Geschäftsklima Russland: Deutsche unzufrieden mit Umsätzen

Die Stimmung im Russland-Geschäft hat sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Sorgen bereiten deutschen Investoren und Exporteuren der schwache Rubel, die Sanktionen und protektionistische Maßnahmen seitens Russlands.

Die Stimmung im Russland-Geschäft hat sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Foto: iStock © anouchka

Der Ausblick für das Russland-Geschäft im kommenden Jahr hat sich unter deutschen Unternehmen deutlich eingetrübt. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Ost-Ausschuss – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft (OAOEV) und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen befürchten im kommenden Jahr eine Stagnation (36 Prozent) oder Verschlechterung (23 Prozent) der russischen Wirtschaft. Optimistisch sind nur noch 41 Prozent. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 80 Prozent der Befragten.

„Die Verunsicherung durch eine mögliche neue Zuspitzung der politischen Konflikte und weitere Sanktionsrunden der USA ist mit Händen zu greifen“, kommentierte der Vorsitzende der Geschäftsführung des OAOEV, Michael Harms. Über die Hälfte der Befragten sehen sich inzwischen direkt oder indirekt von den US-Sanktionen betroffen, nur ein Drittel spürt bislang keine Auswirkungen. „Sollte sich der Konflikt mit dem Westen endlich lösen und der Aufbau eines Mittelstands vorankommen, würde Russlands Wirtschaft schnell einen echten Aufschwung erleben“, bleibt er aber optimistisch.

Auch bei den nach Russland exportierenden Unternehmen ist die Stimmung schlecht. „Während die deutschen Importe aus Russland aktuell wachsen, erwarten wir bereits für 2018 leichte Einbußen“, sagte Harms. Ein Grund sei der niedrige Rubelkurs. Der Wechselkurs ist für zwei Drittel der befragten Unternehmen derzeit das größte Problem im Russland-Geschäft.

Ähnlich viele Befragte nannten vor dem Hintergrund der Importsubstitutionspolitik zunehmende protektionistische Hürden als problematisch.

Mehr Investitionen als im Vorjahr geplant

Dennoch konnte mehr als die Hälfte der Befragten ihren Jahresumsatz 2018 ausbauen, viele planen gar eine Ausweitung der Geschäfte: Die in den kommenden zwölf Monaten geplanten Unternehmensinvestitionen belaufen sich zusammen auf über 628 Millionen Euro, deutlich mehr als im Vorjahr. „Weiterhin überlegt nur eine kleine Gruppe von Unternehmen aufgrund der US-Sanktionen ihre Aktivitäten in Russland zurückzufahren, jedes dritte Unternehmen will das Russland-Geschäft weiter ausbauen“, sagte Harms. Die Mehrzahl der Unternehmen warte allerdings ab, wie sich die Lage entwickelt. „Es ist höchste Zeit, dass Russland und Europa an einem Einstieg in den Ausstieg arbeiten“, kommentierte AHK-Geschäftsführer Matthias Schepp die Ergebnisse. „Die neuen amerikanischen Sanktionen verfolgen zudem eindeutig das Ziel, für Amerika wirtschaftliche Vorteile zu erreichen, auch auf Kosten deutscher und europäischer Unternehmen.“

Eine Lösung könnte ein vom Dollar unabhängiges Zahlungssystem auf EU-Ebene sein, wie dies derzeit im Fall Iran vorbereitet wird. Zwei Drittel der befragten Unternehmen könnten sich dies auch für Russland vorstellen.

Bessere Beziehungen zwischen EU, Deutschland und Russland gefordert

„Gerade wenn die politischen Beziehungen recht festgefahren bleiben, ist der direkte Kontakt zwischen Deutschen und Russen ein stabilisierendes Element und eine Investition in eine bessere Zukunft“, sagte der AHK-Vorstandsvorsitzende Schepp. „Visafreies Reisen für Studenten und Auszubildende, für junge Männer und Frauen unter 25 wäre ein solcher Schritt.“

Neben der gegenseitigen Visafreiheit für Russen und EU-Bürger gehört eine engere Zusammenarbeit der EU mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) zu den wichtigsten Forderungen im Hinblick auf die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union beziehungsweise Deutschland. „Jeder auch noch so kleine Fortschritt bei der Angleichung von Normen, Standards, Zertifizierungsprozessen und anderen Bestimmungen kommt unmittelbar der Wirtschaft zugute, in ganz Europa. Dazu brauchen wir diesen Dialog“, sagte Harms.

An der Umfrage haben sich 168 deutsche Unternehmen beteiligt, die in Russland fast 142.000 Mitarbeiter beschäftigen und dort knapp 23 Milliarden Euro umsetzen.

Die vollständigen Umfrageergebnisse finden Sie unter

www.oaoev.de und www.russland.ahk.de