzustellen – was ich tat.

In der Öffentlichkeit Geld zählen zu lassen, das geht nicht, liebe Bundespolizei! Meine Beschwerde an Polizisten im Flughafen wurde jedoch nicht aufgenommen. Ich hörte lediglich die Worte, dies sei im Gesetz so vorgeschrieben. Nun ist dem nicht ganz so, denn es geht hier nicht um Gesetze, sondern Regelungen des Bundesinnenministeriums, deren Umsetzung im Ermessen der Bundespolizei liegt.

Lieber Bundesinnenminister, liebe Bundespolizei,

ändern Sie die Regelungen und die praktische Handhabe, sie können damit viel zur Völkerverständigung beitragen. So könnten Ihre Polizisten, anstelle von irrelevanten Gesprächen an der Passkontrolle, an anderer Stelle zur inneren Sicherheit beitragen.

 

 

 

 

Ulf Schneider
Geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber
OWC-Verlag