Batterien: China dominiert Wettrennen um Rohstoffe

Nicht nur China versucht, bei kritischen Rohstoffen in der Batterieproduktion wie Cobalt und Lithium so viele Ressourcen zu sichern wie möglich. Aber chinesische Unternehmen schlagen sich in diesem Wettbewerb besonders gut und heizen das weltweite Rennen an.

Durch den Kauf von Firmenanteilen der Lithium-Produzenten SQM und Windfield verfügt die chinesische Tianqi Lithium über qualitativ hochwertige Lithium-Ressourcen. Spodumen (Foto) ist eines der wichtigsten Lithiumerze. Foto: iStock © hekakoskinen
Durch den Kauf von Firmenanteilen der Lithium-Produzenten SQM und Windfield verfügt die chinesische Tianqi Lithium über qualitativ hochwertige Lithium-Ressourcen. Spodumen (Foto) ist eines der wichtigsten Lithiumerze. Foto: iStock © hekakoskinen

Zwei Trends dominieren derzeit den Rohstoffmarkt: Der erste ist die Energiewende mit der langsamen, aber allmählichen Substituierung der endlichen Erdölvorkommen durch erneuerbare Energien. Daraus folgt der zweite Trend, die Elektromobilität. Fahrzeuge auf Basis fossiler Brennstoffe werden in den kommenden Jahrzehnten teilweise oder vollständig durch E-Autos ersetzt – in China werden sie New Energy Vehicles (NEV) genannt. Der nationale Entwicklungsplan für Elektromobilität der Bundesregierung aus dem Jahr 2009 sieht vor, dass bis 2020 eine Million Elektro- und Plug-in-Hybrid-Autos auf deutschen Straßen fahren sollen. Chinas 13. Fünfjahresprogramm von 2016 gibt vor, den Verkauf von Elektroautos bis 2020 zu verzehnfachen. Einer der Schlüsselfaktoren dabei ist die Kapazität der Batterien. Die größte Aufmerksamkeit zieht dabei die sogenannte ternäre Li-Batterie auf sich – bei gleichem Gewicht wie herkömmliche Batterien bietet sie eine deutlich höhere Kapazität. Die Kathode einer ternären Li-Batterie besteht zu einem bestimmten Anteil aus Nickel-Cobalt-Mangan (NCM) oder Nickel-Cobalt-Aluminium (NCA).

Die Grafik verdeutlicht die Preisentwicklung bei Cobalt, nachdem China sich entschieden hatte, die Elektromobilität stark voranzutreiben. Quelle: London Metal Exchange | Grafik OWC
Die Grafik verdeutlicht die Preisentwicklung bei Cobalt, nachdem China sich entschieden hatte, die Elektromobilität stark voranzutreiben. Quelle: London Metal Exchange | Grafik OWC

Chinas strategische Übernahmen

Cobalt ist ein gefragtes Metall, das als Nebenprodukt des Kupferbergbaus produziert wird. 60 Prozent des weltweiten Angebots liegen in der Demokratischen Republik Kongo. Mittels strategischer Übernahmen konnten chinesische Unternehmen einen großen Teil der weltweiten Cobalt- und Lithiumressourcen bereits in ihren Besitz bringen.
Dem Wallstreet Journal (WSJ) zufolge hat China Molybdenum 2016 eine riesige Kupfer- und Cobaltmine im Kongo von dem US-amerikanischen Bergbaukonzern Freeport-McMoRan Inc. für 2,65 Milliarden US-Dollar erworben. China Moly wurde dadurch zum zweitgrößten Cobaltproduzent der Welt. Das kongolesische staatliche Bergbauunternehmen Gécamines SA und die China Nonferrous Metal Mining Group (CNMC) entwickeln gemeinsam eine Cobalt- und Kupfermine, von der auch China profitieren wird. CNMC betreibt die Mine mit einem Anteil von 51 Prozent, während Gécamines 49 Prozent besitzt und von der CNMC ein Darlehen in Höhe von 870 Millionen US-Dollar erhalten hat. Chinas State Bureau of Material Reserve hat rund 5.000 Tonnen Cobalt angesammelt. Das entspricht den weltweiten Vorräten für 15 Tage. Chinas strategische Reserven an Rohöl reichen dagegen laut WSJ nur für rund drei Tage.

Ein weiteres Beispiel ist Tianqi Lithium. Anfang 2018 versuchte das Unternehmen, die chilenische SQM, den größten Lithiumproduzenten der Welt, für fünf Milliarden US-Dollar zu erwerben. Die chilenischen Aufsichtsbehörden versuchten anfangs, diesen Deal zu blockieren. Die chinesische Regierung mahnte umgehend an, dass dies die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern schädigen würde. Das chilenische Verfassungsgericht stimmte Tianqi Lithium letztlich zu und erlaubte dem Unternehmen, einen Anteil an SQM von 23,8 Prozent für 4,1 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Am Ende dieses komplizierten Geschäfts wird Tianqi Lithium letztlich rund 26 Prozent an SQM halten. Anfang Mai 2014 hatten die Chinesen außerdem 51 Prozent von Windfield gekauft, der Muttergesellschaft des australischen Bergbauunternehmens Talison Lithium. Wenn die Übernahme von SQM abgeschlossen ist, verfügt Tianqi Lithium somit über die qualitativ hochwertigen Lithium-Ressourcen von zwei der fünf größten Lithiumhersteller der Welt.

China bestimmt die Preise

Nachdem China 2016 die Förderung der New Energy Vehicles (NEV) in das 13. Fünfjahresproramm aufgenommen hatte, stiegen die Preise der dafür kritischen Rohstoffe. Beim Absatz von Elektrofahrzeugen liegt China schon jetzt auf Platz eins mit einem Marktwert, der so hoch ist wie der der Länder auf den Plätzen zwei bis zehn zusammen. Etwa 80 Prozent der globalen Batterieproduktion konzentrieren sich in Asien – China zeichnet allein für 69 Prozent verantwortlich. Nur 15 Prozent entfallen auf die USA, auf die EU nur vier Prozent, berichtet Bloomberg.

Erst im Juni dieses Jahres sanken die Preise wieder, infolge des US-chinesischen Handelskrieges und wegen Überkapazitäten. Cobalt und Lithium stehen auf der Liste der Importe, die im Handelskrieg den von den USA zusätzlich auferlegten Zöllen unterliegen. Im Gegenzug entschied China, nach dem 1. November Steuerrückzahlungen für bestimmte Exporte in die USA zu erhöhen, darunter für Cobalt und Lithium. Kürzlich unterzeichnete das chinesische Unternehmen Ganfeng Lithium einen Vertrag mit BMW über die Lieferung von Lithium-Produkten an BMW in den nächsten fünf Jahren. BMW will seinen Wandel zum Hersteller von Elektrofahrzeugen beschleunigen. Der führende chinesische Hersteller CATL baut eine Batteriefabrik in Deutschland. Sowohl Ganfeng als auch CATL gehören zu den Technologieführern in China. Ihre Fortschritte bei der Senkung der Kosten für die Batterieproduktion erschweren es den europäischen Nachzüglern, in die Industrie einzusteigen.

Die Strategien der EU

Wie die Financial Times im Oktober aus Brüssel berichtete, plant die EU, staatliche Beihilfen für die Erforschung von Elektrobatterien zuzulassen und bietet Milliarden von Euro an Mitfinanzierungen für die Unternehmen, die große Batteriefabriken bauen. Um die Versorgungsrisiken der Rohstoffe zu beheben, plant die EU auch, alte Elektronik zu recyceln, um einen Teil der Rohstoffe zurückzugewinnen. Brüssel hat außerdem begonnen, europäische Mineralvorkommen zu kartieren, um einen besseren Überblick über die Verteilung der Rohstoffreservoirs in der Union zu erhalten. Einige Firmen wie Leclanché, das Li-Batterien in Deutschland produziert, testen neue Technologien auf Basis von Nickel-Cobalt-Mangan, die den Einsatz von Cobalt um zwei Drittel reduzieren sollen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will bis 2030 ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Batterien decken – aus deutscher und europäischer Produktion und mit „eigenem Wissen“, wie er Anfang November nach einem Gespräch mit EU-Energiekommissar und Vizepräsident der Kommission, Maros Sefcovic, in Berlin sagte. Für die Förderung des Produktionsaufbaus wird die Bundesregierung bis 2021 aus dem Etat des Wirtschaftsministeriums eine Milliarde Euro bereitstellen. Sefcovic sagte weitere Mittel aus europäischen Fördertöpfen zu. Mit „eigenem Wissen“ meint Altmaier die Recyc­ling-Technologie. Diese brauche aber noch gut und gerne zwanzig Jahre, sagt Professor Kai Peter Birke, Experte für elektrische Energiespeichersysteme an der Universität Stuttgart. Bis dahin muss Europa weiter um die nötigen Rohstoffe kämpfen.

Wang Xia
ist Doktorandin am Institut für Erd- und Umweltwissenschaften der Universität Potsdam.

Wang Yonghua
ist Stellv. Direktor für Explorationstechnologie und Geologische Information am Chengdu Center of China Geological Survey.

Zhang Xiaodong
ist Redakteurin für China beim OWC Verlag für 
Außenwirtschaft.

Dieser Beitrag ist in ChinaContact 11/12-2018 erschienen.